Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Mexiko: Drogenkrieg forderte 2010 mehr als 15.000 Opfer

Die Drogenkartelle in Mexiko bekämpfen sich mit äußerster Brutalität - und noch nie haben die Konflikte mehr Menschenleben gekostet. Die meisten Opfer gab es im Norden des Landes an der Grenze zu den USA.

Polizeieinsatz in Mexiko: Besonders viele Opfer im Norden des Landes Zur Großansicht
AFP

Polizeieinsatz in Mexiko: Besonders viele Opfer im Norden des Landes

Mexiko-Stadt - Der Drogenkrieg in Mexiko fordert so viele Opfer wie nie zuvor. Durch die Auseinandersetzungen in dem Land sind im Jahr 2010 nach offiziellen Angaben 15.273 Menschen getötet worden. Der bisherige Höchstwert lag bei rund 9000 Toten im Jahr 2009. Die Zahl der von Banden begangenen Morde sei vor allem in den ersten neun Monaten des Jahres dramatisch angestiegen, teilte der für Sicherheit zuständige Regierungssprecher Alejandro Poiré am Mittwoch mit.

Die Hälfte der Gewalttaten habe sich in drei Staaten im Norden ereignet, sagte der Sprecher bei einer Sicherheitskonferenz mit Präsident Felipe Calderón. Dabei handelt es sich um Chihuahua mit der Grenzstadt Ciudad Juárez, sowie die Staaten Sinaloa und Tamaulipas. In 89 Prozent der Fälle seien Mitglieder rivalisierender Banden getötet worden.

Aus der Gegend um Sinaloa stammt auch ein gleichnamiges Kartell. Laut US-Geheimdienst könnte die aus dem Zusammenschluss der rivalisierenden Organisationen "El Golfo" und "La Familia" entstandene Gruppe 2011 zur dominierenden Kraft des organisierten Verbrechens in ganz Mexiko werden. Das Sinaloa-Kartell wird von Joaquín "El Chapo" Guzmán geführt, einem der meistgesuchten Drogenbosse in Mexiko.

15 enthauptete Leichen entdeckt

Präsident Calderón hatte den Drogenkartellen bei seinem Amtsantritt im Dezember 2006 den Krieg erklärt. Er rüstete die Bundespolizei besser aus und schickte mehrere zehntausend Soldaten in den Kampf. In den vier Jahren der Amtszeit Calderóns sind insgesamt mehr als 30.000 Menschen getötet worden.

Und die Gewalt hält an: In der vergangenen Woche waren in Acapulco im Südwesten Mexikos, einer Stadt, die bei Touristen beliebt ist, die enthaupteten Leichen von 15 jungen Männern entdeckt worden. Die Körper seien in der Nähe eines Einkaufszentrums gefunden worden, teilten die Behörden am mit. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang mit dem Drogenkrieg.

Am Dienstag sind bei einem Gefängnisaufstand im Norden elf Insassen getötet worden. In der Haftanstalt von Gómez Palacio seien Unruhen ausgebrochen, sagte der Vize-Staatsanwalt des Bundesstaates Durango, Alejandro Moreno. Die Gründe des Aufstands und die Zahl der Verletzten seien noch nicht bekannt.

jok/dpa-AFX/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Oft bietet sich...
ratxi 12.01.2011
Zitat von sysopDie Drogenkartelle in Mexiko bekämpfen sich mit äußerster Brutalität - und noch nie haben die Konflikte mehr Menschenleben gekostet. Die meisten Opfer gab es im Norden des Landes an der Grenze zu den USA. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,739225,00.html
...den jungen Männern in einem der Kartelle die einzige Perspektive. Nebenbei ist Gefährliches ja auch ziemlich cool...
2. Wenn man das mal über Daumen peilt
chagall1985 12.01.2011
Dann ist Mexiko mit seinen 15.000 Toten durch Gewalt und Waffen gerademal 3 Mal so gefährlich wie die Vereinigten Staaten von Amerika. Mexiko hat rund ein Drittel der Einwohnerzahl der USA und auf 15.000 tote durch Gewalt kommen die USA mehr als locker. Also irgendwie weiß Ich nicht was da erschreckender ist.
3. Politiker sind schuld
peepeeth 12.01.2011
Wer ist wohl schuld an den vielen Toten? Natürlich die Politiker. Sie haben den Drogenkrieg angefangen, welcher doch ein Krieg gegen Menschen ist.Sie illegalisieren die Drogen und machen sich somit teuer.Dadurch verdient die Maffia Milliarden.Warum ist Al Capone reich geworden? Weil Amerika den Alkohol illegalisiert hat. Was lernen wir daraus? Keine Droge kann so gefährlich sein wie die Gesetze zu deren Verbot.Es gibt nur eine humane Lösung: Gebt die Drogen frei und rettet damit Menschenleben! Jeder, der die Anti-Drogengesetze befürwortet ist schuld an den vielen Toten.
4. Das wird so weiter gehen.
marypastor 12.01.2011
Zitat von sysopDie Drogenkartelle in Mexiko bekämpfen sich mit äußerster Brutalität - und noch nie haben die Konflikte mehr Menschenleben gekostet. Die meisten Opfer gab es im Norden des Landes an der Grenze zu den USA. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,739225,00.html
Mexiko hat eine 3000 km lange Genze mit den USA. Die USA haben 30 Millionen Drogenabhaengige. Auf beiden Seiten herrscht Korruption, auf beiden Seiten wird verdient. Die USA verkaufen riesen Mengen an Waffen an die Mafias in Mexiko und die Mafias riesen Mengen an Drogen in die USA. Keiner ist in der Lage, das zu verhindern. Zumindest sieht man es nicht auf der amerikanischen Seite. Da gibt es keine 15,000 Drogentote, keine Mafiakaempfe um Maerkte. Da ist alles schon in Ordnung. Ab und zu werden mal ein paar Dealer verhaftet, aber das bringt nichts. Fuer jeden Verhafteten stehen am naechsten Tag 3 neue auf der Matte. Die bisher konfiszierte Drogenmenge betrifft etwa 20 % von der Gesamtmenge. Loesung: den mexikanischen Mafias erlauben, straffrei so viele Drogen in die USA zu schmuggeln, wie sie wollen, sie machen es ja sowieso. Aber bitte das Land, Leute und Regierung in Ruhe lassen. Und wenn die Amis was saagen, antworten: sehen Sie erstmal zu, wie sie ihre 30 Millionen Drogensuechtigen unter Kontrolle kriegen.
5. Bedauernswert ...
zodiacmindwarp 13.01.2011
Zitat von sysopDie Drogenkartelle in Mexiko bekämpfen sich mit äußerster Brutalität - und noch nie haben die Konflikte mehr Menschenleben gekostet. Die meisten Opfer gab es im Norden des Landes an der Grenze zu den USA. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,739225,00.html
der Tod von 11% unbeteiligter Opfer.Aber der überwiegende Rest ist doch wohl mit mit voller Berechtigung zur Hölle gefahren.Schön wenn sich die Schweinepriester gegenseitig niederknallen.no mercy, carry on boys...!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Mexiko: Opfer und Täter im Drogenkrieg

