Berüchtigtes Golf-Kartell: Mexiko fasst mächtigen Drogenboss X-20

Von , Mexiko-Stadt

Mario Armando Ramírez Treviño (US-Fahndungsfoto): Typische Kartell-Karriere Zur Großansicht
AFP PHOTO / United States Drug Enforcement Administration

Mario Armando Ramírez Treviño (US-Fahndungsfoto): Typische Kartell-Karriere

Das Golf-Kartell zählt zu den gefürchtetsten Verbrecherbanden Mexikos. Nun haben die Sicherheitskräfte Mario Armando Ramírez Treviño geschnappt, den Chef des Syndikats. Es ist die zweite Festnahme eines wichtigen Drogenbosses binnen eines Monats.

Den mexikanischen Sicherheitskräften ist zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit ein mächtiger Drogenboss ins Netz gegangen. Soldaten der Marine fassten Mario Armando Ramírez Treviño, den Chef des Golf-Kartells, am Samstag in der Ortschaft Rio Bravo im Bundesstaat Tamaulipas, nur 40 Kilometer von der US-Grenze entfernt. Dies teilte das Innenministerium mit. Details zum Hergang der Festnahme sollen im Laufe des Sonntags bekanntgegeben werden.

Auf den als äußerst brutal geltenden Ramírez, alias "El Pelón" oder "X-20", hatte die US-Anti-Drogen-Polizei DEA fünf Millionen Dollar Kopfgeld ausgesetzt. Die Drogenfahnder werfen ihm Schmuggel von Kokain- und Marihuana in großem Stil in die USA vor. Auch die mexikanischen Sicherheitskräfte hatten umgerechnet 2,3 Millionen Dollar für Hinweise bereitgestellt, die zur Ergreifung des 51-Jährigen führen.

Ramírez hat eine typische Kartell-Karriere hinter sich. Er begann als Polizist, wechselte dann die Seiten, schloss sich dem Golf-Kartell an und war dort zunächst Chef einer Gruppe von Auftragsmördern im Sold der Mafia.

Erst am 14. Juli war es der mexikanischen Marine gelungen, Miguel Ángel Treviño, alias "Z-40" zu schnappen, den Anführer der Zetas. Die Zeta-Mafia war früher der bewaffnete Arm des Golf-Kartells, bis sie sich 2010 lossagten. Heute gelten Golf- und Zeta-Mafia als Todfeinde, die sich an der gesamten mexikanischen Golfküste um Routen und Reviere streiten.

Das Golf-Kartell hat seinen Ursprung im Staat Tamaulipas, der im Osten an den Golf von Mexiko und im Norden an Texas grenzt. Über den Staat wird ein Großteil des Schmuggels von Rauschgift in die USA abgewickelt. Auch der Menschenhandel, mit dem die Verbrecherbande viel Geld verdient, läuft über die Route an der Golf-Küste.

Das Sinaloa-Kartell könnte von der Festnahme profitieren

Ramírez war einer der meistgesuchten Kartell-Kapos Mexikos. Er stand dem Golf-Syndikat erst elf Monate vor, nachdem Soldaten im September den damaligen Chef Jorge Eduardo Costilla Sánchez, alias "El Coss" geschnappt hatten. Nach dessen Festnahme brach nach Angaben des Strafor-Instituts ein Machtkampf innerhalb der Verbrecherorganisation aus, dem "X-20" jetzt zum Opfer gefallen sein könnte. Jedenfalls sei er nicht bei allen Fraktionen des Kartells als Chef akzeptiert gewesen, behauptet der auf Sicherheitsfragen spezialisierte US-Thinktank in einer im April vorgelegten Studie zum Golf-Kartell.

Andere Kriminalitätsexperten wie Edgardo Buscaglia gehen davon aus, dass es dem mexikanischen Geheimdienst gelungen sein könnte, in das Golf-Kartell und auch die Zetas verdeckte Ermittler einzuschleusen. "Schon die Festnahme von Z-40 könnte Ergebnis von gelungenen Infiltrationen gewesen sein", betont Buscaglia, Leiter des "International Law and Economic Development Centre" in Mexiko.

Jedenfalls ist die Festnahme von Ramírez ein schwerer Schlag für eines der drei großen mexikanischen Verbrechersyndikate. Das Golf-Kartell ist außer dem Sinaloa-Kartell die älteste Mafia Mexikos. Die Organisation widmet sich bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert dem Drogenhandel.

