Verbrechen in Frankreich 88-jähriger Kölner wegen Beteiligung an SS-Massaker angeklagt

Die Dortmunder Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen 88-jährigen Kölner erhoben. Der Mann soll während des Zweiten Weltkriegs an der Ermordung von mehr als 600 Menschen im französischen Oradour-sur-Glane beteiligt gewesen sein.

Ruinen von Oradour-sur-Glane: Mehr als 600 Einwohner wurden ermordet
DPA

Ruinen von Oradour-sur-Glane: Mehr als 600 Einwohner wurden ermordet


Köln - Oradour-sur-Glane steht für die unfassbaren Verbrechen, die deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg in Frankreich verübt haben. 1944 hatten SS-Männer dort 642 Einwohnern ermordet - auch ein mittlerweile 88 Jahre alter Kölner soll an der Tat beteiligt gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat nun gegen den Mann Anklage wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes an 25 Menschen und Beihilfe zum Mord an mehreren hundert Menschen erhoben. Dies teilte das Landgericht Köln mit.

Der Rentner soll einer Kompanie eines SS-Panzergrenadier-Regiments angehört haben. Weil der Mann zur Tatzeit erst 19 Jahre alt war, muss eine Strafkammer des Landgerichts nun als Jugendkammer darüber entscheiden, ob das Hauptverfahren eröffnet wird.

Der Anwalt des Verdächtigen teilte mit, sein Mandant bestreite nicht, in Oradour-sur-Glane gewesen zu sein. Der 88-Jährige habe jedoch keinen Schuss abgegeben und sei nicht an dem Massaker beteiligt gewesen.

Am 10. Juni 1944 hatten Mitglieder des SS-Panzergrenadier-Regiments "Der Führer" das gesamte Dorf innerhalb weniger Stunden ausgelöscht. 642 Einwohner wurden ermordet, darunter 207 Kinder. Ein Baby war gerade eine Woche alt.

Die Menschen wurden zunächst auf dem Marktplatz im Zentrum des Ortes zusammengetrieben. Dann schlossen die Soldaten Frauen und Kinder in der Kirche ein, die Männer wurden in mehreren Scheunen zusammengepfercht. Die SS-Schergen brannten schließlich sämtliche Gebäude in Oradour nieder. Einige der Opfer wurden erschossen, die meisten verbrannten. Nur sechs Menschen konnten dem Inferno entkommen. Der 88-Jährige habe in der Nähe der Kirche Wache gestanden, so die Ermittler.

Bis heute ist nicht restlos geklärt, warum die Nazis Oradour zerstörten. Laut Staatsanwaltschaft Dortmund soll der Befehl ergangen sein, um die vermeintliche Entführung eines Bataillonskommandeurs zu rächen und die Bevölkerung abzuschrecken.

wit/dpa/AP/AFP



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