"Tiefes Bedauern" Priester entschuldigt sich wortreich bei Missbrauchsopfer

Ein katholischer Priester hat sich in einem Brief ausführlich bei einer Frau entschuldigt, die er mutmaßlich zehn Jahre lang missbraucht hat. Was nutzt dem Opfer die späte Reue?

Betender katholischer Geistlicher
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Betender katholischer Geistlicher


"Ich entschuldige mich für jedwede sexuelle Aktivität Ihnen gegenüber", schreibt der katholische Priester Peter C. in einem Brief vom April 2017 an sein Missbrauchsopfer. "Aktivitäten", die er damals als einvernehmlich erachtet habe, die aber als Missbrauch angesehen würden.

In den Siebziger- und Achtzigerjahren soll der Geistliche aus dem katholischen Servitenorden die zunächst minderjährige Schülerin missbraucht haben.

"Bitte nehmen Sie meine aufrichtige Entschuldigung und mein tiefes Bedauern an über all das Unglück, das ich Ihnen verursacht habe", schreibt der Priester. Er hoffe, die Entschuldigung werde der Frau helfen, "sich von der Pein zu befreien, die Sie aufgrund meines Verhaltens erlitten haben." Er hege die Hoffnung, dass sie mit seiner "Einmischung" in ihr Leben abschließen, dadurch frei werden und in Zukunft friedlich leben könne.

Ein frommer Wunsch, der sich nicht erfüllen sollte.

Die "Manchester Evening News" berichteten zuerst über den Fall und veröffentlichten nun den Brief des Geistlichen. "Er war sehr charismatisch und freundlich", sagte die heute etwa 50-jährige Betroffene, die anonym bleiben wollte, der Zeitung. "Ich war ein leicht zu beeindruckender Teenager. Und ich fing an, zu ihm zur Beichte zu gehen. Ich habe wirklich zu ihm aufgeschaut."

Über zehn Jahre sollen sich die sexuellen Übergriffe des Priesters hingezogen haben. Das Opfer verdrängte die Taten. "Aber als ich Anfang 30 war, fing ich an Flashbacks zu haben", erinnert sich die Frau.

Sie habe eine Art Zusammenbruch erlitten, sei sehr krank geworden und habe im Anschluss jahrelang Psychotherapie gemacht. Der Geistliche bekam derweil im Jahr 1999 von Queen Elisabeth für seine Verdienste den "Order of the British Empire" verliehen.

Rund 40 Jahre lang war Pater Peter C. Priester in der Gemeinde "Our Lady of Dolours" in Salford nahe Manchester. Mehrere Jahre arbeitete er an einer Grundschule.

Die Flashbacks hörten nicht auf - sein Opfer erstattete Anzeige bei der Polizei. Pater C. wies jeden Vorwurf der sexuellen Nötigung von sich, der Fall kam nicht zu Anklage. Die Frau entschied sich, eine Zivilklage gegen die Kirche anzustrengen. Im Dezember einigte man sich außergerichtlich.

"Er ist davongekommen"

Laut dem Bericht der "Manchester Evening News" ermittelte die katholische Kirche und brachte den Priester dazu, von seinen Ämtern in Gemeinde und Schule zurückzutreten. Dem Orden empfahlen Kirchenvertreter, C. in Zukunft nicht mehr mit der Betreuung von Kindern und Jugendlichen zu beauftragen.

Der Orden entschuldigte sich ebenfalls bei dem Opfer, sprach von Grenzüberschreitung und Amtsmissbrauch. Man habe sich auf ein Schmerzensgeld geeinigt.

Trotz der wortreichen Entschuldigungen des Geistlichen ist die Betroffene immer noch wütend. "Ich habe das Gefühl, dass er davongekommen ist", sagte sie. Sie sei nicht an Geld oder Rache interessiert, aber es müsse auf jeden Fall vermieden werden, dass der Priester je wieder mit Minderjährigen zu tun hat. Deshalb habe sie den Brief öffentlich gemacht.

Der auf Missbrauchsfälle spezialisierte Anwalt Richard Scorer sagte, der Priester habe, obwohl er wusste, dass er unrecht handelte, den Missbrauch jahrelang fortgeführt. Der Brief sei nur ein Zeugnis dafür, "dass er nicht in der Lage oder willens ist, die Schwere und die Auswirkungen seines Handelns auf meine Mandantin zu erkennen." Denn die müsse sich ein Leben lang mit den Folgen auseinandersetzen.

ala

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