Anschlagsopfer Martin Richard: "Dieser kleine Junge wird nie mehr nach Hause kommen"

Getöteter Achtjähriger: Trauer in Dorchester Fotos
AP

Drei Menschen starben beim Anschlag in Boston - nun hat sich die Familie des jüngsten Opfers an die Öffentlichkeit gewandt: Der Vater des achtjährigen Martin Richard bedankte sich für Trost und Hilfe. Seine Frau und Tochter wurden bei dem Anschlag verletzt.

Boston - Irgendjemand hat "Peace" in weißen Buchstaben auf den Bürgersteig geschrieben. Autofahrer bremsen ab, bekreuzigen sich, beschleunigen wieder, manche haben Tränen in den Augen. Nachbarn legen Stofftiere und Blumen an dem blauen Haus im Bostoner Stadtteil Dorchester ab, in dem Martin Richard wohnte.

Der Achtjährige ist eines von drei Todesopfern des Anschlags beim Boston-Marathon - und das erste, dessen Identität öffentlich wurde. Erst später wurde die 29-jährige Restaurantmanagerin Krystle Campbell als weiteres Opfer identifiziert. Die Identität des dritten Toten blieb zunächst unbekannt.

Martin Richard wurde zum Symbol für die Tragödie. "Wir trauern um den kleinen Jungen aus Dorchester", sagte Bostons Bürgermeister Thomas Menino. Martins Mutter Denise und seine siebenjährige Schwester Jane wurden bei dem Anschlag schwer verletzt.

Fotostrecke

16  Bilder
Boston-Marathon: Der Tag nach dem Anschlag
Vater Bill Richard wandte sich am Dienstag an die Öffentlichkeit. "Mein lieber Sohn Martin ist an den bei dem Anschlag erlittenen Verletzungen gestorben", schrieb er in einer E-Mail. "Meine Frau und Tochter erholen sich von schweren Verletzungen. Wir danken unserer Familie und unseren Freunden, denen, die wir kennen, und denen, die wir nie getroffen haben, für ihre Gedanken und Gebete." Richard bat darum, die Familie nicht zu stören, "während wir gleichzeitig trauern und gesunden".

Anders als zunächst berichtet, lief Vater Richard offenbar nicht beim Marathon mit, wie ein Familiensprecher erklärte. Die Eltern und ihre drei Kinder waren demnach im Zielbereich des Rennens, als die Sprengsätze explodierten. Der jüngste Sohn blieb unverletzt.

"Er war ein offenes, glückliches Kind. Das ist ein furchtbarer Verlust", sagte Jane Sherman, die ebenfalls in Dorchester wohnt. Ein anderer Anwohner, Vietnam-Veteran, hielt an der improvisierten Gedenkstätte inne. Der Anschlag sei schlimmer als das, was er auf dem Schlachtfeld gesehen habe. Dann wandte er sich ab, das Gesicht vor Trauer verzerrt.

Dan Aguilar, Nachbar der Familie Richard, sagte dem "Boston Globe", Martin und sein Bruder hätten sehr oft im Garten Fußball, Hockey oder Baseball gespielt. In einer Woche sollte die Baseball-Saison für Martin Richards Nachwuchsteam losgehen. Sein Trainer sagte, der Achtjährige sei sehr reif für sein Alter gewesen.

"Dieser kleine Junge wird nie mehr nach Hause kommen", sagt Nachbar Aguilar. "Ich habe keine Worte. Ich habe keine Worte."

ulz/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Gestern wurden
schlaumeier77 16.04.2013
Zitat von sysopDrei Menschen starben beim Anschlag in Boston - nun hat sich die Familie des jüngsten Opfers an die Öffentlichkeit gewandt: Der Vater des achtjährigen Martin Richard bedankte sich für Trost und Hilfe. Seine Frau und Tochter wurden bei dem Anschlag verletzt. Martin Richard: Achtjähriger starb bei Anschlag in Boston - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/martin-richard-achtjaehriger-starb-bei-anschlag-in-boston-a-894779.html)
bei Anschlägen im von uns "befreiten" Irak allein 75 Menschen getötet und 365 Verletzt. Jede Woche ein Amoklauf in Amerika.... Aber wehe es sprengt sich mal einer in die Luft.... Dan darf die Welt stramm stehen. Ich bin gespannt ob Syrien, Iran oder amrikanische Rechte dafür verantwortlich gemacht werden. Irgendjemand wird schon nutzen aus diesem Unglück ziehen. Seit Gladio wissen wir ja, wozu die NATO im Stande ist.
2. Die Trauer der Anderen
Stauss 16.04.2013
Das ist sehr traurig. Aber mein Mitgefühl hat auch die Mutter im Irak, deren kleiner Sohn beim Spielen auf der Strasse von einer verirrten Kugel getroffen wurde. Oder der Vater, der seine Frau und 4 Kinder verlor, weil sie gerade an einem Auto im pakistanischen Grenzgebiet vorbeigingen, als das von einer Drohne getroffen wurde. Das Traurigste dabei ist wohl, dass alle noch leben würden, wenn es nicht diesen verdammten Krieg ums Öl, (Ehre, nationale Interessen, also beliebig) geben würde, die USA in Frieden sich auf ihr eigenes Gebiet zurückziehen und nur Handel mit den anderen Nationen betreiben würde. Wie es Deutschland in seiner friedlichsten Phase der Geschichte machte, bis dann wichtigtuerische dt. Politiker/Innen die Weltpolitik als ihr Spielfeld entdeckten. Das sind dann auch Opfer dieser Politiker: Kinder.
3.
derdichter 16.04.2013
ich habe mitleid mit angehoerigen verletzten und toten. terror ist ein mittel der... unmenschlich ist. aber die unmenschlichkeit ist leidrler sehr menschlich geworden... ich wuensche den ermittlern scharfe augen und offenen verstand, schnelle loesung des falls und eine sichere ausfindung der verantwortlichen. den verantwortlichen wuensche ich tausend jahre voll feuer schmerz und leid. den opfern wuensche ich gottes segen ihrer seelen. (und wehe hier faengt irgendjemand damit an wie unsinnig glaube ist. nicht-glaube ist ebenso ein glaube, toleranz kann nicht nur einseitig sein)
4. Der Nachbar Aguilar
emmisa 16.04.2013
Der Nachbar ist zu recht betroffen.War er es denn auch wenn es bei gleichen Anlässen, verursacht durch seine Landsleute? Wenn in Bagdad jemand seine Kinder wegen den USA verloren hat? Der Spiegel eine herzherreissende Geschichte geschrieben hat? Tragisch, nicht wahr? Ist ja in den USA passiert
5. optional
nirmata 16.04.2013
bei allem respekt für die opfer dieses heimtückischen anschlags, aber wann verwenden die medien solch einen aufwand die opfer der bombenanschläge im irak oder afghanistan zu profilieren? dort fallen dieserlei anschlägen seit mehr als 10 jahren fast täglich kinder und erwachsene zum opfer.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Justiz
RSS
alles zum Thema Bombenanschlag in Boston
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 12 Kommentare
  • Zur Startseite


Fotostrecke
Bomben in Boston: Spurensuche mit Taschenlampen

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite