Priester wegen Betrugs verurteilt "Auf großem Fuß gelebt"

Ein Priester betrog die Kirche und Caritas, um seinen ausschweifenden Lebenswandel zu finanzieren. Das Landgericht Mannheim verurteilte ihn nun zu vier Jahren Freiheitsstrafe.

Richterbank am Landgericht Mannheim
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Richterbank am Landgericht Mannheim

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Dass er eines Tages in Handschellen vor einem weltlichen Gericht Platz nehmen würde, hätte Markus E. selbst nie erwartet. Doch da sitzt der leitende Geistliche des Erzbistums Freiburg nun am Ende eines Prozesses, der Mitte September begonnen hat, und nimmt das Urteil der Wirtschaftsstrafkammer entgegen: vier Jahre Freiheitsstrafe wegen Betrugs.

Markus E. hatte zunächst versucht, Erklärungen dafür zu finden, warum es zu finanziellen Unregelmäßigkeiten in seiner Pfarrgemeinde in Lahr im Schwarzwald, beim Caritasverband sowie bei der Ordensgemeinschaft der Mannheimer Ursulinen gekommen war. Doch nach wenigen Verhandlungstagen sah er ein, dass ihm kaum einer im Saal Glauben schenkte.

Da räumte er ein, zwischen Januar 2013 und April 2017 die drei Institutionen hintergangen und um rund 228.000 Euro betrogen zu haben. Das Gericht erklärte nun in seiner Urteilsbegründung, man halte das Geständnis für glaubhaft und nicht für taktisch.

Wegen Verdunklungs- und Fluchtgefahr sitzt Markus E. seit Dezember vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Er hat sich mit seinem Leben hinter Gittern arrangiert und doch die Hoffnung gehegt, dass der Haftbefehl mit der Verkündung des Urteils ausgesetzt werden würde.

Das Gericht ließ diese Hoffnung platzen. Markus E. bleibt bis zur Rechtskraft der Entscheidung in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt in Mannheim und wird anschließend in ein Gefängnis in Baden-Württemberg verlegt. Die Kammer begründete ihre Entscheidung damit, dass sie zwar nicht davon ausgehe, dass sich der Priester dem Verfahren entziehen wolle, könne aber eine Gefahr nicht ausschließen. "Der Verdacht reicht, um den Haftbefehl aufrechtzuerhalten", sagt Edgar Gärtner, der Verteidiger des Geistlichen.

Die Schadenssumme von 228.000 Euro war im Vergleich zu anderen Wirtschaftsverfahren eher gering. Für die Betroffenen ging es vielmehr um den Vertrauensbruch, den der katholische Geistliche und Seelsorger verursacht hat.

Markus E. hatte als selbstständiger Unternehmensberater Leistungen in Rechnung erstellt, die er gar nicht erbracht hatte; er kassierte zudem Geld für Pilgerreisen und karitative Projekte, die es gar nicht gab. Möglich war all das nur, weil sein Amt ihm Autorität verlieh und die Mitarbeiter der Caritas der Annahme waren, der Pfarrer arbeite als Vorsitzender des Caritasrats ehrenamtlich.

Geld "verprasst"

Sein Einkommen als Pfarrer lag bei etwa 3500 Euro netto, etwa den gleichen Betrag erwirtschaftete Markus E. nebenbei als Unternehmensberater. Seine Gesamteinnahmen in den Jahren der angeklagten Taten beliefen sich auf 1,36 Millionen Euro. Aber er habe mit Geld nicht umgehen können, sagte Markus E. vor Gericht.

Staatsanwalt Holger Hofmann sprach in seinem Plädoyer von einem ausgetüftelten System, mit dessen Hilfe sich der Pfarrer bereichert habe - das Geld habe er "verprasst und auf großem Fuß gelebt". Hofmann forderte eine Strafe von vier Jahren Haft.

Anwalt Gärtner plädierte auf drei Jahre und neun Monate Haft. Sein Mandant sei geläutert, sagt Gärtner. Er habe im Strafvollzug eine Wandlung erfahren und erkannt, dass er sich für "seine innere Rechtfertigung" eine Scheinwelt aufgebaut hatte. "Er möchte das Kapitel abschließen." Das Geschehene habe den 54-Jährigen "geprägt und verändert", er hoffe darauf, seine Reststrafe im offenen Vollzug zu verbüßen.

Anfang Oktober hatten sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf eine verfahrensverkürzende Absprache verständigt. Für die Wirtschaftsstrafkammer unter dem Vorsitz von Richter Oliver Ratzel eine Ausnahme. Als er dem Priester die Möglichkeit zu einem letzten Wort gab, war dieser erst verwirrt. Er zögerte. Dann sagte Markus E. mit fester Stimme: "Mir tut das Ganze wahnsinnig leid, das hilft jetzt nicht viel, aber es ist so."



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