Belgischer Kindermörder: Dutroux' Mutter warnt vor Freilassung ihres Sohnes

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Dutroux Anfang Februar in Brüssel: "Marc ist noch nicht so weit"

Ein Brüsseler Gericht hat zu entscheiden, ob der Schwerverbrecher Marc Dutroux vorzeitig aus der Haft entlassen wird. Nicht nur für die Angehörigen seiner Opfer ist das Verfahren eine Qual - auch seine eigene Mutter warnt nun vor ihrem Sohn.

Brüssel - Die Mutter von Marc Dutroux hat sich gegen eine vorzeitige Haftentlassung ihres Sohnes ausgesprochen. "Ich bin sicher, dass er wieder beginnen würde", sagte Jeannine Dutroux dem "Le Soir Magazine". Das Interview wurde am Montag veröffentlicht. Es ist das erste Mal seit der Verurteilung von Marc Dutroux, dass seine Mutter sich öffentlich äußert.

Am Montag entscheidet ein Gericht in Brüssel über Auflagen im Fall einer vorzeitigen Freilassung von Dutroux, die der 56-Jährige beantragt hat. Er wurde 2004 zu lebenslanger Haft verurteilt. Dutroux hat sechs Mädchen entführt, gefangen gehalten, gefoltert und vergewaltigt, vier von ihnen starben.

Juristen errechneten unter Berücksichtigung von vorherigen Strafen, dass Dutroux von April 2013 an freigelassen werden könnte. Das belgische Recht erlaubte bislang bei lebenslangen Strafen den ersten Antrag auf Freilassung nach zehn Jahren Haft, bei Wiederholungstätern nach 16 Jahren.

Dutroux' Antrag werden kaum Chancen auf Erfolg eingeräumt. Die Freilassung wäre nur möglich, wenn Gutachten der Gefängnisleitung und psychologischer Sachverständiger zum Ergebnis kommen, dass vom Täter keine Gefahr mehr ausgehe. Vor der Entscheidung müssen die Opfer entschädigt werden, wobei niemand wirklich weiß, wie das im Fall Dutroux funktionieren soll.

Neues Gesetz erschwert vorzeitige Freilassung

Dass die Chancen von Dutroux auf eine baldige Freilassung schlecht stehen, liegt auch daran, dass er bisher kein Bedauern geäußert hat. Glaubt man den Aussagen seiner Mutter, wird sich daran auch erst einmal nichts ändern: "Marc ist noch nicht so weit freizukommen, weil er die Verantwortung für seine Taten immer noch anderen geben will", sagte Jeannine Dutroux dem "Le Soir Magazine". Das Blatt erscheint normalerweise mittwochs, zog die Ausgabe jedoch für die Veröffentlichung des Interviews vor.

Vor kurzem hatte das belgische Parlament ein neues Gesetz beschlossen, allerdings ohne rückwirkende Gültigkeit. Die Frist für den Freilassungsantrag wurde auf 15 beziehungsweise 23 Jahre erhöht. In Fällen wie jenem von Dutroux kann ein dreiköpfiges Gericht nicht mehr mit Mehrheit, sondern muss ein fünfköpfiges Gericht einstimmig entscheiden.

Das neue Gesetz ist eine Reaktion auf den öffentlichen Aufschrei nach der Freilassung der einstigen Dutroux-Gemahlin Michelle Martin. Die heute 53 Jahre alte Frau war 2004 wegen Mittäterschaft zu 30 Jahren Haft verurteilt worden - doch sie wurde im Juli vergangenen Jahres freigelassen. Nun lebt sie in einem Kloster des Klarissenordens in der Nähe von Namur.

bim/Reuters

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Dutroux-Komplizin: Vom Knast ins Kloster

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Hauptstadt: Brüssel

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