Amoklauf von Parkland Hilfssheriff bestreitet Fehlverhalten

Seit dem Massaker von Parkland steht ein Hilfssheriff in der Kritik: Er soll tatenlos vor dem Schulgebäude ausgeharrt haben, während drinnen Schüsse fielen. Nun erklärte der Mann sein Handeln.

Gedenken an die Opfer des Schulmassakers
REUTERS

Gedenken an die Opfer des Schulmassakers


Der Hilfssheriff in Parkland, der während des Schulmassakers am Valentinstag an der Marjory Stoneman Douglas High School im Einsatz war, aber nicht eingegriffen hatte, wehrt sich gegen den Vorwurf des Fehlverhaltens. Der Anwalt des Mannes bezeichnete die Vorwürfe, sein Mandant sei ein "Feigling" und habe sich nicht an die Polizeistandards gehalten, als "offenkundig unwahr". Vielmehr sei das Verhalten "den Umständen angemessen" gewesen.

Der Polizeichef des Verwaltungsbezirks Broward, Scott Israel, hatte mitgeteilt, dass der bewaffnete und uniformierte Polizist während des Massakers mit 17 Toten vor einem der Schulgebäude ausgeharrt und nicht eingegriffen habe. Dabei hätte er hineingehen und "den Killer töten" müssen, sagte Israel.

Der Hilfssheriff wurde ohne Gehaltsanspruch vom Dienst suspendiert und kündigte daraufhin. Präsident Donald Trump kritisierte das Verhalten des Mannes deutlich: Er bezeichnete den Mann am Freitag als "Feigling" und warf ihm vor, "einen schlechten Job" gemacht zu haben.

Am Montag legte der Präsident nach. Bei einem Treffen mit Gouverneuren der Bundesstaaten im Weißen Haus sagte Trump, er wäre in einer solchen Situation in das Gebäude gerannt, "auch ohne Waffe".

Video zu Trumps Rede: "Ich wäre reingerannt, auch ohne Waffe"

Der Anwalt des Hilfssheriffs kritisierte unterdessen, dass Polizeichef Israel seine Vorwürfe öffentlich erhoben habe, ohne die Ergebnisse der internen Untersuchung abzuwarten. Sein Mandant sei sich sicher, durch die Aufzeichnungen einer Überwachungskamera sowie die Aussagen von Augenzeugen entlastet zu werden.

Nach Schilderung des Anwalts war der für die Sicherheit an der Highschool zuständige Hilfssheriff zu einem der Schulgebäude gelaufen, weil er einen Alarmhinweis auf "Knallkörper" bekommen habe. Vor Ort habe er dann erkannt, dass es sich bei den Knallgeräusche um Schüssen handelte. Er habe angenommen, dass die Schüsse nicht innerhalb des Gebäudes fielen, sondern außerhalb auf dem Gelände.

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Marjory Stoneman Douglas High School: "17 Engel"

Instruktionen der örtlichen Polizei befolgt

In solchen Fällen besagen die Regeln der örtlichen Polizei, dass die Beamten in Deckung gehen und Kontakt zu Kollegen aufnehmen sollten, wie der Anwalt mitteilte. Sein Mandant sei diesen Anweisungen gefolgt. Der von ihm ausgelöste Alarm habe zur Schließung des gesamten Geländes durch die Polizei geführt.

Erst später habe sich herausgestellt, dass der Schusswaffenangriff nicht draußen, sondern innerhalb eines der Schulgebäude stattgefunden hatte, erklärte der Anwalt. Sein Mandant habe daraufhin dem eingetroffenen Sondereinsatzkommando die Schlüssel für das Gebäude gegeben.

Der 19-jährige Todesschütze, der aus disziplinarischen Gründen der Schule verwiesen worden war, hatte vom Tatort entkommen können. Er wurde kurz danach in der nahegelegenen Stadt Coral Springs festgenommen.

Im Video: Experten über die Anatomie des Amoks

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ans/AP/AFP/Reuters

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