Prügelei nach Dorffest Polizist ins Koma geschlagen - Fall muss neu aufgerollt werden

Ein Mann soll einen Polizisten in Niedersachsen niedergeschlagen haben - und wurde dafür zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Doch nun hat das Oberlandesgericht Celle die Entscheidung aufgehoben.

Angeklagter G., Verteidiger Rauwald (Archiv)
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Angeklagter G., Verteidiger Rauwald (Archiv)

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Der Prozess gegen einen 34-Jährigen, der in Niedersachen einen Polizisten ins Koma geschlagen haben soll, muss neu aufgerollt werden. Das Oberlandesgericht Celle hat der Revision des Angeklagten stattgegeben und eine Entscheidung des Lüneburger Landgerichts aufgehoben.

Das Landgericht hatte Lars G. im Dezember 2017 in zweiter Instanz wegen schwerer Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Kammer sah es als erwiesen an, dass er im August 2015 einen Polizisten niedergeschlagen und schwer am Kopf verletzt hatte.

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht zum 30. August 2015 nach einem Dorffest im niedersächsischen Meckelfeld. Mehrere Männer aus dem Umfeld von Lars G. wollten nach Mitternacht in der Gaststätte "Schnurrbart" weiterfeiern, doch der Eintritt wurde ihnen verwehrt. Es bahnte sich daher eine Schlägerei mit zwei Türstehern an. Zeugen riefen die Polizei.

Der uniformierte Beamte erreichte die Gruppe kurz vor seinen Kollegen. Er soll "Halt Polizei" gerufen haben, als gerade mehrere Männer auf einen der Türsteher eintraten.

Daraufhin habe Lars G., der zumindest in der Nähe stand, dem Polizisten mit der Faust gegen den Kopf geschlagen, urteilte das Lüneburger Landgericht. Der Beamte fiel bewusstlos zu Boden und schlug mit dem Kopf auf dem Asphalt auf. Er erlitt einen Schädelbruch und ein Schädel-Hirn-Trauma und schwebte in Lebensgefahr.

Für den Schuldspruch gegen Lars G. war die Aussage eines Zeugen von zentraler Bedeutung. Der Sicherheitsmann, der kurz vor der Schlägerei von seinen Mitarbeitern alarmiert worden war und den Tatort fast zeitgleich mit dem Polizisten erreichte, hatte Lars G. als Täter identifiziert. Dieser habe in der fraglichen Situation den Polizisten von der Seite geschlagen.

Das Landgericht Lüneburg stützte sich in seinem Urteil wesentlich auf diese Aussage des Zeugen. Es gab in seiner Urteilsbegründung jedoch an, der Angeklagte habe nicht in die Auseinandersetzung verwickelt werden und den Ort des Geschehens schnell verlassen wollen. Als der Polizist ihm in den Weg gelaufen sei, habe er ihn geschlagen. An anderer Stelle im Urteil hieß es, es habe sich nicht hinreichend feststellen lassen, wie der Angeklagte sich dem Polizisten genähert habe.

Nicht auflösbarer Widerspruch

Hierin erkannte das Oberlandesgericht Celle einen nicht auflösbaren Widerspruch. Das Landgericht habe die Angaben des Zeugen zur Identität des Schlägers für glaubhaft gehalten, sei ihm bei der Schilderung des unmittelbaren Tathergangs aber nicht gefolgt - ohne das zu erklären.

Wegen dieser fehlerhaften Beweiswürdigung sei das Urteil aufzuheben und an eine andere Kammer des Landgerichts Lüneburg zurückzuverweisen.

Die Entscheidung liege ihm noch nicht vor, sagt Nebenklage-Anwalt Lorenz Hünnemeyer, der den Polizisten vertritt. Nach zwei Hauptverhandlungen gebe es aus seiner Sicht allerdings keinen Grund daran zu zweifeln, dass der Angeklagte seinen Mandanten "ins Koma geschlagen hat".

Der Polizist leidet bis heute unter den Folgen des Angriffs. Nach einer operativen Schädelöffnung ist eine deutliche Verformung des Schädels geblieben. Bei dem Beamten traten zudem Wortfindungsstörungen und eine Epilepsie auf, als Streifenbeamter kann er nach wie vor nicht arbeiten. Autofahren darf er laut seinem Anwalt ebenfalls nicht.

Erinnerungslücken des Angeklagten

Der Angeklagte Lars G. sagte vor Gericht, dass er sich wegen erheblichen Alkoholkonsums nur an einzelne Szenen aus der Tatnacht erinnern könne, etwa an das Warten in der Schlange und daran, dass er festgenommen wurde. Außer dem Sicherheitsmann konnte in der unübersichtlichen Situation kein anderer Zeuge den Schläger benennen - obwohl mehrere Menschen vor Ort waren. Für Hinweise hatte die Polizei kurz nach der Tat 5000 Euro Belohnung ausgelobt, 1000 Euro kamen von privater Seite hinzu.

Die Verteidiger des Angeklagten, Gerhard Strate und Johannes Rauwald, sprechen von einer schwierigen Beweislage. "Wir sind überzeugt, dass weder die Aussagen des Belastungszeugen noch die sonstigen Indizien für eine Verurteilung unseres Mandanten ausreichen."

Wann der neue Prozess vor dem Landgericht Lüneburg startet, steht noch nicht fest.



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