Malaysia Behörden finden immer mehr Flüchtlingsgräber

Skrupellose Menschenhändler haben im Grenzgebiet zwischen Malaysia und Thailand womöglich Hunderte Flüchtlinge ermordet oder sterben lassen. Die Menschen könnten teils über lange Zeiträume in Camps gefangen gehalten worden sein.

Malaysischer Polizist im Grenzstreifen zu Thailand: 28 Geisel-Camps, 139 Gräber, eine unbekannte Zahl von Toten
AFP

Malaysischer Polizist im Grenzstreifen zu Thailand: 28 Geisel-Camps, 139 Gräber, eine unbekannte Zahl von Toten


Die Zahl der im Norden Malaysias verscharrten Flüchtlinge könnte noch weit höher sein als befürchtet. Am Sonntag hatten die Behörden bekannt gegeben, dass in einem Grab mehr als hundert Leichen lagen. Jetzt wird klar: Alles ist noch viel schlimmer.

Die Menschenhändler haben im Grenzgebiet zwischen Malaysia und Thailand womöglich Hunderte Flüchtlinge ermordet oder sterben lassen. Möglicherweise wurden die Menschen teils über lange Zeiträume in Camps gefangen gehalten. Die ältesten der bisher gefundenen illegalen Lager wurden Schätzungen zufolge schon vor über fünf Jahren angelegt.

Malaysias Regierungschef Najib Razak zeigte sich schockiert. "Wir werden die Verantwortlichen finden", kündigte er via Twitter an.

Zunächst hieß es von Seiten der malaysischen Behörden, die Fahnder hätten bisher mindestens 17 solche verlassenen Dschungelcamps gefunden.

Kurz darauf erhöhte Polizeichef Khalid Abu Bakar diese Zahl auf 28 in einem nur 500 Meter tiefen Grenzstreifen, der gerade einmal 50 Kilometer lang ist. Die Camps liegen somit dicht an dicht, allerdings bestens verborgen: Die Gegend ist mit dichtem Dschungel bewachsen.

Wie viele Menschen dort genau ums Leben kamen, ist noch völlig offen. Aus Polizeikreisen verlautete, Experten aus der Hauptstadt Kuala Lumpur seien vor Ort, Suche und Zählung gehen weiter. Polizeiangaben zufolge wurden in einem Grab eine bereits stark verweste Leiche gefunden. Bereits am Sonntag war aber auch bekannt geworden, dass man allein in einem Grab über hundert Leichen gefunden hatte - und bisher wurden 139 Gräber gefunden.

"Es ist eine sehr traurige Szenerie", sagte Bakar, "forensische Teams sind jetzt vor Ort und haben begonnen, die Leichen zu bergen." Der Polizeichef schließt nicht aus, dass die kriminellen Schleuser und Erpresser Helfer vor Ort haben: "Wir gehen davon aus, dass hier Syndikate involviert sind, die vor allem finanzielle Ziele verfolgen. Wir werden ermitteln und werden dabei niemanden ausnehmen, malaysische Beamte eingeschlossen."

Polizeichef Khalid Abu Bakar: Jagd auch auf korrupte Mittäter in Malaysia
AFP

Polizeichef Khalid Abu Bakar: Jagd auch auf korrupte Mittäter in Malaysia

Waren die Toten Flüchtlinge, die nicht zahlen konnten?

Bei den Opfern handelt es sich nach ersten Angaben wahrscheinlich um muslimische Rohingya aus Burma und Menschen aus Bangladesch. Schlepper schleusen die Flüchtlinge auf der Suche nach einem Ausweg aus Verfolgung und Armut seit Langem nach Malaysia.

Oft verfolgen sie dabei allerdings eine Art doppeltes Geschäftsmodell: Erst lassen sie sich für die Flucht bezahlen, dann setzen sie die Flüchtlinge fest und machen sie zu Geiseln. Weiter oder zurück zu ihren Familien werden die Flüchtlinge nur transportiert, wenn jemand dafür bezahlt.

Das Problem ist weithin bekannt, hat den Flüchtlingsstrom aber nicht einschränken können: Allein seit dem 10. Mai landeten rund 3600 Flüchtlinge in Indonesien, Malaysia und Thailand. Etwa genau so viele sollen nach Schätzung von Menschenrechtlern noch auf überfüllten Fischerbooten vor den Küsten Malaysias und Indonesiens sein. Menschenschmuggler hatten die Boote und die Menschen darauf aufgegeben, nachdem am 11. Mai eine breit angelegte Polizeiaktion gegen die Schlepper begonnen hatte. Kurz zuvor waren in Südthailand mehr als zwei Dutzend verscharrte Leichen nahe eines Schleusercamps entdeckt worden.

