Erschossene Schönheitskönigin: "Möge Gott dir gnädig sein"

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Sie studierte Kommunikationswissenschaften und sammelte Titel bei Schönheitswettbewerben. Doch ihre Freizeit verbrachte María Susana Flores Gámez offenbar mit Unterweltgrößen des mexikanischen Sinaloa-Kartells. Das wurde ihr nun zum Verhängnis.

Drogenkrieg in Mexiko: Narcoqueens im Visier der Ermittler Fotos
AP/ El Debate

Gegen fünf Uhr früh am Samstag kam es nahe der Ortschaft El Palmar de los Leal im mexikanischen Bundesstaat Sinaloa zu einer Schießerei. Mutmaßliche Auftragskiller eines Drogenkartells hatten das Feuer auf eine Gruppe Militärs eröffnet. Kurz darauf fand man die blutüberströmte Leiche der schönen María Susana Flores Gámez. Sie lag in der Nähe eines Autos mit verdunkelten Scheiben, um sich herum 60 Patronenhülsen aus einem Sturmgewehr des Typs AK-47. In dem Fahrzeug fand man drei weitere Leichen.

"Sie war mit der Kriminellen-Bande unterwegs", sagte Staatsanwalt Marco Antonio Higuera. "Wir können allerdings nicht sagen, ob sie an der Schießerei beteiligt war." Es gilt aber als gesichert, dass die attraktive "Mujer Sinaloa 2012" in einem jener Fahrzeuge mitfuhr, das sich mit den Sicherheitskräften eine stundenlange Verfolgungsjagd geliefert hatte. Unter den getöteten Gang-Mitgliedern soll auch der Freund der Beauty-Queen sein. Vier Männer konnten festgenommen werden. Die Polizei stellte sechs Fahrzeuge, Drogen und Waffen sicher.

Die Ausrichter des Miss-Wettbewerbs "Unsere Schönheit Sinaloa" zeigten sich via Facebook erschüttert über den frühen Tod der 20-Jährigen, "einer jungen, schönen, fröhlichen Frau mit einer großen Zukunft vor sich". Die letzte Botschaft der Vermarkter: "Ruhe in Frieden, Susy, und möge Gott dir gnädig sein."

Zunächst war über die Identität der weiblichen Leiche nur spekuliert worden. Dann kam die Bestätigung, die sterblichen Überreste von "Susy" wurden ihrer Familie übergeben. Flores Gámez studierte Lokalmedien zufolge Kommunikationswissenschaften. Im Juni 2009 nahm sie an dem Wettbewerb "Model des Jahres" und "Fashion Men" teil. Sie gewann die Titel, außerdem 3000 Pesos in bar (rund 178 Euro), Kleidung im selben Wert, eine Verjüngungskur sowie Sachspenden von Sponsoren. Im Februar erstritt die 1,70 Meter große Brünette das Krönchen als "Frau Sinaloa 2012", im Mai wurde sie in China zur "Miss Tourismus Oriental" gekürt.

Privilegien, Macht, Geld und Bedürftigkeit

Was treibt eine junge Frau dazu, sich mit örtlichen Mafiosi einzulassen? Flores Gámez stammte aus dem Ort Guamuchil im Bundesstaat Sinaloa, in dem das gleichnamige Kartell sein blutiges Regime installiert hat.

Der Autor Javier Valdez Cárdenas hat bereits 2009 in seinem Buch "Miss Narco" die Verbindungen von Schönheitsköniginnen zur Unterwelt beschrieben. "Es ist die ewig gleiche Geschichte, manchmal nett, manchmal tragisch, es geht um Privilegien, Macht und Geld, aber auch Bedürftigkeit", sagt er. "Für viele dieser jungen Frauen ist es einfach, sich mit dem organisierten Verbrechen einzulassen, in einem Land, das jungen Menschen nicht gerade viele Möglichkeiten bietet. Viele Mädchen suchen explizit einen Mann aus dem Drogenmilieu." Fast immer, so die traurige Erkenntnis, endeten solche Liebesgeschichten böse: "Bestenfalls wird die Frau in Handschellen abgeführt, schlimmstenfalls verschwindet sie einfach."

