Kindermörder Martin N. "Maskenmann" verrät nach Jahren Passwörter

Martin N. entführte drei Kinder aus Schullandheimen und brachte sie um. Die Taten gestand er - die Passwörter für seine Festplatten behielt er für sich. Nun haben Ermittler ihn umstimmen können.

Phantombild des "Maskenmanns"
DPA

Phantombild des "Maskenmanns"


Mehrere Jahre nach seiner Verurteilung zu lebenslanger Haft hat der sogenannte Maskenmann die Passwörter zu seinen bisher verschlüsselten Datenträgern verraten. Wie die Polizei in Verden mitteilte, werten die Beamten derzeit die Daten aus. Ein Sprecher sagte dem SPIEGEL, Martin N. habe die Passwörter bereits 2016 genannt. Ein genaues Datum wollte die Polizei nicht nennen.

Martin N. hatte jahrelang kleine Jungen missbraucht und drei von ihnen im Alter von acht, neun und 13 Jahren ermordet - darunter Dennis K. Nach dem Jungen wurde die zuständige Soko benannt. Zwischen 1992 und 2001 schlich sich N. in Norddeutschland nachts maskiert an die Betten seiner Opfer. 2012 wurde er vor dem Landgericht Stade verurteilt. Die drei Morde gestand er.

Kein neuer Tatverdacht

Es gab die Vermutung, dass N. für weitere Fälle verantwortlich sein könnte. Ob die Ermittler dafür auf den nun zugänglichen Datenträgern Hinweise finden, ist offen. "Bisher wurden keinerlei Bild-, Video- oder sonstige Dateien gefunden, die auf weitere Tötungsdelikte oder Missbrauchstaten durch den Verurteilten schließen lassen", hieß es in der Polizeimitteilung. Einen neuen Tatverdacht gebe es bislang nicht.

Aufgrund der Datenmenge werde es voraussichtlich mehrere Monate dauern, bis die Ermittler der "Soko Dennis" zu einem abschließenden Ergebnis kommen. Der Sprecher weigerte sich auf Nachfrage, Details zum Umfang der Daten zu nennen. Auch die Frage, was auf den Bildern zu sehen ist, wollte er nicht beantworten.

Neben den deutschen haben auch die niederländischen und französischen Strafverfolgungsbehörden Interesse an den Ergebnissen, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade sagte. Wegen noch ungelösten Fällen in diesen Ländern gebe es entsprechende Rechtshilfeersuchen.

Um an die Passwörter zu kommen, hatten Ermittler der "Soko Dennis" über Jahre hinweg Kontakt zu dem Gefangenen gehalten. In unregelmäßigen Abständen befragten sie ihn, konnten aber keine wesentlichen Informationen zu den Passwörtern erlangen. Warum Martin N. sie nun doch genannt hat, ist unklar. Die Polizei machte dazu keine Angaben.

sms/apr/dpa

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