Urlaubsparadies Malediven Regierungskritiker erstochen aufgefunden

Der maledivische Blogger Yameen Rasheed ist tot. Der Mord an ihm ist kein Einzelfall: Regierungskritiker leben gefährlich in dem islamischen Staat, den Urlauber nur als Ferienparadies wahrnehmen.

Yameen Rasheed auf seiner Website "The Daily Panic": Von Unbekannten erstochen
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Yameen Rasheed auf seiner Website "The Daily Panic": Von Unbekannten erstochen


Auf den Malediven ist ein bekannter Internetblogger und Menschenrechtsaktivist erstochen worden. Wie Angehörige und Kollegen von Yameen Rasheed am Sonntag mitteilten, wurde der 29-Jährige mit zahlreichen Stichwunden in Hals und Brust im Treppenhaus seiner Wohnung in der Hauptstadt Malé gefunden. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er wenig später starb.

Rasheeds regierungskritischer Blog "The Daily Panic" hatte eine beträchtliche Anzahl von Lesern unter den etwa 340.000 sunnitischen Muslimen der südasiatischen Inselrepublik. Der Betreiber hatte sich eigenen Worten zufolge zum Ziel gesetzt, "Nachrichten zu bringen und zu kommentieren sowie über die häufig nicht satirisch darzustellende Politik der Malediven satirisch zu berichten".

Rasheed hatte sich seit 2014 als Menschenrechtsadvokat und Regierungskritiker profiliert, als er sich an die Spitze einer Kampagne stellte, die eine Lokalisierung des verschwundenen unabhängigen Journalist Ahmed Rilwan einforderte. Der Betreiber des Polit-Blogs "Minivan News" sowie der Anti-Korruptions-Organisation Transparency Maldives, mit dem Rasheed eng befreundet war, war am 8. August 2014 spurlos verschwunden - mutmaßlich von Personen verschleppt, die der Regierung nahestehen. Von ihm fehlt seitdem jede Spur.

Wunderschöner, restriktiver Staat

Dass regimekritische Blogger und Journalisten auf den Malediven gefährlich leben, ist bekannt: Rasheed und Rilwan sind nicht die einzigen Medienvertreter, die in den vergangenen fünf Jahren Opfer eines Verbrechens wurden. Auch der Blogger Ismail Rasheed, der unter dem Namen Hilath schrieb, wurde 2012 von einem unbekannten Täter erstochen.

Der im Exil lebende Oppositionsführer und ehemalige Staatspräsident Mohamed Nasheed forderte am Sonntag eine unabhängige Untersuchung des jüngsten Falls. Ein Nasheed-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, diesmal müssten internationale Ermittler eingeschaltet werden. Andernfalls werde die Angelegenheit "wieder unter den Teppich gekehrt".

Seit einer Bombenexplosion auf dem Boot des Staatschefs Abdulla Yameen im September 2015 ist die politische Lage im Touristenparadies der Malediven stark angespannt. Die wichtigsten Oppositionspolitiker sitzen entweder in Haft oder mussten das Land verlassen.

Das vermeintliche Urlaubsparadies gilt als Hochburg des Islamismus. Kontrovers sind aber nicht nur die Umtriebe subversiver Zirkel: Unabhängige Organisationen wie Amnesty International kritisieren auch die Autoritäten des Staats seit Langem wegen des Umgangs mit politischen Gegnern.

Das Klischee: Urlaubsparadies Malediven. Von sozialen oder politischen Spannungen, Arbeitslosigkeit und Drogenproblemen in Städten wie Male (am Horizont) bekommen Urlauber nichts mit
DPA

Das Klischee: Urlaubsparadies Malediven. Von sozialen oder politischen Spannungen, Arbeitslosigkeit und Drogenproblemen in Städten wie Male (am Horizont) bekommen Urlauber nichts mit

Urlauber bekommen auf den Malediven von solchen Dingen in der Regel nichts mit: Die meisten Resorts liegen auf Inseln, die nur der touristischen Nutzung vorbehalten sind. In dem aus 1196 Einzelinseln bestehenden Staat sind solche Lösungen naheliegend: Nur 220 Inseln sind regulär bevölkert. Viele andere Inseln werden für dezidierte Zwecke reserviert - als Produktionsstätten, Müllinseln, touristische Resorts - oder eben Gefängnisinseln.

Nasheed stieg 2008 zum ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Inselstaats im Indischen Ozean auf. 2012 wurde er gestürzt und zu 13 Jahren Haft verurteilt. Die Uno und zahlreiche westliche Staaten kritisierten damals den Prozess und die Verurteilung gemäß den Antiterrorgesetzen des Landes.

Anfang 2016 durfte Nasheed zu einer medizinischen Behandlung nach Großbritannien ausreisen, wo ihm Asyl gewährt wurde. Seitdem lebt er im Exil. Eine von Nasheed angeführte Koalition von Oppositionsparteien versucht, Yameen vor den Wahlen im kommenden Jahr zu schwächen und später möglichst zu entmachten.

AFP/pat



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