Gewalt Polizeigewerkschaft fordert härtere Strafen für Messerstecher

In Deutschland grassiert die Messerangst. Nun fordert die Polizeigewerkschaft, tätliche Angriffe mit Stichwaffen strenger zu ahnden und Messerattacken bundesweit statistisch zu erfassen.

Kameramann filmt Blutfleck in Großburgwedel, Niedersachsen
DPA

Kameramann filmt Blutfleck in Großburgwedel, Niedersachsen


Eine Angst vor Angriffen mit Stichwaffen hat einen Teil der Deutschen erfasst, auch wenn es zur tatsächlichen Zahl und Häufigkeit solcher Angriffe keine ordentliche bundesweite Statistik gibt.

Darauf reagieren nun die deutschen Polizeigewerkschaften und fordern eine bundesweite Statistik für solche Taten. Die konservative Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) fordert zudem, Täter, die bei Attacken Messer einsetzen, wegen versuchter Tötung zu verfolgen.

Ein gezielter Stich gegen andere Menschen solle als versuchtes Tötungsdelikt und nicht länger als gefährliche Körperverletzung eingestuft werden, verlangt die DPolG. Dann könne nämlich "sofortige Untersuchungshaft" angeordnet und im Fall eines ausländischen Täters die "konsequente Abschiebung erfolgen". Justizministerin Katarina Barley (SPD) müsse dahingehend tätig werden.

"Gefühlt täglich Meldungen über Messerangriffe"

In den vergangenen Wochen hatten Berichte über einzelne Taten die Schlagzeilen mancher Medien beherrscht. Angriffe in Flensburg, Kandel, Lünen oder Dortmund erhielten dabei bundesweite Aufmerksamkeit. Nun erklärt die Gewerkschaft der Polizei (GdP), "nach gefühlt täglich erscheinenden Meldungen über Messerangriffe", solle künftig für ganz Deutschland erfasst werden, wie oft Messer als Waffe eingesetzt werden.

Einige Bundesländer (etwa Hessen, Rheinland-Pfalz und Berlin) haben solche gesonderten Statistiken über Angriffe bereits, andere nicht (etwa Bayern und Sachsen-Anhalt). Journalisten der ARD fanden daher ein uneinheitliches Bild und widersprechen Berichten über eine angebliche "Messerepidemie". Das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen will ab 2019 Gewalttaten mit Messern statistisch erfassen. Auch Niedersachsen will künftig den Einsatz von Stichwaffen in die Kriminalstatistik aufnehmen.

Jeder Zweite fürchtet Attacken, fast jeder Zweite nicht

Für die Bundeshauptstadt Berlin liegen Zahlen vor: 2017 wurden hier nach Senatsangaben 2737 Fälle mit Messern als Tatmittel erfasst. Die DPolG spricht daher von "im Durchschnitt sieben Messerattacken an einem Tag". Nach Recherchen von "Zeit Online" zumindest eine ungenaue Darstellung: Erfasst würden alle sichergestellten Messer bei schweren Verbrechen. Die Waffen werden konfisziert und gezählt, auch wenn der Täter sie nur mit sich trägt und gar nicht einsetzt.

Ungeachtet der Faktenlage fürchtet sich ein Teil der Deutschen offenbar vor Messerstechern. Einer YouGov-Meinungsumfrage zufolge glaubt jeder Zweite, dass junge Menschen ein hohes oder sehr hohes Risiko haben, mit einem Messer angegriffen zu werden. Die andere Seite ist allerdings beinahe ebenso stark vertreten: 41 Prozent schätzen das Risiko als gering oder sehr gering ein.

cht/dpa

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