Marwa-Prozessauftakt in Dresden "Aus blankem Hass auf Moslems"

Vermummt kam der Angeklagte in den Gerichtssaal: Der Russlanddeutsche Alex W. ist angeklagt, die Ägypterin Marwa al-Schirbini in Dresden erstochen und ihren Ehemann schwer verletzt zu haben. Der Staatsanwalt warf dem 28-Jährigen beim Prozessauftakt vor, aus Heimtücke und Hass gehandelt zu haben.


Dresden - Mit mahnenden Worten der Vorsitzenden Richterin begann in Dresden am Montagvormittag der Strafprozess gegen den Russlanddeutschen Alex W. Dem 28-Jährigen wird vorgeworfen, die schwangere Ägypterin Marwa al-Schirbini am 1. Juli dieses Jahres ebenfalls in einem Gerichtssaal in Dresden mit einem Küchenmesser erstochen und ihren Ehemann lebensgefährlich verletzt zu haben.

Das Interesse an diesem Fall ist weltweit enorm, das Verfahren findet unter größten Sicherheitsvorkehrungen statt. Richterin Birgit Wiegand machte zum Prozessbeginn deutlich, dass es sich um kein politisches Verfahren handle. Alle Beteiligten sollten dem Rechnung tragen. Es gehe darum, den Tod einer jungen Frau aufzuklären, "deren Würde in diesem Verfahren auch gewahrt werden muss", mahnte Wiegand.

Der Angeklagte Alex W. war gefesselt an Händen und Füßen in den Gerichtssaal geführt worden, zuvor hatte man ihn in einem gepanzerten Fahrzeug und begleitet von Spezialkräften der Polizei in das Gebäude gebracht.

Er saß mit dem Rücken zum Saal. Sein Gesicht verdeckte er mit der Kapuze seines Pullovers und einer Sonnenbrille und verweigerte zum Prozessauftakt zunächst jegliche Auskünfte.

"Angriff hilflos ausgesetzt"

Die Staatsanwaltschaft warf Alex W. Mord aus "blankem Hass" vor. W. habe die Frau und ihren Mann angegriffen, "um sie zu töten", sagte Oberstaatsanwalt Frank Heinrich bei der Verlesung der Anklageschrift. W. habe auf die unmittelbar nebeneinander stehenden Eheleute "zunehmend teilweise mit großer Wucht" abwechselnd eingestochen.

Die Anklage lautet auf Mord, versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung.

Die schwangere 31-jährige Marwa al-Schirbini war am 1. Juli während eines Berufungsprozesses am Dresdner Landgericht erstochen worden. Der dreijährige Sohn des Paares wurde Zeuge der Bluttat. In dem damaligen Prozess ging es um eine Beleidigung gegen die kopftuchtragende Frau im Jahr 2008. Der jetzt Angeklagte war damals wegen eines gegen ihn verhängten Bußgeldes in Berufung gegangen. Er stammt aus Perm in Russland und war 2003 als Spätaussiedler nach Deutschland gekommen.

Fotostrecke

6  Bilder
Marwa-Prozess in Dresden: "Aus blankem Hass"
"Der Angeklagte wusste, dass die beiden keinen Angriff erwarteten und ihm hilflos ausgesetzt waren", so der Staatsanwalt. Die Tat sei durch die räumliche Enge des Gerichtssaales begünstigt worden. Alex W. "nutzte bewusst diese Umstände aus, um aus bloßem Hass auf Nichteuropäer und Moslems, denen er kein Lebensrecht zubilligt, das Leben der beiden auszulöschen". Er habe Schirbini aus Heimtücke und niederen Beweggründen getötet und versucht, einen weiteren Menschen zu töten.

Der Mann des Opfers erschien am Vormittag - gestützt auf zwei Krücken - im Gericht. Acht Anwälte vertreten den Witwer, den gleichfalls im Prozess anwesenden Bruder der Toten und deren Eltern als Nebenkläger. Das Ehepaar lebte seit mehreren Jahren in Dresden.

Der Mann schrieb am Max-Planck-Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik seine Doktorarbeit, die Frau war in einer Apotheke beschäftigt.

"Großes Vertrauen in die deutsche Justiz"

Nach der Anklageverlesung stellte die Verteidigung von Alex W. zunächst Befangenheitsanträge gegen die Richter. Die Anwälte begründeten dies damit, dass wegen der "persönlichen Betroffenheit" Zweifel an der Unparteilichkeit des Gerichts bestünden, weil die Tat in einem Gerichtssaal des Dresdner Landgerichts geschehen sei. Der Staatsanwalt forderte, die Befangenheitsanträge abzulehnen.

