Menschenopfer in Indien Ehepaar gesteht Ritualmord an Kindern

Die indische Polizei hat zwei Kinderleichen gefunden. Die Menschenopfer sollten ersten Erkenntnissen zufolge die Göttin Kali gnädig stimmen. Die Ermittler waren zufällig auf den Ritualmord gestoßen.


Neu-Delhi - Im Osten Indiens, im Bundesstaat Chhattisgarh, sind zwei Kinder offenbar als Menschenopfer getötet worden. Sicherheitskräfte hätten die Leichen eines zweijährigen Jungen und eines sechsjährigen Mädchens in einem Gehöft entdeckt, sagte ein Polizeisprecher. Der Besitzer des Hauses, dessen Frau und weitere Verdächtige seien festgenommen worden.

Der Hausbesitzer soll ein Wunderheiler sein, der laut Polizei mit Hilfe seiner Komplizen die Kinder im Namen okkulter Mächte getötet haben will. "Während der Vernehmung hat das Ehepaar zugegeben, die Kinder ermordet zu haben, um Kali gnädig zu stimmen und um selbst magische Kräfte und Reichtum zu erlangen", sagte der Sprecher.

Nach hinduistischer Tradition werden Kali, der Göttin des Todes und der Erneuerung, zu bestimmten Anlässen Tiere geopfert. In vergangenen Jahrhunderten wurden auch Menschenopfer vollzogen.

Die Polizei war nach einer Vermisstenmeldung auf die toten Kinder gestoßen. Am Mittwoch wurde zunächst die Leiche des kleinen Jungen gefunden, kurz darauf entdeckten die Ermittler auf demselben Grundstück das Skelett des sechsjährigen Mädchens. Sie sei bereits im Frühjahr getötet worden, der Junge am Dienstag.

Solch ein Ritualmord ist kein Einzelfall: Im März war ein indisches Ehepaar wegen der Ermordung fünf kleiner Jungen verurteilt worden. Ein Wunderheiler hatte der Frau eingeredet, nur mit Hilfe von Menschenopfern würde sie schwanger. Im April wurde in der Nähe eines Kali-Tempels in Ostindien die enthauptete Leiche eines Mannes gefunden. 2006 hatte im Norden des Landes ein Vater gestanden, seinen Sohn für die Hindu-Göttin Kali getötet zu haben.

Die Leichenfunde stehen in Zusammenhang mit dem in der ländlichen Bevölkerung Indiens weit verbreiteten Aberglauben und der Verehrung sogenannter Hexendoktoren. "Diese Wunderheiler glauben, das Töten eines Kindes mache sie unsterblich", erklärte ein Polizist, der sich mit etlichen Fällen von Ritualmord befasst hat.

"Oft sind die Dorfbewohner aus Hilflosigkeit abergläubisch", sagte Prabir Ghosh von der Wissenschafts- und Rationalistengesellschaft, die sich gegen Aberglaube und okkulte Praktiken einsetzt. "Es gibt keine medizinische Versorgung, darum sind sie gezwungen, die Dienste von Quacksalbern in Anspruch zu nehmen."

bac/dpa/AFP



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