Messerattacke auf Freundin Prozess gegen mutmaßlichen Mörder von Reutlingen begonnen

Die Anklage lautet auf Mord, versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung: In Tübingen steht ein 21-Jähriger vor Gericht. Er soll seine Freundin mit einem Dönermesser getötet haben.

Der mutmaßliche Täter vor Gericht
DPA

Der mutmaßliche Täter vor Gericht


Ein halbes Jahr nach der tödlichen Attacke mit einem Dönermesser in Reutlingen hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Dem 21-Jährigen wird in dem am Dienstag vor dem Landgericht Tübingen gestarteten Verfahren vorgeworfen, im Juli zunächst seine Freundin mit dem Messer getötet und danach weitere Menschen verletzt zu haben.

Der Angeklagte muss sich in Tübingen wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Die Tat hatte im vergangenen Sommer bundesweit für Entsetzen gesorgt, auch weil sich damals innerhalb weniger Tage mehrere Gewalttaten wie etwa der Amoklauf von München ereigneten. Hinweise auf einen extremistischen Hintergrund gibt es nicht.

Zum Prozessauftakt ging es noch nicht um die Tat, sondern um das Alter des Angeklagten. Davon hängt ab, ob der Fall weiter vor dem Schwurgericht oder doch vor der Jugendkammer verhandelt wird.

Mutter des Verdächtigen zu Alter befragt

Der Flüchtling aus Syrien gab an, am 16. November 1995 geboren zu sein. Dann wäre er noch nicht 21 Jahre alt gewesen. In den vom Gericht verlesenen offiziellen Urkunden steht als Geburtsdatum der 1. Januar 1995.

Die Mutter erklärte nach Angaben von Zeugen in einem Telefongespräch mit der Polizei an, dass er am 16. November 1994 geboren und danach offiziell mit dem Datum 1. Januar 1995 registriert worden sei. Das Gericht beauftragte einen Polizeibeamten und einen Dolmetscher damit, erneut mit den Eltern zu telefonieren.

Zu diesem Gespräch kam es zunächst nicht. Das Schwurgericht entschied aber aufgrund der bisherigen Erkenntnisse, das Verfahren vorerst nicht abzugeben. Das Gericht gehe davon aus, dass es zuständig bleiben sollte, sagte der Vorsitzende Richter.

Nach Beziehungstat weitere Menschen verletzt

Der laut Staatsanwaltschaft im Juni 2015 nach Deutschland eingereiste Mann arbeitete im Sommer 2016 in Reutlingen in einem türkischen Restaurant, wo er seine spätere Freundin, eine 45-jährige Frau aus Polen, kennenlernte. Ihm wird vorgeworfen, sie am 24. Juli mit einem 60 Zentimeter langen Dönermesser getötet zu haben. Das Messer soll er vorher aus der Restaurantküche mitgenommen haben.

Direkt nach der Tat soll der Angeklagte vor dem Restaurant zwei Gäste angegriffen und dabei einen Mann schwer verletzt haben. Er schlug laut Anklage zudem am Busbahnhof die Scheiben eines Autos ein und attackierte die darin sitzende Fahrerin und ihren Beifahrer. Die Frau erlitt Schnittverletzungen am Arm, konnte aber ihren Wagen starten und wegfahren.

Der Angeklagte soll in der Innenstadt noch weitere Menschen bedroht haben, bevor er beim Überqueren einer Straße von einem Auto erfasst wurde. Polizeibeamten gelang es daraufhin, ihn festzunehmen. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Der Prozess in Tübingen ist bislang bis April terminiert.

sun/AFP

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.