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Marwa-Prozess in Dresden: "Ich dachte, der sticht sich jetzt den Weg frei"

Aus Dresden berichtet

Bewegender Tag im Prozess um die Tötung von Marwa al-Schirbini: Der Vorsitzende Richter, vor dessen Augen die junge Frau gestorben war, sagte als Zeuge aus und schilderte den brutalen Ablauf der Tat. Der Angeklagte Alex W. habe die Ägypterin "wie ein Maschinengewehr" angegriffen.

Marwa-Prozess: Höchststrafe für Alex W. Fotos
REUTERS

Ein Neuling im Beruf ist der Vorsitzende Richter am Landgericht Dresden, Tom Maciejewski, mit seinen 21 Jahren Berufserfahrung nicht. Er hat spektakuläre Strafverfahren wie etwa 2006 den Prozess gegen Mario M., den Entführer und Vergewaltiger des Mädchens Stefanie, souverän geleitet und fehlerfrei zu Ende gebracht. Er hat Staatsschutzverfahren geführt und Erfahrungen als Jugendrichter gesammelt. An seiner Kompetenz und Integrität besteht kein Zweifel.

Doch nun ist Strafanzeige gegen ihn wegen fahrlässiger Tötung erstattet worden. Denn er führte am 1. Juli das Berufungsverfahren gegen Alex W., an dessen Ende der Angeklagte auf die 31 Jahre alte Zeugin Marwa al-Schirbini und ihren Ehemann Elwy Okaz mit einem Küchenmesser einstach. Die Frau verblutete noch im Saal 10 des Dresdner Landgerichts, während ihr Mann nur deshalb schwer verletzt überlebte, weil W.s Verteidiger ihm geistesgegenwärtig das Bein abband, das ein zu Hilfe geeilter Polizist irrtümlich durchschossen hatte.

Verklagt hat Maciejewski der Bruder der Getöteten, der überdies den Präsidenten des Landgerichts für den Tod der schwangeren jungen Frau haftbar machen will.

Am Dienstag stand Maciejewski in dem Mordprozess gegen Alex W., einen in Russland geborenen und aufgewachsenen Mann mit deutschem Vater, als unmittelbarer Augenzeuge der tragischen Bluttat vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts. Was er über die damalige Verhandlung berichtete, führte zeitweise zu Totenstille im Saal.

W. ruhig, sachlich, etwas verbohrt und verstockt vielleicht

Es war ein regulärer Sitzungstag. Maciejewski beschrieb das übliche Prozedere, wie er die Personalien des Angeklagten feststellte, wie er ihn belehrte, wie er ihn aufforderte, Fragen zu stellen, falls er nicht alle juristischen Begriffe verstehe. W. sei recht redegewandt gewesen, Kommunikationsprobleme habe es nicht gegeben. "Er wollte keine Angaben zur Sache machen", sagte der Richter als Zeuge. Fragen zu seinen Lebensverhältnissen habe er jedoch problemlos beantwortet - bis auf die Frage, welche Freunde er habe.

W. habe zugegeben, die Ägypterin im August 2008 auf einem Dresdner Spielplatz beschimpft und beleidigt zu haben, als sie ihn bat, die Schaukel für ihren damals zweijährigen Sohn freizumachen. Maciejewski erinnerte sich, dass W. sagte: "Seit dem 11. September haben solche Monster kein Recht, in Deutschland zu leben." Er habe die wörtliche Protokollierung dieser Aussage angeordnet.

"Während der Befragung hat sich der Angeklagte mal gebückt und eine Tasche auf seinen Schoß genommen. Ich weiß noch, dass mir das Geräusch des Reißverschlusses auffiel", erinnert sich der Richter. Im übrigen sei W. ruhig und sachlich aufgetreten, etwas verbohrt und verstockt vielleicht, aber nicht unsympathisch. Es habe keinerlei Anhaltspunkte für eine spätere aggressive Handlung gegeben.

Bevor Maciejewski die auf dem Flur wartende Marwa al-Schirbini als Zeugin in den Saal bat, stellte er sich ihr und ihrem Ehemann vor. "Sie bat mich, den Sohn mit in den Saal nehmen zu dürfen, er habe Fieber, und sie wolle ihn nicht alleinlassen. Ich bin eigentlich gegen Kinder im Sitzungssaal. Aber ich bin auch Vater und verstand das Anliegen der Mutter."

"Er unterscheide Menschen nach ihrer Rasse"

W.s damaliger Verteidiger habe ihn, den Vorsitzenden, darauf hingewiesen, dass sein Mandant Angst habe, sehr aufgeregt und unsicher sei und mit einer Verurteilung rechne. "Es ist mir nicht fremd, wenn Angeklagte so reagieren", sagte Maciejewski, es sei ja auch nicht leicht, wenn man erstmals vor Gericht stehe.

Der damalige Vorsitzende Maciejewski hätte, wenn es nach ihm allein gegangen wäre, Frau al-Schirbini mit ihrer Familie wieder nach Hause geschickt. "Aber ein Schöffe wollte noch Fragen stellen. Also bat ich sie, noch etwas zu warten. Ich fragte den Angeklagten, warum er sich so gegenüber der Frau geäußert habe. Ganz ruhig antwortete W., er finde es falsch, was in Deutschland geschehe, dass nämlich Ausländer hier sein dürften. Er unterscheide Menschen nach ihrer Rasse. Für ihn gebe es die europäische Rasse und nicht-europäische Rassen. Er habe die NPD gewählt und bedaure, dass sie nicht mit an der Regierung sei." Ihn, Maciejewski, habe dies empört.

