Ermordete Bürgermeisterin Bundesstaat übernimmt Kontrolle über lokale Polizei

Ermordet nach nicht einmal einem Tag im Amt: Der Tod der mexikanischen Bürgermeisterin Gisela Mota hat für lokale Polizeibehörden Folgen - sie stehen nun unter Kontrolle des Bundesstaats Morelos.

Sarg Gisela Motas: Bischof sieht in Mord Warnung der Drogenkartelle
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Sarg Gisela Motas: Bischof sieht in Mord Warnung der Drogenkartelle


Die Ermordung einer mexikanischen Bürgermeisterin hat Konsequenzen für die lokalen Polizeibehörden in 15 Städten: Nach dem Tod der gerade ins Amt gewählten Gisela Mota hat Graco Ramírez, Gouverneur im Bundesstaat Morelos, angeordnet, dass der Bundesstaat in den Orten die Kontrolle über die Sicherheitskräfte übernimmt.

Das betrifft unter anderem Morelos Hauptstadt Cuernavaca und Temixco, wo Mota umgebracht worden war. "Die Regierung wird sich von Organisierter Kriminalität nicht einschüchtern lassen", sagte Ramirez.

Als sie starb, war Mota nicht einmal 24 Stunden im Amt. Mehrere Bewaffnete seien in das Haus der 33-jährige Kommunalpolitikerin eingedrungen und hätten sie erschossen, teilte die Polizei mit. Zwei der mutmaßlichen Angreifer seien getötet und drei weitere festgenommen worden - ein 32-jähriger, ein 18-jähriger und ein Minderjähriger. Welches Kartell für den Mord verantwortlich sein könnte, ist unbekannt.

Gouverneur Ramirez ordnete verschärfte Sicherheitsmaßnahmen für die Bürgermeister in Morelos an. Cuernavacas katholischer Bischof Ramon Castro kritisierte den Staat, der teilweise in der Kontrolle organisierter Krimineller stehe. Motas Ermordung könne eine Warnung an andere Bürgermeister gewesen sein, sagte der Geistliche. "Schau, was dir geschieht, wenn du nicht mit dem Organisierten Verbrechen kooperierst."

Im Video: Bürgermeisterin in Mexiko - Ermordet nach der Antrittsrede

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Laut einer Vereinigung von Bürgermeistern sind in den vergangenen zehn Jahren mehr als hundert der Lokalpolitiker in Mexiko ermordet worden, die meisten von Mitgliedern der Drogenkartelle.

Temixco war lange Zeit ein beliebtes Naherholungsziel für die Einwohner von Mexiko-Stadt. Aber die Gewalt der Drogengangs hat viele Touristen abgeschreckt. Einst hatte das Beltran Leyva Kartell die Kontrolle über Drogenhandel, Entführung und Erpressung in der Region. Vor ein paar Jahren zerfiel die Organisation. Seither kämpfen verschiedene Gruppen um die Vormachtstellung.

Darunter leidet das rund 90 Kilometer von Mexiko-Stadt entfernte Temixco besonders stark. Die Mitte-links-Politikerin Mota hatte angekündigt, als Bürgermeisterin dagegen anzukämpfen. Im mexikanischen Drogenkrieg wurden bereits mehr als 100.000 Menschen getötet.

ulz/AFP/AP

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