Massaker in Honduras: Unbekannte erschießen 18 Arbeiter in Schuhfabrik

Im Norden von Honduras haben Unbekannte mindestens 18 Angestellte einer Schuhfabrik erschossen. Über die Täter und Motive wird noch gerätselt - der Überfall stehe möglicherweise in Zusammenhang mit Grabenkämpfen zwischen kleineren Drogen-Gangs, vermutete ein Polizeisprecher.

Verzweifelte Angehörige nach dem Überfall vor der Schuhfabrik in San Pedro Sula Zur Großansicht
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Verzweifelte Angehörige nach dem Überfall vor der Schuhfabrik in San Pedro Sula

Tegucigalpa - Zwei oder drei Bewaffnete seien am Dienstag (Ortszeit) in den kleinen Betrieb gestürmt und hätten mit Sturmgewehren vom Typ AK-47 auf die Arbeiter gefeuert, sagte ein Sprecher des Sicherheitsministeriums in der Hauptstadt Tegucigalpa. 13 der etwa 25 Mitarbeiter der Fabrik seien auf der Stelle tot gewesen, fünf weitere im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen gestorben. Die Täter hätten ein Massaker angerichtet, sagte ein Polizeisprecher.

Bei den Toten handelt es sich laut Angaben der örtlichen Staatsanwaltschaft um junge Arbeiter im Alter zwischen 17 und 24 Jahren. Über die Hintergründe der Bluttat lagen zunächst keine Informationen vor. Der Überfall stehe möglicherweise in Zusammenhang mit der Drogengewalt und Grabenkämpfen zwischen kleineren Gangs, erklärte ein Polizeisprecher. Der Polizeichef von San Pedro Sula, Guillermo Arias, erklärte hingegen, er könne nicht sagen, ob die Tat etwas mit der Organisierten Kriminalität zu tun habe.

San Pedro Sula hat etwa eine Million Einwohner und liegt rund 240 Kilometer nördlich von Tegucigalpa. Sie gilt als Kriminalitätshauptstadt des Landes.

Honduras, Guatemala und El Salvador gehören mit einer Rate von bis zu 70 Morden auf 100.000 Einwohner zu den gefährlichsten Ländern in Amerika. Die Mordrate von Honduras ist eine der höchsten weltweit; im Durchschnitt werden hier täglich zwölf Menschen ermordet.

Die meisten Verbrechen werden von kriminellen Banden wie den "Maras" begangen. Sie treiben unter anderem von Taxis und Nahverkehrsbussen "Mautgebühren" ein. Wer nicht zahlt, riskiert, getötet zu werden. Viele Bus- und Taxifahrer sind bereits erschossen worden. Bei dem bisher schlimmsten Massaker hatte im Dezember 2004 eine Bande 21 Passagiere in einem Bus getötet.

Immer wieder werden auch Journalisten Opfer der Gewalt. Ende August fand man die Leiche des 62-jährigen Rundfunkmoderators Israel Zelaya in einem Zuckerrohrfeld in der Nähe der Stadt Villanueva, im Norden des Landes. Unbekannte hatten Zelaya zuvor in San Pedro Sula entführt.

ala/dpa/apn/AFP

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