Messerstich auf dem Oktoberfest Millionärsverlobte muss viereinhalb Jahre ins Gefängnis

Die Verlobte eines Hamburger Millionärs muss wegen versuchten Totschlags auf dem Münchner Oktoberfest ins Gefängnis. Das Landgericht München verurteilte sie zu viereinhalb Jahren Haft.

Melanie Meier vor Gericht
Sigi Jantz

Melanie Meier vor Gericht


Nach ihrem lebensgefährlichen Messerstich gegen einen Pöbler auf dem Oktoberfest ist die 34-jährige Melanie Meier zu viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht München sprach sie wegen versuchten Totschlags schuldig. Beim Urteil hatte Meier die Augen geschlossen, später brach sie in Tränen aus und schluchzte.

Die Verteidiger kündigten an, das Urteil "sehr wahrscheinlich" anzufechten und vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe zu ziehen.

Die Tat geschah 2015 im Käfer-Zelt auf der Wiesn. Meiers Lebensgefährte, der reiche Hamburger Immobilienkaufmann Detlef Fischer, hatte eingeladen. Unter den Gästen war auch der frühere Fußballprofi Patrick Owomoyela. Als dieser von zwei Männern rassistisch beleidigt wurde, kam es zu einem unübersichtlichen Gedränge. In der aufgeladenen Atmosphäre stach Meier einem der Pöbler mit einem Klappmesser in die Seite. Der Mann verlor zwei Liter Blut und musste notoperiert werden. Ihm wurde die Milz entfernt.

Nach dem Messerstich warf Meier die Waffe weg und fuhr mit anderen Gästen in die Disko P1 zur "After-Wiesn-Party". Die Staatsanwaltschaft hatte ihr zunächst versuchten Mord vorgeworfen, das aber in ihrem Plädoyer abgeschwächt und fünf Jahre Haft gefordert.

Die dreifache Mutter habe sich bedroht gefühlt und sich lediglich verteidigen wollen, argumentierte die Verteidigung. Meier habe sich für Owomoyela eingesetzt und in hilfloser Lage einem aggressiven Wüterich gegenüber gestanden. Die Frau sei die einzige gewesen, "die Zivilcourage gezeigt" habe, während alle anderen weggeschaut hätten. Sie müsse freigesprochen werden.

Falschaussage eines Zeugen

Meier hatte den Messerstich zugegeben und sich entschuldigt. Es vergehe kein Tag, an dem sie nicht an den Vorfall denke.

Der Prozess erregte nicht nur wegen der prominenten Beteiligten Aufsehen, sondern auch wegen der Falschaussage eines Zeugen vor Gericht. Er gab zu, für seinen Auftritt gekauft worden zu sein - mutmaßlich von Fischer. Ihm seien 200.000 Euro für eine entlastende Aussage geboten worden, sagte der Zeuge. Schließlich stellte sich aber heraus, dass er überhaupt nicht auf der Wiesn gewesen war.

"Dies alles kann man wirklich als starkes Stück bezeichnen", hatte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer gesagt. Und die Vertreterin der Nebenklage fügte hinzu: "Was bleibt, ist eine beruhigende Erkenntnis: dass man mit Geld nicht alles und auch nicht jeden kaufen kann - auch nicht mit sehr viel davon."

Beide sprachen auch dem Verletzten wegen seiner rassistischen Äußerungen eine Mitschuld an der Eskalation der Situation zu. "Das war schon wirklich grob daneben", sagte die Staatsanwältin.

hut/dpa



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