Unter den Prozessbeobachtern am Montag war auch Ägyptens Botschafter in Deutschland, Ramzy Ezzeldin Ramzy. Er erwarte einen fairen Prozess, sagte er: "Ich habe großes Vertrauen in die deutsche Justiz."

Der Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Axel Köhler, sagte am Rande des Verfahrens: "Wir erwarten ein hartes Urteil." Den Opfern und der Familie von Marwa al-Schirbini müsse Gerechtigkeit widerfahren.

Zugleich forderte er die Politik auf, das Thema Islamfeindlichkeit auf die Tagesordnung zu setzen. Die muslimischen Frauen in Deutschland seien verunsichert und hätten Angst. Seiner Einschätzung nach haben Ausfälle gegen sie seit der Tat zugenommen.

Der Mord im Gerichtssaal hatte weltweit Entsetzen ausgelöst, in der arabischen Welt waren Rufe nach Vergeltung laut geworden. Im Vorfeld des Prozesses gab es einen Mordaufruf gegen den Angeklagten.

Daher wurden scharfe Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Das Gericht glich am Montag einer Festung.

pad/dpa/AFP/AP



insgesamt 1369 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tomac_stamp, 26.10.2009
1. Unverständlich
Zitat von sysopScharfschützen, Spezialeinsatzkräfte, Panzerglas: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa al-Schirbini. Das Landgericht gleicht einer Festung. Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?
Ehrlich gesagt verstehe ich es überhaupt nicht, wie jemand bei seinem eigenen Prozess bewaffnet in einen Gerichtssaal kommen und ganz in Ruhe und genüsslich eine Person niedermetzeln kann. So teuer können Metalldetektoren doch nicht sein, oder? Und wo war die Polizei? Man liest wenig darüber und statt dessen viel von der angestachelten und unverhältnismäßigen Empörung in Ägypten. Dass man jetzt so eine Heckmeck veranstalten muss um einen Durchgeknallten zu beschützen und den eigenen guten Ruf zu waren, hat man sich selbst zuzuschreiben! Und wer kümmert sich eigentlich um die Familie des Opfers?
trendy_randy 26.10.2009
2. Rechtsstaat
Zitat von sysopScharfschützen, Spezialeinsatzkräfte, Panzerglas: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa al-Schirbini. Das Landgericht gleicht einer Festung. Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?
Wie heißt es doch gleich: 80% glauben an den Rechtsstaat; 20% haben schon mit ihm zu tun gehabt.
newright 26.10.2009
3. Presse neutralität
"Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?" Scheinbar nicht mehr. Hauptsache im letzten Satz die arabische Rhetorik eingeführt. Vielleicht ist das Schariagesetz ja viel fairer. Lasst uns Dieben die Hand abhaken und Frauen die Hosen tragen auspeitschen. Die Scharia-Leute haben überhaupt kein Recht zu urteilen. Aber wie immer die deutsche Justiz kuscht vor den arabischen Massen.
donbilbo 26.10.2009
4. Oh
Natürlich ist das Recht in deutschen Gerichtssälen nicht mehr sicher. Schliesslich werden pro Jahr nur 10(00000) Verhandlungen in ganz Deutschland geführt und wenn dann alle 60 Jahre bei einer simplen Verhandlung jemand im Gericht zu Schaden kommt, ist das ein Skandal. Genauso unsicher wie deutsche Krankenhäuser. Täglicher Ärztepfusch... Flugzeuge, ständig stürzen sie ab... Hochhäuser, ständig fliegen Flugzeuge in sie... Atomkraft, andauernd Unfälle mit tausenden Toten... Nazis, kein Tag ohne ermordete Migranten... Klimawandel, die Gefahr in einer Sintflut zu ertrinken, im Winter von 40 Grad Gluthitze gegrillt zu werden oder ein kinderkopfgrosses Hagelkorn auf den Kopf zu bekommen war noch nie so gross... Internet, man muss nur online gehen schon wird man ausgeraubt, betrogen oder mit Kinderpornos traumatisiert... Als Deutscher also am besten einen ausländischen Vormund beantragen der einen durch die ständigen Gefahren begleitet und im Zweifelsfall für sämtliche (natur)Ereignisse die Verantwortung übernehmen muss.
Daniel Freuers, 26.10.2009
5.
Zitat von sysopScharfschützen, Spezialeinsatzkräfte, Panzerglas: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnt in Dresden der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der Ägypterin Marwa al-Schirbini. Das Landgericht gleicht einer Festung. Ist nach den leidvollen Erfahrungen das Recht in deutschen Gerichtssälen in Sicherheit?
Die Frage erübrigt sich doch von selbst bei Einsatz von Scharfschützen, Spezialeinsatzkräften usw. Wir haben zu unseren Gästen eben vollstes Vertrauen, ....erinnert mich irgendwie an Baader-Meinhof Zeiten
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.