Mafia-Organisation Camorra Dutzende Festnahmen bei internationaler Großrazzia

520 Kilogramm Kokain, 450 Kilogramm Haschisch und Dutzende Verdächtige: Bei einer Großrazzia sind mehr als 30 mutmaßliche Mafiosi festgenommen worden. Drei davon in Deutschland.

Razzia in Barcelona
AFP

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Bei einem internationalen Großeinsatz gegen die Mafia-Organisation Camorra sind mindestens 30 Verdächtige festgenommen worden, davon drei in Deutschland. 18 Verdächtige wurden laut einem Sprecher der EU-Justizbehörde Eurojust in Italien festgenommen, zwölf in Spanien.

Nach Angaben der europäischen Polizeiagentur Europol wurden auch 520 Kilogramm Kokain und 450 Kilogramm Haschisch beschlagnahmt, zudem Güter im Wert von fünf Millionen Euro.

Den Verdächtigen wird unter anderem Drogenhandel und Geldwäsche sowie Erpressung vorgeworfen. Zur Identität der Verdächtigen machte sie keine näheren Angaben. Die meisten Festnahmen erfolgten nach Angaben der spanischen Polizei in Barcelona. Dort wurden auch Häuser, Restaurants und andere Geschäfte durchsucht. In der italienischen Camorra-Hochburg Neapel wurden mindestens acht Verdächtige festgenommen.

Zu den Festnahmen in Deutschland wurden zunächst keine Details genannt. In einem anderen Fall hatten die Staatsanwaltschaft Konstanz und die Polizei Tuttlingen vor knapp zwei Wochen mitgeteilt, sie hätten einen mutmaßlichen Drogenhändlerring mit engen Beziehungen zur italienischen Mafia zerschlagen und dabei 15 Verdächtige zwischen 25 und 77 Jahren festgenommen.

"Mafia ist fest in Italien verwurzelt"

Die spanischen Ermittler werfen der Camorra vor, mithilfe eines riesigen Netzwerks aus Firmen in Spanien, Italien, Deutschland, Frankreich und Portugal Einkünfte aus dem Drogenhandel zu waschen. Dazu würden etwa Spielhallen, Autovermietungen und Goldhandlungen genutzt.

In Spanien werden regelmäßig mutmaßliche Mitglieder der italienischen Mafia festgenommen. Italiens Mafia-Sonderermittler Franco Roberti sagte vergangenen Monat in einem Interview mit der spanischen Tageszeitung "El País", die Mafia sei fest in dem Land verwurzelt. Spanien sei ein strategisch bedeutsames Land für die organisierte Kriminalität.

Nach Einschätzung des italienischen Journalisten und Buchautors Roberto Saviano haben mehrere italienische Mafia-Clans einen Teil ihrer Aktivitäten nach Spanien verlegt. Camorra-Bosse würden die spanische Mittelmeerküste bereits als "Costa Nostra" (Unsere Küste) bezeichnen - als Wortspiel mit der Cosa Nostra, der Mafia in Sizilien, berichtete der Autor des Mafia-Enthüllungsbuches "Gomorrha".

kry/AFP



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