Mafia-Massaker Mutmaßlicher Drahtzieher steht vor Gericht

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mafia-Mörder Giovanni Strangio hat begonnen. Der 31-Jährige gilt als Haupttäter des Trios, das im August 2007 in Duisburg sechs Menschen vor einem italienischen Restaurant erschoss.


Locri - Mehr als zweieinhalb Jahre sind seit dem Mafia-Massaker vor einer Pizzeria in Duisburg vergangen. Doch erst seit Februar sitzen alle drei mutmaßlichen Todesschützen hinter Gittern. Gegen den Hauptverdächtigten Giovanni Strangio hat am Mittwoch im süditalienischen Locri der Prozess begonnen. Ihm wird vorgeworfen, der Drahtzieher der Bluttat und einer der drei Todesschützen gewesen zu sein.

Das Trio hatte am 15. August 2007 sechs Italiener eines verfeindeten Mafia-Clans aus Rache vor der Pizzeria "Da Bruno" in der Duisburger Innenstadt mit zahlreichen Schüssen regelrecht hingerichtet. Anschließend gelang den drei Schützen die Flucht nach Belgien.

Über eineinhalb Jahre war die Polizei den Killern auf den Fersen. Ende 2008 ging ihnen als erster der 38-jährige Giuseppe Nirta in Amsterdam ins Netz. Im März 2009 konnten die Fahnder dann den 31-jährigen Giovanni Strangio festnehmen, ebenfalls in der niederländischen Stadt. Längere Zeit galten er und Giuseppe Nirta als alleinige Schützen.

Erst im Februar fasste die Polizei den dritten Mann des Mordtrios: Der 38-jährige Sebastiano Nirta wurde bei einer Razzia in Kalabrien festgenommen. Die DNA-Spuren aller drei Italiener waren am Tatort in Duisburg nachgewiesen worden. Sie gehören der Mafiaorganisation 'Ndrangheta an.

Im Verfahren gegen Giovanni Strangio wollte die Anklage beantragen, seinen Prozess in ein Massenverfahren zu integrieren, das bereits gegen 15 Mitglieder des 'Ndrangheta-Clans im kalabrischen San Luca läuft. Unter diesen Angeklagten sind auch die mutmaßlichen Mörder Maria Strangios.

Die Duisburger Bluttat gilt als Racheakt für den Mord an ihr. Sie war eine Cousine von Giovanni Strangio. Der Anschlag vor der Pizzeria soll Marco Marmo gegolten haben. Er starb bei dem Mafia-Massaker in Duisburg. Marmo war laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa verdächtigt worden, verantwortlich für den Tod von Maria Strangio zu sein.

Giovanni Strangio nimmt an dem Prozess, der mit Verfahrensfragen eröffnet wurde, per Video von seiner Gefängniszelle in Rom aus teil. Obwohl der Sechsfachmord in Duisburg stattfand, wird den drei Todesschützen der Prozess nicht in Deutschland, sondern in Italien gemacht. Für die beiden anderen Todesschützen gibt es derzeit noch keinen Prozesstermin.

ada/dpa

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