"Ich habe ihn gefragt, ob er die Geschichte kenne und von den Konzentrationslagern der Nazis wisse. W. antwortete ganz ruhig, dass das nicht Sache der NPD, sondern der NSDAP sei. Ich wies ihn dann noch darauf hin, dass die Leugnung des Holocaust in Deutschland eine Straftat sei." W. sei nicht laut oder unfreundlich geworden. Also habe er die Zeugin al-Schirbini in den Saal gebeten. "Sie war aufgeschlossen, sehr sympathisch, gepflegt, sehr klug. Auch ihr Mann." Die Frau habe Jeans getragen und ein Kopftuch.

"Sie machte ihre Aussage ohne jeden Belastungseifer. So sagte sie zum Beispiel, sie erinnere sich nicht, dass der Angeklagte sie als 'Schlampe' oder als 'Terroristenschlampe' tituliert habe. Solche Wörter gehörten nicht zu ihrem Sprachgebrauch. Sie wisse gar nicht, was sie bedeuteten." Bevor sie ihre Aussage beendete, wandte sich Marwa al-Schirbini zum Angeklagten und sagte mit einem freundlichen Lächeln, so erinnert sich jedenfalls Richter Maciejewski, der Islam sei eine friedliche Religion. Sie verstehe die Reaktionen des Angeklagten nicht.

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Forum - Ist das Recht in deutschen Gerichtssälen sicher?
insgesamt 1369 Beiträge
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1. Unverständlich
tomac_stamp, 26.10.2009
Zitat von sysopScharfschützen, Spezialeinsatzkräfte, Panzerglas: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa al-Schirbini. Das Landgericht gleicht einer Festung. Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?
Ehrlich gesagt verstehe ich es überhaupt nicht, wie jemand bei seinem eigenen Prozess bewaffnet in einen Gerichtssaal kommen und ganz in Ruhe und genüsslich eine Person niedermetzeln kann. So teuer können Metalldetektoren doch nicht sein, oder? Und wo war die Polizei? Man liest wenig darüber und statt dessen viel von der angestachelten und unverhältnismäßigen Empörung in Ägypten. Dass man jetzt so eine Heckmeck veranstalten muss um einen Durchgeknallten zu beschützen und den eigenen guten Ruf zu waren, hat man sich selbst zuzuschreiben! Und wer kümmert sich eigentlich um die Familie des Opfers?
2. Rechtsstaat
trendy_randy 26.10.2009
Zitat von sysopScharfschützen, Spezialeinsatzkräfte, Panzerglas: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa al-Schirbini. Das Landgericht gleicht einer Festung. Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?
Wie heißt es doch gleich: 80% glauben an den Rechtsstaat; 20% haben schon mit ihm zu tun gehabt.
3. Presse neutralität
newright 26.10.2009
"Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?" Scheinbar nicht mehr. Hauptsache im letzten Satz die arabische Rhetorik eingeführt. Vielleicht ist das Schariagesetz ja viel fairer. Lasst uns Dieben die Hand abhaken und Frauen die Hosen tragen auspeitschen. Die Scharia-Leute haben überhaupt kein Recht zu urteilen. Aber wie immer die deutsche Justiz kuscht vor den arabischen Massen.
4. Oh
donbilbo 26.10.2009
Natürlich ist das Recht in deutschen Gerichtssälen nicht mehr sicher. Schliesslich werden pro Jahr nur 10(00000) Verhandlungen in ganz Deutschland geführt und wenn dann alle 60 Jahre bei einer simplen Verhandlung jemand im Gericht zu Schaden kommt, ist das ein Skandal. Genauso unsicher wie deutsche Krankenhäuser. Täglicher Ärztepfusch... Flugzeuge, ständig stürzen sie ab... Hochhäuser, ständig fliegen Flugzeuge in sie... Atomkraft, andauernd Unfälle mit tausenden Toten... Nazis, kein Tag ohne ermordete Migranten... Klimawandel, die Gefahr in einer Sintflut zu ertrinken, im Winter von 40 Grad Gluthitze gegrillt zu werden oder ein kinderkopfgrosses Hagelkorn auf den Kopf zu bekommen war noch nie so gross... Internet, man muss nur online gehen schon wird man ausgeraubt, betrogen oder mit Kinderpornos traumatisiert... Als Deutscher also am besten einen ausländischen Vormund beantragen der einen durch die ständigen Gefahren begleitet und im Zweifelsfall für sämtliche (natur)Ereignisse die Verantwortung übernehmen muss.
5.
Daniel Freuers, 26.10.2009
Zitat von sysopScharfschützen, Spezialeinsatzkräfte, Panzerglas: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa al-Schirbini. Das Landgericht gleicht einer Festung. Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?
Die Frage erübrigt sich doch von selbst bei Einsatz von Scharfschützen, Spezialeinsatzkräften usw. Wir haben zu unseren Gästen eben vollstes Vertrauen, ....erinnert mich irgendwie an Baader-Meinhof Zeiten
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