Marwa-Prozess in Dresden Angeklagter tobt im Gerichtssaal

Er randalierte, brüllte, schlug seinen Kopf auf die Tischplatte: Der Angeklagte im Fall der getöteten Ägypterin Marwa al-Schirbini hat sich vor Gericht massiv gegen Sicherheitsleute zur Wehr gesetzt. Schon in der Nacht soll es zu einem Handgemenge mit Vollzugsbeamten gekommen sein.

REUTERS

Dresden - Der mutmaßliche Mörder der Ägypterin Marwa al-Schirbini hat am dritten Prozesstag vor dem Dresdner Landgericht randaliert. Der 28-Jährige setzte sich am Mittwoch gegen seine Vorführung massiv zur Wehr und musste im Gerichtssaal von mehreren Wachleuten festgehalten werden. In der Sitzung stampfte er dann mehrfach mit den Füßen auf, stieß einen Wutschrei aus und schlug seinen Kopf auf die Tischplatte. Wie die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand sagte, hatte sich der Angeklagte zuvor "vergeblich geweigert", zum Prozess gebracht zu werden.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll W. schon in der Nacht im Gefängnis Widerstand gegen die Vollzugsbeamten geleistet haben. Bei den Rangeleien soll er sich zwei leichte Blutergüsse am Kopf zugezogen haben. Nach ärztlicher Diagnose schränkten diese Verletzungen seine Verhandlungsfähigkeit jedoch nicht ein.

Bereits in den Vernehmungen im Vorfeld soll W. mehrfach angegeben haben, "große Angst" vor der öffentlichen Verhandlung zu haben. Einmal soll er sogar fast drohend gesagt haben, man solle die Öffentlichkeit lieber bei dem Prozess ausschließen, denn er könne "sonst für nichts garantieren". Den Wunsch des Angeklagten haben seine Anwälte allerdings nie bei der Justiz vorgebracht.

Alex W. war schon bei den ersten beiden Verhandlungstagen zuerst vermummt im Gericht erschienen, sein Gesicht bedeckte er mit einer Skimaske, einem Kapuzen-Pulli und einer Sonnenbrille. Auch als die Fotografen den Raum verlassen hatten, wollte er seine Vermummung nicht abnehmen. Erst als ihn die Richterin mit einem Ordnungsgeld belegte, nahm er die Skimaske ab - die Brille allerdings ließ er auf. Bisher hat er sich zu dem Prozess oder seiner Tat nicht geäußert.

Am Mittwochmorgen klagte W. bereits im Gefängnis und dann im Haftkeller des Gerichts über Schmerzen und war daraufhin untersucht worden. Eine Amtsärztin erklärte, der Angeklagte weise Rötungen und Hämatome unter anderem am Kopf auf, sei aber verhandlungsfähig. Die Verteidigung bezweifelte dies und forderte eine weitergehende Untersuchung. Der Prozess wurde daraufhin unterbrochen. Die eigentlich geplante Vernehmung weiterer Zeugen verzögerte sich.

Die Vorsitzende Richterin hatte den Angeklagten vor der Unterbrechung aufgefordert, sich angemessen zu verhalten und "das Theater" zu unterlassen. Dabei drohte sie auch, ihn notfalls von der Verhandlung auszuschließen.

In dem Verfahren wird Alex W. vorgeworfen, die 31-jährige Ägypterin im Juli während einer Gerichtsverhandlung im Landgericht aus Hass auf Muslime erstochen und deren Mann schwer verletzt zu haben. Al-Schirbini hatte zuvor als Zeugin gegen Alex W. ausgesagt, der sie auf einem Spielplatz als "Islamistin" und "Terroristin" beschimpft hatte.

mgb/pad/AP

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Seite 1
tomac_stamp, 26.10.2009
1. Unverständlich
Zitat von sysopScharfschützen, Spezialeinsatzkräfte, Panzerglas: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa al-Schirbini. Das Landgericht gleicht einer Festung. Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?
Ehrlich gesagt verstehe ich es überhaupt nicht, wie jemand bei seinem eigenen Prozess bewaffnet in einen Gerichtssaal kommen und ganz in Ruhe und genüsslich eine Person niedermetzeln kann. So teuer können Metalldetektoren doch nicht sein, oder? Und wo war die Polizei? Man liest wenig darüber und statt dessen viel von der angestachelten und unverhältnismäßigen Empörung in Ägypten. Dass man jetzt so eine Heckmeck veranstalten muss um einen Durchgeknallten zu beschützen und den eigenen guten Ruf zu waren, hat man sich selbst zuzuschreiben! Und wer kümmert sich eigentlich um die Familie des Opfers?
trendy_randy 26.10.2009
2. Rechtsstaat
Zitat von sysopScharfschützen, Spezialeinsatzkräfte, Panzerglas: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa al-Schirbini. Das Landgericht gleicht einer Festung. Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?
Wie heißt es doch gleich: 80% glauben an den Rechtsstaat; 20% haben schon mit ihm zu tun gehabt.
newright 26.10.2009
3. Presse neutralität
"Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?" Scheinbar nicht mehr. Hauptsache im letzten Satz die arabische Rhetorik eingeführt. Vielleicht ist das Schariagesetz ja viel fairer. Lasst uns Dieben die Hand abhaken und Frauen die Hosen tragen auspeitschen. Die Scharia-Leute haben überhaupt kein Recht zu urteilen. Aber wie immer die deutsche Justiz kuscht vor den arabischen Massen.
donbilbo 26.10.2009
4. Oh
Natürlich ist das Recht in deutschen Gerichtssälen nicht mehr sicher. Schliesslich werden pro Jahr nur 10(00000) Verhandlungen in ganz Deutschland geführt und wenn dann alle 60 Jahre bei einer simplen Verhandlung jemand im Gericht zu Schaden kommt, ist das ein Skandal. Genauso unsicher wie deutsche Krankenhäuser. Täglicher Ärztepfusch... Flugzeuge, ständig stürzen sie ab... Hochhäuser, ständig fliegen Flugzeuge in sie... Atomkraft, andauernd Unfälle mit tausenden Toten... Nazis, kein Tag ohne ermordete Migranten... Klimawandel, die Gefahr in einer Sintflut zu ertrinken, im Winter von 40 Grad Gluthitze gegrillt zu werden oder ein kinderkopfgrosses Hagelkorn auf den Kopf zu bekommen war noch nie so gross... Internet, man muss nur online gehen schon wird man ausgeraubt, betrogen oder mit Kinderpornos traumatisiert... Als Deutscher also am besten einen ausländischen Vormund beantragen der einen durch die ständigen Gefahren begleitet und im Zweifelsfall für sämtliche (natur)Ereignisse die Verantwortung übernehmen muss.
Daniel Freuers, 26.10.2009
5.
Zitat von sysopScharfschützen, Spezialeinsatzkräfte, Panzerglas: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa al-Schirbini. Das Landgericht gleicht einer Festung. Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?
Die Frage erübrigt sich doch von selbst bei Einsatz von Scharfschützen, Spezialeinsatzkräften usw. Wir haben zu unseren Gästen eben vollstes Vertrauen, ....erinnert mich irgendwie an Baader-Meinhof Zeiten
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