"Maskenmann" Offenbar Ermittlungspannen bei der Fahndung nach Martin N.

Martin N. hat gestanden, drei Jungen getötet, weitere sexuell missbraucht zu haben. Der NDR berichtet nun über schwere Pannen bei der Fahnung nach dem "Maskenmann": Polizei und Staatsanwaltschaft sollen Ermittlungsakten vernichtet haben, obwohl die Taten noch nicht verjährt waren.

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Stade - Polizei und Justiz sollen schwere Pannen bei der Suche nach dem "Maskenmann" unterlaufen sein, der zwischen 1992 und 2001 drei Jungen in Norddeutschland getötet und etliche weitere missbraucht haben soll. Der NDR berichtet, Polizei und Staatsanwaltschaft hätten in Bremen und Bremervörde Akten vernichtet, obwohl die entsprechenden Taten zu dem Zeitpunkt noch nicht verjährt gewesen seien. Entsprechende Dokumente liegen dem Sender vor.

Die Bremer Polizei habe zudem ablehnend auf den Wunsch zweier Opferfamilien reagiert, mit einer Presseveröffentlichung Eltern im Bremer Wohngebiet Horn-Lehe zu warnen. Dort waren in zwei Jahren siebenmal Jungen missbraucht worden. Die Polizei lehnte dies ab, unter anderem mit der Begründung, die Information werde "eine nicht zu verantwortende Verunsicherung in der Bevölkerung" verursachen.

Die vorzeitige Aktenvernichtung betrifft mindestens zwei Fälle. Demnach war 1992 ein Zehnjähriger im Schullandheim Zeven-Badenstedt vom "schwarzen Mann" missbraucht worden. Ermittelt hatte damals das Polizeikommissariat Bremervörde. Als die Soko Dennis 2001 die Akten anforderte, hieß es, dass der Vorgang "nicht mehr existent" sei. Nicht einmal das Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft Stade konnte dem Bericht zufolge ausfindig gemacht werden, da die Unterlagen angeblich "mittlerweile vernichtet" worden waren.

Ähnlich soll es der Soko in einem Bremer Fall ergangen sein. Dort war ein Junge zu Hause mehrfach missbraucht worden. Als die Ermittler einige Jahre später die Akten einsehen wollten, war es zu spät: Der damalige Leitende Oberstaatsanwalt Jan Frischmuth bestätigte in einem Brief an die Soko Dennis zu "meinem Bedauern" die Vernichtung. Die Inhalte mussten aus anderen Polizeiakten rekonstruiert werden.

Ermittler scheitern am Passwort des Computers

Von den Ermittlungsbehörden war zunächst keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erhalten. Der Pädagoge Martin N. muss sich von Montag an wegen dreifachen Mordes vor dem Landgericht Stade verantworten.

Der gebürtige Bremer hatte kurz nach seiner Festnahme im April in Hamburg drei Morde und rund 40 Missbrauchsfälle gestanden. Der NDR will die Vorwürfe gegen die Ermittler am Montagabend in einer Dokumentation aufgreifen.

Laut einem Bericht der "Welt am Sonntag" ist es den Ermittlern bislang nicht gelungen, das Passwort des Computers des mutmaßlichen Kindermörders zu knacken. Der Computer war bei der Hausdurchsuchung nach der Festnahme im April in Martin N.s Wohnung sichergestellt worden.

Zwei Jahrzehnte hatte die Polizei nach dem "Maskenmann" gesucht. Der schwarz gekleidete Täter schlich sich nachts in Kinderzimmer, Schullandheime, Zeltlager und vergriff sich an schlaftrunkenen Jungen.

han/dapd/dpa

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