Tatsächlich gab es in der Vergangenheit bereits zwei spektakuläre Fälle, in denen solche Verbindungen öffentlich wurden. 2008 wurde die damalige Trägerin des Titels "Our Sinaloa Beauty", Laura Zuniga, zusammen mit sieben Männern festgenommen. In ihrem Auto fand die Polizei ein ganzes Waffenarsenal, Munition und 53.000 US-Dollar in bar. Zuniga stand unter dem Verdacht, gegen Waffen- und Drogengesetze verstoßen zu haben, wurde später aber ohne Strafe aus der Haft entlassen. Ihre Krone musste sie abgeben.

2011 wurde ein kolumbianisches Ex-Model gemeinsam mit dem mutmaßlichen Drogenhändler Jose Jorge Balderas festgenommen. Balderas wird verdächtigt, in eine Schießerei verwickelt gewesen zu sein, bei der der ehemalige Fußball-Nationalspieler Salvador Cabañas Ortega aus Paraguay 2010 in Mexiko-Stadt lebensgefährlich am Kopf verletzt wurde.

Der Fall erinnert außerdem an den Tod der "Miss Jalisco 1970", Irma Lizette Ibarra Navejath, die im Jahr 1997 ermordet wurde, als sie ihre Verbindungen zu dem verstorbenen Gründer des gefürchteten Juárez-Kartels, Vicente Carrillo Fuentes, offenlegen und den Behörden Informationen zu anderen Kartellen liefern wollte.

Der Krieg der Kartelle in Mexiko hat seit 2006 geschätzt 60.000 Opfer gefordert. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat mit Blick auf den bevorstehenden Präsidentenwechsel in Mexiko energische Schritte im Kampf gegen Gewalt und Folter gefordert.

Die Politik des scheidenden Präsidenten Felipe Calderón habe zu einem dramatischen Anstieg der Gewalt geführt, sagte ein Sprecher der Organisation am Dienstag in Berlin. Allein 2011 habe der Drogenkrieg in Mexiko 12.000 Menschen das Leben gekostet. "Militär und Polizei sind direkt für schwere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich", hieß es. Amnesty forderte von der neuen Regierung unter Präsident Enrique Peña Nieto, der am 1. Dezember Calderón ablöst, eine grundlegende Reform von Polizei und Justiz.

Mit Material von AP und dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. studiosus vulgaris
e-cdg 27.11.2012
Zitat von sysopAP/ El DebateSie studierte Kommunikationswissenschaften und sammelte Titel bei Schönheitswettbewerben. Doch ihre Freizeit jedoch verbrachte María Susana Flores Gámez offenbar mit Unterweltgrößen des mexikanischen Sinaloa-Kartells. Das wurde ihr nun zum Verhängnis. Mexiko: Schönheitskönigin Flores Gámez in Mexiko von Militärs erschossen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/justiz/mexiko-schoenheitskoenigin-flores-gamez-in-mexiko-von-militaers-erschossen-a-869645.html)
War María Susana Flores Gámez zu kontaktfreudig? - Dann wurde der Dame nun letztendlich ihr Studium zum Verhängnis.
2.
trallala34 27.11.2012
und wo ist jetzt die Nachricht? Wer sich ohne Not mit Schwerstkriminellen abgibt (vermutlich weil die so viel Geld haben oder so cool sind) der hat kein Mitleid verdient.
3. Wir liefern die Toten
karoja 27.11.2012
Die USA and die entwickelten Länder liefern den Konsum, Suedamerika die Produktion, und Zentralamerika und Mexico, als Durchgangsgebiete, die Toten. Als Resident von Guatemala ist es mi absolut klar das die Budgets von unseren Laendern nicht ausreichen, um den Drogentransit und den damit verbundenen Opfern Herr zu werden. Es ist die Verantwortung der Konsumenten und der Produzenten fuer das Problem, welches sie in unseren Landenern produzieren, aufzukommen und zu bezahlen!
4.
Ragnarrök 27.11.2012
Mal abgesehen von der Unwichtigkeit der Meldung.......... Hier trifft sehr gut: "Wer sich in Gefahr begibt kommt darum um". Zudem ist zu bemerken das Schönheit nicht zwangsläufig mit moralischem Kompass einhergeht.
5. Aha
a.maassen 27.11.2012
... eine Verjüngungkur. Das braucht man mit 20 dringend. Sehr dringend ...
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