Majestätsbeleidigung: Thailändischer König begnadigt Amerikaner

Joe Gordon wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt, weil er angeblich den thailändischen König Bhumibol Adulyadej beleidigt hatte: Rund sechs Monate nach dem Schuldspruch hat der Monarch den US-Bürger jetzt begnadigt.

US-Bürger Joe Gordon (Dezember 2011): Begnadigung durch König Bhumibol Adulyadej Zur Großansicht
AFP

US-Bürger Joe Gordon (Dezember 2011): Begnadigung durch König Bhumibol Adulyadej

Bangkok - Joe Gordon ist wieder ein freier Mann. Thailands König Bhumibol Adulyadej hat den wegen Majestätsbeleidigung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilten US-Bürger begnadigt. Joe Gordon sei am Dienstagabend aus dem Gefängnis in der Hauptstadt Bangkok entlassen worden, sagte ein Sprecher der örtlichen US-Botschaft. Ob Gordon, der thailändische Wurzeln hat, in die USA zurückkehrt, ist noch unklar.

Gordon hatte eine in Thailand verbotene Biografie des Königs mit dem Titel "The King Never Smiles" ("Der König lächelt nie") übersetzt und ins Internet gestellt. Im Dezember vergangenen Jahres war er verurteilt worden, nachdem er wenige Monate zuvor auf einer Reise nach Thailand festgenommen worden war. Thailands König gilt in der Öffentlichkeit als unantastbar. Das thailändische Recht sieht für Majestätsbeleidigung Strafen von bis zu 15 Jahren Gefängnis vor. Bhumibol ist seit mehr als 60 Jahren der König Thailands.

Die Verurteilung von Gordon hatte US-Diplomaten erzürnt: Er war in Colorado, als er die Übersetzungen ins Netz stellte. "Wir sind sehr besorgt über das harte Urteil. Wir unterstützen die Redefreiheit in Thailand und der ganzen Welt", so Elisabeth Pratt, Generalkonsulin in Bangkok. Gordon hatte nach der Urteilsverkündung gesagt: "Ich bin Amerikaner, und in den USA gilt Redefreiheit."

2011 sorgte auch das Schicksal eines Thailänders für Schlagzeilen, der mit seinem Handy vier Textnachrichten mit "anti-royalistischen Inhalten" verschickt hatte. Der Mann, der zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war, starb in diesem Monat im Alter von 62 Jahren im Gefängnis.

wit/dapd/AFP

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insgesamt 12 Beiträge
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1. optional
Bourgeois2000 11.07.2012
Man sollte auch nicht unerwähnt lassen, dass sich auch Mitglieder des Königshauses kritisch über die Strafen für Majestätsbeleidung geäußert haben.
2. Sein Fehler...
makl98 11.07.2012
... war, dass er danach eine Reise nach Thailand unternommen hat. Denn ab dem Moment befand er sich in der Jurisdiktion Thailands - und seine "Tat" ist dort halt strafbar. Die USA gehen übrigens ganz genau so vor: wer z.B. im Ausland (in einem Land ohne Copyright-Gesetz) Musik kopiert und dann in die USA einreist, wird ebenfalls verhaftet. Oder wer Botschafts-Depeschen veröffentlicht (was im Ausland legal, in den USA jedoch illegal ist), wird ggf. sogar zum Tode verurteilt, wenn er in die USA einreist. Und wer sich im Ausland mit regierungskritischen Büchern etc. beschäftigt, wird bei einem Einreiseversuch in die USA ggf. verhaftet, nicht ins Land gelassen oder sonstwie behandelt. Die USA sollen sich hier also bitte nicht aufregen - sie machen exakt dasselbe.
3. ...
deus-Lo-vult 11.07.2012
Zitat von makl98... Die USA sollen sich hier also bitte nicht aufregen - sie machen exakt dasselbe.
Das sehe ich ganz genauso!!! Heuchelei. Mehr ist es nicht! Viele Menschen glauben, sie könnten sich immer und überall alles erlauben, weil sie aus einem freien Land kommen! Andere Länder, anderen Sitten und andere Gesetze! Wem das nicht passt, der sollte in "seinem" freien Land bleiben!
4. Glück gehabt
J.O. 11.07.2012
Joe Gordon hat noch Glück gehabt weil er Amrikaner ist und nur deshalb relativ schnell wieder befreit wurde. Thailand ist eben keine Demokratie nach westlichem Musten und Meinungsfreiheit gibt es dort genauso wenig. Da dürfen zwar mutmassliche Mörder frei rum laufen soweit sie Parlamentsmitglieder sind, aber wegen angeblich versandten 4 SMS geht man gnadenlose 20 Jahre in den Knast. Dafür blüht die Korruption, dass selbst 12 Diebe daran scheitern können das ganze Bargeld abzutransportieren. Alles ganz normal in diesem "Land of smile".
5. Arroganz
laosichuan 11.07.2012
"Ich bin Amerikaner, und in den USA gilt Redefreiheit." Das ist wirklich an Arroganz nicht mehr zu überbieten.
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Bevölkerung: 68,139 Mio.

Fläche: 513.000 km²

Hauptstadt: Bangkok

Staatsoberhaupt: König Bhumibol Adulyadej

Regierungschef: Armeechef Prayuth Chan-ocha (seit 22. Mai 2014)

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