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Messerattacke auf Rabbiner: Polizei geht von antisemitischer Tat aus

Der blutige Überfall auf einen Rabbiner in Frankfurt hatte offenbar einen antisemitischen Hintergrund: Der Polizei zufolge bezeichnete der Täter sein Opfer als "Scheiß-Juden", bevor er zustach. Die Ermittler fahnden inzwischen mit einem Phantombild nach dem Täter.

Hamburg/Frankfurt am Main - Die Suche nach dem Täter sei bisher allerdings erfolglos verlaufen, sagte der Polizeisprecher. Er gab auch weitere Details zum Tathergang bekannt. Demnach habe der Täter "Scheiß-Jude, ich bring Dich um" gerufen, bevor er zustach. Inzwischen wurde auch ein Phantombild des Täters veröffentlicht. Für Hinweise ist eine Belohnung von 2000 Euro ausgesetzt.

Phantombild des Täters: Zeugen beschrieben ihn als "Südländer", "möglicherweise Araber"
obs / Polizeipräsidium Frankfurt

Phantombild des Täters: Zeugen beschrieben ihn als "Südländer", "möglicherweise Araber"

"Die Saat für solche Motive wird von Hasspredigern auch in islamischen Gemeinden in Deutschland gelegt", erklärte Dieter Graumann, der zweite Vizepräsident des Zentralrats am Wochenende. Führende Vertreter muslimischer Verbände müssten sich nun fragen lassen, "was sie konkret gegen Hassprediger und die wachsende Radikalisierung unter jungen Muslimen unternehmen". Auch Hessens Ministerpräsident Koch zeigte sich schockiert über die "perfide Tat, die wir nur mit Entsetzen und Empörung aufnehmen können und auf das Schärfste verurteilen".

Der verletzte Rabbiner ist nach einer Not-Operation inzwischen außer Lebensgefahr. Er war am Freitagabend mit zwei Freunden in Frankfurt am Main unterwegs gewesen. Dabei habe er eine Kippa, eine jüdische Kopfbedeckung getragen. Plötzlich sei der Rabbiner von einem Mann in "arabisch klingenden Worten" angesprochen worden, berichteten die Freunde des Opfers nach Polizeiangaben. Als der Rabbiner nachfragte, habe der Täter auf Deutsch "Scheiß-Jude, ich bring Dich um" gesagt und mit einem Messer einmal auf ihn eingestochen. Anschließend seien der Täter sowie zwei Frauen, die ihn begleitet hatten, geflohen. Zeugen beschrieben ihn als "Südländer", "möglicherweise Araber". Er soll kurze dunkle Haare haben, zwischen 20 bis 30 Jahre alt und von mittlerer Größe sein.

"No-Go-Areas" auch im Westen

Durch den Messerstich erlitt der 42-jährige Rabbiner eine Bauchverletzung, er wurde in eine nahegelegene Klinik gebracht und operiert. Die Frankfurter Polizei konnte den Mann inzwischen vernehmen, veröffentlichte jedoch aus ermittlungstaktischen Gründen noch keine Einzelheiten.

"Ich habe das Opfer bereits im Krankenhaus besucht und bin schockiert und wütend", sagte die Präsidentin des Zentralrats, Charlotte Knobloch. Womöglich müsse die Debatte um sogenannte "No-Go-Areas" auf den Westen ausgeweitet werden. Als "No-Go-Areas" werden Regionen bezeichnet, in denen der Aufenthalt für Ausländer gefährlich sein könnte. Knobloch und andere Politiker hatten von solchen Regionen etwa nach der jüngsten Hetzjagd auf Inder im sächsischen Mügeln gesprochen.

jkr/AFP/AP

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