Massaker von Blacksburg Todesschütze schickte US-Sender zwischen den Morden Videos und Fotos

Der Amokläufer von Blacksburg hat das Massaker akribisch vorbereitet: Cho Seung Hui schickte dem Fensehsender NBC zwischen beiden Schießereien per Post ein umfangreiches Materialpaket: Videos, Fotos und eine Erklärung.


Blacksburg - Der 23-Jährige gab das Paket nach der Ermordung von zwei Menschen bei der Post auf dem Campus der Universität Virginia Tech auf. Auf den Fotos posiert Cho an mehreren Orten mit den von ihm erworbenen Schusswaffen und Messern. Seiner Umgebung warf er vor, ihn zu der Tat gezwungen zu haben. Etwa zwei Stunden später tötete er weitere 30 Menschen und beging anschließend Selbstmord.

"Ihr hattet hundert Milliarden Chancen, den heutigen Tag zu verhindern", sagt Cho in einem der 27 Videos aus dem Paket. "Aber Ihr habt entschieden, mein Blut zu vergießen. Ihr habt mich in eine Ecke gedrängt und mir nur eine Möglichkeit gelassen. Die Entscheidung war die Eure. Nun habt Ihr Blut an Euren Händen, das niemals abgehen wird." Darüber hinaus gibt er seinem Hass gegenüber Reichen Ausdruck. Das Paket enthielt zudem ein aus 1800 Wörtern bestehendes Manifest sowie 43 Fotos, auf denen er in unterschiedlicher Kleidung an verschiedenen Orten zu sehen ist. Das Material wird nun von der US-Bundespolizei FBI geprüft.

NBC-Nachrichtenchef Steve Capus, an den das Paket in New York per Eilkurier adressiert war, bezeichnete die schriftliche Erklärung Chos als hasserfüllt. Der in den USA aufgewachsene Südkoreaner erwähne darin auch die "Märtyrer" Eric Harris und Dylan Klebold, die im April 1999 zwölf Schüler und einen Lehrer an der Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado töteten, bevor sie Selbstmord begingen.

Auf elf Bildern hält er Handfeuerwaffen in die Kamera. Etliche Passagen seiner Rede seien zusammenhanglos und vulgär. "All eure Ausschweifungen waren nicht genug. Sie reichten nicht, eure hedonistischen Bedürfnisse zu befriedigen. Ihr hattet alles." Sich selbst stellt er als einen Jungen dar, dessen Herz mutwillig zerstört, dessen Seele vergewaltigt und dessen Bewusstsein ausgelöscht worden sei. "Dank euch sterbe ich wie Jesus Christus, um Generationen schwacher und schutzloser Menschen zu inspirieren."

Bereits vor dem Eingang des Pakets war bekannt geworden, dass Cho lange vor der Tat mit einer Mischung aus aggressivem und depressivem Verhalten vorübergehend die Aufmerksamkeit der Behörden geweckt hatte. Ende 2005 wurde er auf Veranlassung seiner Universität in einer psychiatrischen Anstalt untersucht, teilte der Chef der Campus-Polizei, Wendell Flinchum, mit. Ein Bekannter Chos hatte den Hinweis gegeben, der Student sei selbstmordgefährdet. Zuvor waren bei der Polizei Beschwerden von zwei Studentinnen eingegangen, die sich von Cho belästigt fühlten.

Laut dem Fernsehsender ABC wurde Cho nach einem Tag Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik wieder entlassen. Ein Arzt habe ihm eine "Geisteskrankheit" bescheinigt, er sei aber keine "unmittelbare Gefahr für sich und andere". Angesichts dieser Vorgeschichte stellten sich Kommilitonen und Angehörige der Opfer die Frage, wie der 23-Jährige die Tatwaffen legal erwerben konnte.

als/AFP/AP

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