Drogenkrieg in Mexiko "El Chapos" möglicher Nachfolger gefasst

Um die Spitze an Mexikos Drogenmafia tobt ein blutiger Machtkampf. Nun ist ein mutmaßlicher Anführer des Drogenkartells Sinaloa festgenommen worden. "Der Akademiker" galt lange als rechte Hand von "El Chapo".

Dámaso López Núñez alias "El Licenciado"
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Dámaso López Núñez alias "El Licenciado"


In Mexiko ist ein mutmaßlicher Anführer des Drogenkartells von Sinaloa gefasst worden. Soldaten hätten Dámaso López Núñez alias "El Licenciado" ("Der Akademiker") festgenommen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Medienberichten zufolge wurde er am frühen Morgen in einem ruhigen Wohnviertel in Mexiko-Stadt gestellt.

Dámaso López Núñez galt als einer der meistgesuchten Verbrecher des lateinamerikanischen Landes. Er wurde als möglicher Nachfolger des Anfang 2017 in die USA ausgelieferten Drogenbosses Joaquín "El Chapo" Guzmán gehandelt. Núñez soll zuletzt mit den Söhnen von "El Chapo" um die Macht im Sinaloa-Kartell gekämpft haben. Allein im Bundesstaat Sinaloa starben seit Jahresbeginn bei internen Revierkämpfen mehr als 140 Menschen.

Jesús Alfredo und Iván Archivaldo Guzmán hatten im Februar erklärt, "El Licenciado" habe ein Attentat auf sie geplant. Er habe sie unter dem Vorwand einer Aussprache in einen Hinterhalt gelockt, schrieben die Söhne von "El Chapo" in einem Brief an die Medien. Bei dem Anschlag sei ein Leibwächter der Familie Guzmán ums Leben gekommen.

Nach zwei spektakulären Ausbrüchen aus Hochsicherheitsgefängnissen war "El Chapo" Anfang des Jahres an die USA ausgeliefert worden. Derzeit wird ihm in New York der Prozess gemacht. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.

López Núñez war vor seiner kriminellen Karriere ranghoher Justizvollzugsbeamter. Er soll "El Chapo" 2001 bei dessen erstem Ausbruch aus dem Hochsicherheitsgefängnis Puente Grande in Jalisco geholfen haben. Guzmán entkam damals versteckt in einem Wäschewagen. Kurz vor dessen Flucht kündigte López Núñez als Vize-Sicherheitschef der Anstalt - und schloss sich dem Sinaloa-Kartell an.

Das Finanzministerium in Washington setzte López Núñez 2013 auf die Schwarze Liste und verbot US-Bürgern jede Art von Geschäftsbeziehung mit ihm. Er sei einer der wichtigsten Männer des Drogenkartells, hieß es damals zur Begründung.

Das Sinaloa-Kartell gilt als eines der mächtigsten Verbrechersyndikate Mexikos. Die Bande kontrolliert im Westen des Landes den Kokain- und Marihuanaschmuggel in die USA und unterhält enge Kontakte zu kolumbianischen Drogenhändlern. Mittlerweile hat das Kartell seinen Radius erweitert und ist nach Einschätzung von Experten auch in Produktpiraterie, Menschenhandel und Schutzgelderpressung verwickelt.

Das Kartell entstand Ende der Achtziger, als die Bande des Drogenhändlers Miguel Ángel Félix Gallardo zerfiel. Die Brüder Arellano Félix gründeten das Tijuana-Kartell, Joaquín "El Chapo" Guzmán das konkurrierende Sinaloa-Kartell.

apr/dpa



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