Im Video: Das Flüchtlingsdrama in Südostasien

AP/dpa/pat

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Tacitus73 25.05.2015
1. entschiedenes Vorgehen gegen Menschenhändler!
Vielleicht wird jetzt den Politikern selbst in Europa endlich deutlich, dass man bei der Bewältigung der aktuellen Flüchtlingswelle auch entschieden gegen die Menschenhändler und Schlepper vorgehen muss. Bisher war die Haltung ja eher die, dass man dagegen angeblich nichts oder nicht viel tun könne... (will?)
obruni.ningo 25.05.2015
2. Instabile Region
Das Grenzgebiet zwischen Malaysia und Thailand ist seit Jahrzehnten der Kontrolle durch die Regierungen entzogen. Rebellen kämpfen gegen Regierungstruppen und der Palmölschmuggel blüht. Dort wird von dunklen Drahtziehern Geld auf jede erdenkliche Weise verdient, die Korruption blüht.
schaafsnase 25.05.2015
3.
Zwischen 2005 und 2009 gab es Gerüchte in Malaysia, dass aufgegriffene Burmesische Mädchen, meist als Zwangsprostituierte von Thailand nach Malaysia verkauft, bei der Rückführung nach Myanmar auf der Thailändischen Seite den Grenzkontroll - Container betreten, ihn auf der anderen Seite aber nicht mehr verlassen. Die Malayen haben die Schultern gezuckt und sagten, Myanmar habe halt Angst vor AIDS, das Problem löse man mit einer Spritz. Die Thais hat das offenbar auch nicht gejuckt. Hat hier keinen gross Interessiert, hat hier nicht mal wer geglaubt. Ein Leben zählt in der Region nicht viel und Westen, Osten, die islamische Welt und der Rest von Asia Pacific schauen weg. Ich sage nicht irgendwer muss dort Eingreifen oder "helfen", das hat in letzen 70 Jahren oft genug erst recht zur Katastrophe geführt. Aber wie wäre es mal, ganz allgemein, zu schauen wo das Geld herkommt das in 'sicheren Häfen' investiert wird und entsprechzende Mittel zu beschlagnahmen? Und die Finanzplätze in Asia Pazifik dazu birngen dies auch zu tun? Hong Kong sollte eignetlich seit den Boot People wissen was bei rauskommt, Australien so wie so. Und Indonesien und Malysia... wenn in Europa z.B. Malysiasche Minister empfangen werden die ihrer Freundin mit C4 in die Luft haben jagen lassen weil sie Schmiergeldgeschäfte hat ausplaudern wollen.. warum soll sich da wer ändern...
Das Pferd 25.05.2015
4.
Zitat von Tacitus73Vielleicht wird jetzt den Politikern selbst in Europa endlich deutlich, dass man bei der Bewältigung der aktuellen Flüchtlingswelle auch entschieden gegen die Menschenhändler und Schlepper vorgehen muss. Bisher war die Haltung ja eher die, dass man dagegen angeblich nichts oder nicht viel tun könne... (will?)
was heißt hier "will"? Das ist eine infame Unterstellung. Böse kapitalistische Regierung- böse Schlepper, da muß sich doch ein Zusammenhang konstruieren lassen. Vielleicht sind einfach die Möglichkeiten, militärische oder polizeiliche Maßnahmen in anderen souveränen Staaten durchzuführen, natürlicherweise begrenzt?
seamanslife 25.05.2015
5.
Zitat von schaafsnaseZwischen 2005 und 2009 gab es Gerüchte in Malaysia, dass aufgegriffene Burmesische Mädchen, meist als Zwangsprostituierte von Thailand nach Malaysia verkauft, bei der Rückführung nach Myanmar auf der Thailändischen Seite den Grenzkontroll - Container betreten, ihn auf der anderen Seite aber nicht mehr verlassen. Die Malayen haben die Schultern gezuckt und sagten, Myanmar habe halt Angst vor AIDS, das Problem löse man mit einer Spritz. Die Thais hat das offenbar auch nicht gejuckt. Hat hier keinen gross Interessiert, hat hier nicht mal wer geglaubt. Ein Leben zählt in der Region nicht viel und Westen, Osten, die islamische Welt und der Rest von Asia Pacific schauen weg. Ich sage nicht irgendwer muss dort Eingreifen oder "helfen", das hat in letzen 70 Jahren oft genug erst recht zur Katastrophe geführt. Aber wie wäre es mal, ganz allgemein, zu schauen wo das Geld herkommt das in 'sicheren Häfen' investiert wird und entsprechzende Mittel zu beschlagnahmen? Und die Finanzplätze in Asia Pazifik dazu birngen dies auch zu tun? Hong Kong sollte eignetlich seit den Boot People wissen was bei rauskommt, Australien so wie so. Und Indonesien und Malysia... wenn in Europa z.B. Malysiasche Minister empfangen werden die ihrer Freundin mit C4 in die Luft haben jagen lassen weil sie Schmiergeldgeschäfte hat ausplaudern wollen.. warum soll sich da wer ändern...
hat 1994 schon über einen Grenzübergang zu Myanmar berichtet an dem zurückgeschickte HIV-positive Frauen einfach verschwinden. Die Frauen werden von der thailändischen Polizei bei Razzien in Bangkok/Pat Pong kontrolliert und nur wenn sie HIV-positiv sind sofort ausgewiesen. Die gesunden bleiben da, die Polizei kontrolliert und kassiert über die Bordellbesitzer mit ab. Die Polizei in Thailand ist Teil des Systems. Jeder Ausländer der mal etwas länger in Thailand gelebt hat kennt sich damit aus.
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