Größter Profiteur des Schlages könnten dann auch gerade die Konkurrenten vom Sinaloa-Kartell von Joaquín "El Chapo" Guzmán sein. Die Mafia, die an der Pazifikküste und im Zentrum des Landes das Sagen hat, gilt ohnehin als die mächtigste in Mexiko mit dem größten Einflussgebiet und besten Beziehungen bis in die Politik.

7110 Tote in sieben Monaten

Die Festnahme von Ramírez ist vor allem ein erneuter Triumph für die Regierung von Staatschef Enrique Peña Nieto. Acht Monate ist der Präsident jetzt im Amt, und nur wenig hat sich bis heute im Drogenkrieg geändert.

Trotz vieler Versprechen, vorgeblicher Verbesserungen und neuer Strategien im Kampf gegen die Kartelle geht der Handel mit Rauschgift, Menschen und geklauter Ware unvermindert weiter. Und auch gemordet wird wie eh und je. Dabei hatte der Präsident gerade hier Verbesserungen versprochen.

In den ersten sieben Monaten der Amtszeit von Peña Nieto verloren laut der offiziellen Statistik 7110 Menschen im Zusammenhang mit der Drogengewalt ihr Leben. Das sind knapp 34 am Tag und nur geringfügig weniger als unter Peña Nietos Vorgänger Felipe Calderón. Zum Ende dessen sechsjähriger Amtszeit standen 70.000 Tote zu Buche.

Die Festnahme von Zeta-Chef Treviño im Juli und Golf-Boss Ramírez jetzt gibt Peña Nieto Teile des Kredits bei der Bevölkerung zurück, die er verloren hatte.

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Dort ändert sich rein gar nichts!
Niamey 18.08.2013
Zitat von sysopAFP PHOTO / United States Drug Enforcement Administration Das Golf-Kartell zählt zu den gefürchtesten Verbrecherbanden Mexikos. Nun haben die Sicherheitskräfte Mario Armando Ramírez Treviño geschnappt, den Chef des Syndikats. Es ist die zweite Festnahme eines wichtigen Drogenbosses binnen eines Monats. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mexiko-fasst-beruechtigten-drogenboss-des-golf-kartells-ramirez-trevino-a-917177.html
Fast alle die in Mexiko reich sind, verdienen ihre Kohle auf halblegale Weise. Irgendwo wird immer bestochen oder unterschlagen oder sich über das Gesetz gestellt. Wie sonst kann es sein, das in einem armen Land wie Mexiko Universitäten, die im Monat Studiengebühren von 1500 bis 2000 Euro nehmen überfüllt sind? Solange sich in Mexiko an der Einstellung der raffgierigen Reichen nicht ändert, wird allesx beim Alten bleiben. Die jetzige Regierung wurde fast schon herbeigesehnt weil unter ihr 70 Jahre lang angeblich Ruhe geherrscht hat. Aber es war eher so, dass die komplette Staatsgewalt (Regierung, Polizei, Militär und Verwaltung) fest in der Hand der Mafia war. Calderon hat versucht das zu ändern. Aber die Opposition hat das immer torpediert.
2. Glaube nicht...
altegitarre01 18.08.2013
das sich was ändert. Soll es ja auch nicht. Den Kartellen ist unbedingt daran gelegen, das alles so bleibt wie es ist. Also keine Liberalisierung der Drogenpolitik. Ab und an mal eine spektakuläre Verhaftung, der Posten dieses menschlichen Abschaums ist sicher schon wieder besetzt.
3. überall ändert sich gar nichts!
.338lapuamagnum 18.08.2013
Fast alle die auf dieser Welt reich sind, verdienen ihre Kohle auf halblegale Weise. Irgendwo wird immer bestochen oder unterschlagen oder sich über das Gesetz gestellt: Hinter einem großen vermögen steckt immer ein großes Verbrechen!
4. optional
henky7777 18.08.2013
Klasse Mexico. Jetzt werden bestimmt wieder Drogen vertickt..... man kann das Problem dort einfach nicht beseitigen, es wird immer einer nachrücken, solange man auf dem Schwarzmarkt horrende Gewinne bekommt. Legalisierung mag auch nicht des Rätsels Lösung sein, aber die Jagd nach denen bringt genau so wenig und kostet nur Menschenleben. Besser die Leute einfach "machen lassen". Drogenschmuggel und Mexico gehörte schon immer zusammen, aber bevor Jagd auf die Clans gemacht wurde, konnte man wenigstens in Mexico noch einigermaßen sicher Urlaub machen und durch die Straßen laufen
5. Frage der Strafzumessung
Held-der-Wahrheit 18.08.2013
Auch wenn ich normalerweise ein Gegner der Todesstrafe bin, aber vllt. sollte in Mexiko diese Form der Strafe für führende Mitglieder der Drogenkartelle eingeführt werden. Viele Drogenbosse führen ihre Geschäfte aus dem Gefängnis heraus und steuern weiterhin die Verbrechen. Diese Möglichkeit wäre dann nach Vollstreckung des Urteils nicht mehr gegeben. Zusätzlich würde sich die Zahl der Mafiosi so auf Dauer auch reduzieren.
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Fotostrecke
Mexiko: Opfer und Täter im Drogenkrieg

Fläche: 1.964.375 km²

Bevölkerung: 113,423 Mio.

