Festnahme von Drogenboss Z-40 in Mexiko "Der größte Sadist von allen"

Miguel Ángel Treviño ist einer der mächtigsten Drogenbosse Mexikos. Im Morgengrauen stoppte ein Militärhubschrauber den Wagen von Z-40, dem Chef der Zetas. Er gilt als besonders grausam im Umgang mit seinen Gegnern - nun könnte sein kleiner Bruder übernehmen.


Die Fahrt von Miguel Ángel Treviño endet vor Anbruch der Morgendämmerung auf einer Landstraße. Ein Hubschrauber stoppt den Pritschenwagen in Nuevo Laredo an der Grenze zum US-Bundesstaat Texas. Marinesoldaten nehmen drei Männer fest: Den Drogenboss, einen Leibwächter und einen weiteren Mann, wohl Finanzmanager des Kartells. Ebenfalls an Bord: Zwei Millionen Dollar Bargeld, acht Waffen und 500 Schuss Munition.

"Es wurde kein einziger Schuss abgegeben", verkündet Regierungssprecher Eduardo Sanchez nach der Aktion. Die Regierung kann zufrieden sein: Sie hat den Kopf des Drogenkartells Los Zetas geschnappt, einen der mächtigsten und gefürchtetsten Männer im mexikanischen Drogenkrieg.

Treviño, alias Z-40, wird mit den anderen beiden Männern nach Mexiko-Stadt geflogen. Dort soll ihnen der Prozess gemacht werden. Das Verfahren könnte Jahre dauern. Konkret wird Treviño vorgeworfen, die Entführung und Ermordung von insgesamt 265 mittelamerikanischen Einwanderern angeordnet zu haben. Zudem muss er sich wegen vieler weiterer Fälle von Mord, Folter und anderer Verbrechen verantworten.

"Es macht ihm Lust, Menschen teuflische Schmerzen zuzufügen"

Neben Joaquín "El Chapo" Guzmán, dem Chef des Sinaloa-Kartells, gilt Treviño als einer der zwei mächtigsten mexikanischen Drogenbosse. Seine Macht gründet sich auch auf seine besondere Brutalität, die selbst im mexikanischen Drogenkrieg heraussticht.

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Drogenkartell-Chef Treviño: Zetas-Boss hinter Gittern
"Er ist der größte Sadist von allen", sagte der Zetas-Experte George W. Grayson der Nachrichtenagentur Reuters. "Es macht ihm Lust, Menschen teuflische Schmerzen zuzufügen." Eine seiner Techniken wird "Schmorbraten" genannt: Dabei werden Feinde in ein 208-Liter-Fass gestellt und dann bei lebendigem Leib verbrannt.

Die Zetas sind aus ehemaligen Militärs hervorgegangen und werden für Hunderte Gewalttaten verantwortlich gemacht. Unter anderem wird ihnen ein Massaker im Jahr 2010 zugeschrieben. Damals wurden 72 Einwanderer aus Mittelamerika in der Stadt San Fernando getötet. 2011 wurden ebenfalls in San Fernando 193 verscharrte Leichen gefunden. Die Zetas sollen die Opfer umgebracht haben, weil sie sich weigerten, als Drogenkuriere zu arbeiten.

Für Mexikos Präsident Peña Nieto ist Treviños Festnahme ein dringend benötigter Erfolg. Der Politiker kam im Dezember 2012 auch dank dem Versprechen ins Amt, die Sicherheitslage zu verbessern und die Drogenkartelle effektiver zu bekämpfen. Bislang ist allerdings kaum ein Rückgang der Kriminalität zu verzeichnen.

Experten vermuten Zerfall der Zetas in unabhängige Zellen

Auch Nietos Vorgänger im Präsidentenamt, Felipe Calderón, hatte den Einsatz gegen die Drogenbanden zu einer zentralen Aufgabe seiner Amtszeit gemacht. Er konnte seine Versprechen nicht einlösen. Seit 2007 sind im Drogenkrieg mehr als 70.000 Menschen gestorben.

Treviño stand zwar nicht einmal ein Jahr an der Spitze des Kartells. Dennoch dürfte seine Festnahme die Befehlsstruktur der Organisation erheblich schwächen - zumal Experten zufolge seit 2011 mindestens acht hochrangige Zetas getötet oder festgenommen wurden.

Einer der getöteten Zetas-Führer war Treviños Vorgänger Heriberto Lazcano, genannt Z-3. Treviños Nachfolger könnte nun sein jüngerer Bruder Omar sein. Er gilt jedoch als nicht so stark wie sein Bruder.

Die Zetas sind vorwiegend in der Grenzstadt Nuevo Laredo, dem Grenzstaat Coahuila, dem Küsten-Bundesstaat Veracruz und Teilen Nordmexikos aktiv. Experten glauben nicht, dass die Gewalt nach Treviños Festnahme nachlassen wird. Manche vermuten, die Zetas könnten in mehrere Zellen zerfallen, die unabhängig voneinander entführen, erpressen und morden.

Treviños Festnahme sei "ein weiterer Teil der Zerstörung der Zetas als zusammenhängende, erkenntliche Organisation", sagte Alejandro Hope der Nachrichtenagentur Associated Press. Der ehemalige mexikanische Geheimdienstmitarbeiter glaubt, dass sich auch weiterhin manche Gangster als Zetas bezeichnen werden. "Einzelne Banden werden ihre Vorgehensweise beibehalten. Es wird Kämpfe um illegale Netzwerke geben."

ulz/AP/Reuters



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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
derigel3000 16.07.2013
1. optional
"...nun könnte sein kleiner Bruder übernehmen" Soll er doch, diesen Hydras von Drogenkartells muss man eben dutzende Köpfe abschlagen, bis sie tot sind. Aber dass man Z40 hat, ist ein schöner Tritt ins Kontor der Zetas, da wird auch das Brüderchen dran zu knabbern haben.
raber 16.07.2013
2.
Dieser Mann ist verantwortlcih für den Tod von Hunderten von Personen. Schade, dass er nicht in die Hände seiner Konkurrenz geraten ist und sie an ihm die "Schmorbraten"-Technik ausgeübt haben. Für solche Typen kann ich kein Mitleid haben.
roflem 16.07.2013
3. der nächste
Capo ist schon zur Stelle...und weiter gehts. Das endet nie.
privado 16.07.2013
4. @tkl
Ihnen brennt wohl der Hut.
mitreder1 16.07.2013
5. optional
Der Kerl sieht aus, als wäre er selbst sein bester Kunde
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