Mecklenburg-Vorpommern Funktionäre sollen sich an Wohlfahrtsverband bereichert haben

Bei der Arbeiterwohlfahrt in Mecklenburg-Vorpommern gab es offenbar erheblichen Machtmissbrauch: Zwei Ex-Funktionäre des Verbands sollen jahrelang extrem hohe Gehälter bezogen haben. Der eine hatte dem anderen die Gelder genehmigt.


Zwei ehemalige Funktionäre der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Mecklenburg-Vorpommern haben sich einem Prüfbericht zufolge jahrelang am Verband bereichert. Der AWO-Landesvorstand legte nun den Bericht über die beiden Männer vor.

Der frühere Geschäftsführer des Kreisverbands Müritz in der Mecklenburgischen Seenplatte bezog demnach seit 2012 ein unverhältnismäßig hohes Jahresgehalt von 150.000 Euro brutto, dazu im Durchschnitt 30.000 Euro Tantiemen im Jahr. Außerdem bildete die AWO für ihn Rücklagen für eine monatliche Betriebsrente von 2000 Euro. Im Falle seines Ausscheidens seien zudem 100.000 Euro Abfindung vereinbart worden.

700.000 Euro - für sehr wenig Arbeit

Die entsprechenden Verträge habe seit 2002 nur der 74-jährige Ex-Kreisvorstandsvorsitzende unterzeichnet, der Kreisvorstand selbst sei nicht informiert worden. Der 74-Jährige wiederum bezog dem Bericht zufolge aufgrund eines Beratervertrags monatlich 5100 Euro von einer AWO-Tochter.

Zudem finanzierte ihm der Verband in Waren an der Müritz ein Büro. Über fast zehn Jahre hinweg seien aber keine bedeutenden Tätigkeiten des Vorstandschefs festgestellt worden. Seit 2006 habe der Mann die AWO rund 700.000 Euro gekostet.

Die AWO prüfe nun rechtliche Schritte, sagte Landesgeschäftsführer Bernd Tünker. Parallel dazu liefen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg wegen Untreue. Die beiden Männer seien immer selbstbewusst im Duo aufgetreten, sagte Tünker. Es sei nachvollziehbar, dass die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder sich über Jahre mit deren Antworten begnügten.

mxw/dpa



insgesamt 23 Beiträge
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Freidenker10 19.08.2016
1.
Aus meiner Erfahrung mit "Wohlfahrtsverbänden" ist das völlig normal! Speziell die AWO ist in zig Kreisverbände aufgeteilt und jeder hat Geschäftsführer usw. die extrem hohe Gehälter kassieren. Auch die Vorstände bekommen z.T. hohe "Aufwandsentschädigungen". Der Trick mit den vielen Kreisverbänden hat auch steuerliche Gründe. So kann einer dem anderen Rechnungen stellen und die ohnehin schon kargen Steuerzahlungen noch mindern. Gesteigert wird das alles noch durch die Gründungen von sozial GmbH's! Da ist eine riesen Abzockerei am laufen die niemanden zu jucken scheint...
hajoschneider 19.08.2016
2. In MeckPomm?
Bestimmt nicht nur da und bestimmt auch nicht nur bei der AWO.
joG 19.08.2016
3. Das hört sich beim ersten lesen...
....nach nicht sehr viel an. Da kenne ich wirklich viele, deren Einkommen sind ein Vielfaches dessen und sie sind zum Teil nicht einmal Geschäftsführer. Aber es ist halt alles sehr undurchsichtig und intransparent in Deutschland. Da haben die Meisten keinen Rahmen zum Vergleich.
tomasl 19.08.2016
4. Die Machenschaften der AWO sind mir seit 30 Jahren bekannt
Es scheint aber immer genug Geld für die Bezahlung der Aufsicht vorhanden zu sein
Klaus.Freitag 19.08.2016
5. @freidenker 20
Frei zu denken heißt nicht, dass man deswegen frei von Wissen sein sollte. Ihre pauschale Abarbeitung der AWO grenzt an ehrabschneidenden Rufmord und Diffamierung. Die AWO ist ein anerkannter Wohlfahrtsverband und in vielen Feldern entweder professionell oder Dank ehrenamtlichen Engagements tätig. Finanziell unterliegt sie üblichen Kontrollen. Dass die AWO sozialpolitische aktiv ist und ihre Interessen und die ihrer Klientel vertritt ist legitim und richtig. Dass bei der AWO auch mal der ein oder andere Gauner unterwegs ist.lässt sich nicht vermeiden.denn das passiert nun mal leider übersll
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