Hauptstadt: Mexiko-Stadt

Staats- und Regierungschef: Enrique Peña Nieto

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Drogenkartell-Chef Treviño: Z-40 hinter Gittern

Mexikos Kartelle
Sinaloa-Kartell
Das Sinaloa-Kartell ist eine der mächtigsten Organisationen in Mexiko und Lateinamerika. Sie kämpft erbittert gegen das Juárez-Kartell, um die Kontrolle über die Grenzstadt Ciudad Juárez zu den USA zu übernehmen. Legendäre Führungsfigur ist Joaquín Guzmán, genannt "El Chapo", dem 2001 die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis gelang und der es vergangenes Jahr mit seinem Milliardenvermögen auf Platz 41 der 67 "mächtigsten Menschen der Welt" des US-Magazins "Forbes" schaffte. Nachdem er 13 Jahre im Untergrund lebte, konnte "El Chapo" im Februar 2014 von der mexikanischen Polizei geschnappt werden.
Golf-Kartell
Das berüchtigte Golf-Kartell aus dem Bundesstaat Tamaulipas war einst die mächtigste kriminelle Organisation Mexikos, ist nun durch die Abspaltung der Zeta-Bande geschwächt. Außerdem wurden zahlreiche Mitglieder festgenommen.
Los Zetas
Los Zetas ist eine der mächtigsten und brutalsten Organisationen. Sie ist an der mexikanischen Golfküste aktiv und soll für viele Hunderte Tote verantwortlich sein. Sie besteht aus ehemaligen Drogenbekämpfern der Polizei und des Militärs, die zunächst zum Golf-Kartell überliefen und dann ihr eigenes Kartell gründeten. Sie befinden sich in einem blutigen Machtkampf gegen das Golf- und Sinaloa-Kartell und La Familia.
Juárez-Kartell
Das Juárez-Kartell aus der gleichnamigen Stadt im Bundesstaat Chihuahua firmiert auch unter dem Namen "Allianz des goldenen Dreiecks". Es wurde 1997 gegründet und hat wegen der andauernden Kämpfe gegen das Sinaloa-Kartell in den vergangenen Jahren stark an Einfluss verloren.
Tijuana-Kartell
Das Tijuana-Kartell im äußersten Nordwesten Mexikos ist dafür bekannt, ausgezeichnete Kontakte zu hochrangigen Vertretern von Sicherheitskräften und Justiz zu pflegen. Es wurde 1989 von der Familie Arellano Felix gegründet. Nun kämpft die Organisation um die Kontrolle in Tijuana. Die Führung ist geschwächt, 2008 spaltete sich die Organisation in zwei Flügel. Einer der Chefs, Eduardo Teodoro García Simental alias "El Teo", wurde im Januar gefasst.
Beltrán-Leyva-Organisation
Das Einflussgebiet der Beltrán-Leyva-Organisation erstreckt sich vor allem an der Pazifikküste. Die Gruppe hat sich 2008 von dem Sinaloa-Kartell abgespalten, ihre Macht wuchs. Doch seit Ende 2009 ist die Organisation geschwächt durch die Ermordung von zwei der fünf Beltrán-Leyva-Brüder. So starb Arturo Beltrán-Leyva (genannt "Boss der Bosse") in einem Gefecht mit Sicherheitskräften.
La Familia Michoacana
La Familia stammt aus dem Bundesstaat Michoacán, operiert aber in vielen weiteren Regionen. 2006 spaltete sich La Familie von Golf-Kartell und Los Zetas ab, mit denen es heute konkurriert und sich heftig bekämpft. La Familia ist bekannt für Enthauptungen und ihre quasi-religiöse Ideologie. Eine Führungsfigur heißt "El Más Loco" - der Verrückteste. (Quelle: World Drug Report 2010, Stratfor)
Fotostrecke
Grafiken: Fakten zum globalen Drogenkrieg