Fläche: 1.964.375 km²

Bevölkerung: 122,273 Mio.

Hauptstadt: Mexiko-Stadt

Staats- und Regierungschef: Enrique Peña Nieto

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Mexiko-Reiseseite

Mexikos Kartelle
Sinaloa-Kartell
Das Sinaloa-Kartell ist eine der mächtigsten Organisationen in Mexiko und Lateinamerika. Sie kämpft erbittert gegen das Juárez-Kartell, um die Kontrolle über die Grenzstadt Ciudad Juárez zu den USA zu übernehmen. Legendäre Führungsfigur ist Joaquín Guzmán, genannt "El Chapo", dem 2001 die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis gelang und der es vergangenes Jahr mit seinem Milliardenvermögen auf Platz 41 der 67 "mächtigsten Menschen der Welt" des US-Magazins "Forbes" schaffte. Nachdem er 13 Jahre im Untergrund lebte, konnte "El Chapo" im Februar 2014 von der mexikanischen Polizei geschnappt werden.
Golf-Kartell
Das berüchtigte Golf-Kartell aus dem Bundesstaat Tamaulipas war einst die mächtigste kriminelle Organisation Mexikos, ist nun durch die Abspaltung der Zeta-Bande geschwächt. Außerdem wurden zahlreiche Mitglieder festgenommen.
Los Zetas
Los Zetas ist eine der mächtigsten und brutalsten Organisationen. Sie ist an der mexikanischen Golfküste aktiv und soll für viele Hunderte Tote verantwortlich sein. Sie besteht aus ehemaligen Drogenbekämpfern der Polizei und des Militärs, die zunächst zum Golf-Kartell überliefen und dann ihr eigenes Kartell gründeten. Sie befinden sich in einem blutigen Machtkampf gegen das Golf- und Sinaloa-Kartell und La Familia.
Juárez-Kartell
Das Juárez-Kartell aus der gleichnamigen Stadt im Bundesstaat Chihuahua firmiert auch unter dem Namen "Allianz des goldenen Dreiecks". Es wurde 1997 gegründet und hat wegen der andauernden Kämpfe gegen das Sinaloa-Kartell in den vergangenen Jahren stark an Einfluss verloren.
Tijuana-Kartell
Das Tijuana-Kartell im äußersten Nordwesten Mexikos ist dafür bekannt, ausgezeichnete Kontakte zu hochrangigen Vertretern von Sicherheitskräften und Justiz zu pflegen. Es wurde 1989 von der Familie Arellano Felix gegründet. Nun kämpft die Organisation um die Kontrolle in Tijuana. Die Führung ist geschwächt, 2008 spaltete sich die Organisation in zwei Flügel. Einer der Chefs, Eduardo Teodoro García Simental alias "El Teo", wurde im Januar gefasst.
Beltrán-Leyva-Organisation
Das Einflussgebiet der Beltrán-Leyva-Organisation erstreckt sich vor allem an der Pazifikküste. Die Gruppe hat sich 2008 von dem Sinaloa-Kartell abgespalten, ihre Macht wuchs. Doch seit Ende 2009 ist die Organisation geschwächt durch die Ermordung von zwei der fünf Beltrán-Leyva-Brüder. So starb Arturo Beltrán-Leyva (genannt "Boss der Bosse") in einem Gefecht mit Sicherheitskräften.
La Familia Michoacana
La Familia stammt aus dem Bundesstaat Michoacán, operiert aber in vielen weiteren Regionen. 2006 spaltete sich La Familie von Golf-Kartell und Los Zetas ab, mit denen es heute konkurriert und sich heftig bekämpft. La Familia ist bekannt für Enthauptungen und ihre quasi-religiöse Ideologie. Eine Führungsfigur heißt "El Más Loco" - der Verrückteste. (Quelle: World Drug Report 2010, Stratfor)

Fotostrecke
Grafiken: Fakten zum globalen Drogenkrieg

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: