Mechthild Bach Angeklagte Krebsärztin tötet sich selbst

Sie stand in Hannover vor Gericht, weil sie den Tod von 13 Patienten verursacht haben soll. Doch ehe die Kammer ein Urteil fällen konnte, nahm sich die Medizinerin Mechthild Bach das Leben.


Hannover - Die Krebsärztin Mechthild Bach hat sich selbst getötet. Seit über einem Jahr musste sich die 61-Jährige vor dem Landgericht Hannover wegen des Todes von 13 ihrer Patienten verantworten. Der Prozess sorgte bundesweit für Schlagzeilen, weil erstmals in diesem Ausmaß die Grenzen zwischen Schmerzmedizin und aktiver Sterbehilfe strafrechtlich erörtert wurden.

Die Anklage lautete auf Totschlag. In einer Zwischenbilanz vergangene Woche sagte der Richter, die Ärztin müsse sogar mit einer Verurteilung wegen Mordes aus Heimtücke rechnen. Die Medizinerin selbst hatte stets betonte, sie habe nur Sterbende begleiten und mit den Medikamenten deren Schmerzen lindern wollen. Zu Beginn des Verfahrens hatte sie noch an einen Freispruch geglaubt.

Die Staatsanwaltschaft Hildesheim teilte am Dienstag mit, die 61- Jährige habe sich in der Nacht zum Montag getötet. Um jegliches Fremdverschulden auszuschließen, sollte der Leichnam der Ärztin noch am Dienstag obduziert werden.

Ungewöhnlich hoher Morphium-Verbrauch

Die Ermittlungen gegen die Krebsärztin begannen im Jahr 2003, nachdem einer Krankenkasse der ungewöhnlich hohe Morphium-Verbrauch in der Klinik aufgefallen war, wo Bach als Belegärztin arbeitete. Die Medizinerin kam zwischenzeitlich in U-Haft und musste ihre ärztliche Zulassung abgeben.

Seit einigen Jahren betrieb sie eine "Praxis für Präventologie", also für allgemeine Gesundheitsvorsorge, in dem gut 50 Kilometer südlich von Hannover gelegenen Bad Salzdetfurth.

Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) bedauerte, dass durch die tragische Entwicklung keine Chance mehr bestehe, eine für die ärztliche Praxis wichtige Grundsatzentscheidung herbeizuführen. DGHS-Präsidentin Elke Baezner betonte jedoch: "Ohne diesen Fall zu bewerten, muss klar sein: Kein Arzt darf sich über das Selbstbestimmungsrecht des Patienten hinwegsetzen." Allein der Wille des Patienten müsse Maßstab allen ärztlichen Handelns oder Unterlassens sein.

Wann Bach beigesetzt wird, ist noch unklar. Ihr Anwalt geht aber davon aus, dass der Leichnam erst in der kommenden Woche freigegeben wird. Die 61-Jährige hat keine Familienangehörigen. Im vergangenen Sommer starb ihr Lebensgefährte, mit dem sie mehr als 30 Jahre zusammengelebt hatte, in einem Pflegeheim.

jdl/dpa

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