Schlag gegen Golfkartell Militär fasst mexikanischen Drogenboss

Es ist ein schwerer Schlag gegen die Drogenmafia in Mexiko. Das Militär hat den Chef des berüchtigten Golfkartells, Mario Cárdenas Guillén, festgenommen. Er konnte schwer bewaffnet und offenbar mit Kokain im Gepäck im Bundesstaat Tamaulipas gestellt werden.

JazmÌn Adri·n / Demotix

Mexiko-Stadt - Die mexikanische Marine hat laut eigenen Angaben einen der beiden Chefs des berüchtigten Golfkartells festgenommen. Mario Cárdenas Guillén alias "El Gordo" (Der Dicke) sei am Montag in Altamira im Bundesstaat Tamaulipas geschnappt worden, teilte Marinesprecher José Luis Vergara am Dienstag (Ortszeit) mit.

Den Angaben zufolge hatte der Drogenboss bei der Festnahme eine schwere Waffe, 90 Schuss Munition, zwei Granaten und vier kleinere Plastikbeutel bei sich, in denen sich offenbar Kokain befand. In seiner Tasche steckten außerdem 129.700 Pesos, etwa 7000 Euro. Mit einer Schutzweste und Flip-Flops an den Füßen, flankiert von zwei maskierten Marinesoldaten mit halbautomatischen Waffen, wurde er den Kameras präsentiert.

Mario Cárdenas Guillén war 1995 wegen organisierter Kriminalität und Drogenhandels verhaftet worden. Er soll noch während er seine Strafe in der für brutale Kämpfe unter den Insassen bekannten Haftanstalt Matamoros nahe der Grenze zu Texas absaß, weiter große Mengen Kokain und Marihuana aus dem Land geschmuggelt haben. 2003 überstellten ihn die Behörden in ein Gefängnis im westlichen Bundesstaat Jalisco, aus dem er vier Jahre später entlassen wurde.

Schlag für das geschwächte Golfkartell

"El Gordo" ist der Bruder des Gründers des Drogenkartells, Osiel Cárdenas Guillén. Dieser wurde 2003 festgenommen und 2007 an die USA ausgeliefert, wo er derzeit eine 25-jährige Haftstrafe verbüßt. "El Gordo" hatte einen weiteren Bruder, Ezequiel Cárdenas Guillén, auch "Tony Tormenta" genannt, der 2010 von staatlichen Sicherheitsleuten erschossen wurde. Nach dessen Tod teilte sich das Kartell: "El Gordo" führte fortan eine Gruppe, die andere übernahm Jorge Eduardo Costilla Sánchez, alias "El Coss".

Die Festnahme ist ein schwerer Schlag für das Golfkartell, das durch seinen blutigen Kampf gegen die rivalisierenden "Los Zetas" stark geschwächt ist. Die Abspaltung der paramilitärischen "Zetas" vom Golfkartell hatte einen blutigen Krieg entfacht, der sich von Tamaulipas auf den benachbarten Bundesstaat Neuvo León ausbreitete. Während das Golfkartell an Durchschlagskraft verlor, wurden die für ihre Brutalität berüchtigten Zetas immer stärker und landesweit aktiv. Die US-amerikanische Drug Enforcement Administration DEA ordnet die Gruppe als die auch technologisch am weitesten entwickelte Organisation unter den Kartellen ein.

In dem seit sechs Jahren tobenden Krieg der Kartelle sind geschätzt 60.000 Menschen gewaltsam ums Leben gekommen, mehr als 3000 von ihnen waren Angehörige der Polizei und Militär, das in dem Ruf steht, häufig mit der organisierten Kriminalität zu kooperieren.

ala/AFP

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