Drogenboss Guzmán US-Schauspieler Sean Penn traf "El Chapo" zum Interview

Ein Gespräch mit Hollywoodstar Sean Penn könnte die Ermittler auf die Spur von Joaquín Guzmán Loera gebracht haben. In dem Interview erzählte der 58-Jährige von seinem Leben als mächtiger Drogenboss.

Guzmán bei seiner Festnahme: Interview im Oktober
DPA

Guzmán bei seiner Festnahme: Interview im Oktober


Das Ende einer spektakulären Flucht: Am Freitag nahmen mexikanische Spezialeinheiten Joaquín Guzmán Loera fest - "El Chapo", der meistgesuchte Drogenboss der Welt. Jetzt ist klar: Bei den Ermittlungen könnte ausgerechnet ein US-Schauspieler eine wichtige Rolle gespielt haben. Dem Hollywoodstar Sean Penn hatte Guzmán im Oktober ein Aufsehen erregendes Interview gegeben.

Das Magazin "Rolling Stone" veröffentlichte auf seiner Website in der Nacht zum Sonntag einen langen Erfahrungsbericht des Schauspielers. Zum Beleg, dass sich die beiden Männer wirklich in Guzmáns Versteck getroffen haben, veröffentlichte das Magazin ein Foto, das ihn und Penn beim Handschlag zeigt.

In dem Gastbeitrag schildert Penn die abenteuerlichen Umstände, unter denen sein Treffen mit "El Chapo" zustande gekommen sei. Guzmán habe Fragen zu seinem Aufstieg vom jugendlichen Orangenverkäufer zum berüchtigten Drogenbaron beantwortet, über sein "glückliches" Leben nach der Flucht aus dem Gefängnis gesprochen und die Frage verneint, ob er ein gewalttätiger Mensch sei.

Schauspieler Sean Penn: Langer Erfahrungsbericht
DPA

Schauspieler Sean Penn: Langer Erfahrungsbericht

"In unserer Gegend gibt es keine Jobs. Die einzige Möglichkeit, um Geld für Essen zu verdienen, ist der Anbau von Opium, Marihuana", sagt "El Chapo" in einem Videointerview, das er Penn nach dem Treffen schickte. "Ich verteidige mich nur selbst, nicht mehr. Ob ich Streit anfange? Niemals."

Der Chef des mächtigen Sinaloa-Kartells war am Freitag in der westmexikanischen Stadt Los Mochis gefasst worden, ein halbes Jahr nach seiner Flucht aus einem mexikanischen Hochsicherheitsgefängnis. Seine Helfer hatten einen 1,5 Kilometer langen Tunnel mit elektrischem Licht, Luftzufuhr und einem Schienensystem bis in seine Zelle gebaut. Ihm droht nun die Auslieferung in die USA, wo mehrere Haftbefehle gegen ihn vorliegen.

Fotostrecke

6  Bilder
Mexiko: Die Festnahme von "El Chapo"
Das Treffen von Penn und Guzmán könnte die Ermittler erneut auf die Spur des Drogenbosses gebracht haben. "Ich habe einen glaubwürdigen Hinweis erhalten, dass die (US-Antidrogenbehörde) DEA von unserer Reise nach Mexiko wusste", schreibt der Schauspieler in seinem Artikel.

Auch die Nachrichtenagentur AFP berichtet unter Berufung auf einen Regierungsvertreter, die Behörden hätten über Penns Besuch bei Guzmán Anfang Oktober Bescheid gewusst. Das Treffen war demnach sogar Teil der Ermittlungen, die letztlich zur Festnahme des Drogenbosses führten.

Die mexikanische Generalstaatsanwältin Arely Gómez hatte anschließend erklärt, Filmpläne des Drogenbosses seien eine wichtige Spur gewesen. Guzmán wollte demnach sein Leben verfilmen lassen und traf sich dazu sogar schon mit Produzenten und Schauspielern.

"Mehr Heroin als irgend jemand sonst in der Welt"

In dem Gespräch sagte Guzmán außerdem: "Ich liefere mehr Heroin, Methamphetamin, Kokain und Marihuana als irgend jemand sonst in der Welt." Er habe "eine Flotte aus U-Booten, Flugzeugen, Lastwagen und Schiffen". Zugleich bestritt der 58-Jährige nicht die verheerende Wirkung von Drogen. "Die Tatsache, dass Drogen zerstören, ist eine Realität."

"El Chapo" erzählte darüber hinaus, er habe seine Ingenieure zu einer dreimonatigen Fortbildung nach Deutschland geschickt. Den Kontakt zwischen Penn und "El Chapo" hatte die mexikanische Schauspielerin Kate de Castillo hergestellt. Sie spielt in der Telenovela "La Reina del Sur" (Die Königin des Südens) selbst eine Drogenhändlerin und stand mit Guzmán wegen eines Filmprojekts über sein Leben in Kontakt.

Das Interview fand im Oktober an einen unbekannten Ort in Mexiko statt. Damals waren die Sicherheitskräfte "El Chapo" schon einmal dicht auf den Fersen. Im sogenannten Goldenen Dreieck zwischen den Bundesstaaten Sinaloa, Durango und Chihuahua feuerten Marineinfanteristen von Hubschraubern aus auf sein Versteck in einer Ranch, doch die Leibwächter des Kartellbosses konnten den Angriff zunächst zurückschlagen. Zwar verletzte sich Guzmán bei der Flucht, doch die Sicherheitskräfte verloren ihn aus den Augen.

Im Video: Drogenboss "El Chapo" gefasst

kev/AFP/AP/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
carranza 10.01.2016
1. Kaum zu fassen
Etelkeit und PR hin und her, aber ein bischen mehr Intelligenz htte ich dem vermutlich reichsten Menschen der Welt doch zugetraut.
doitwithsed 10.01.2016
2. Naiv
Herr Penn hat wohl geglaubt, er würde als einziger seiner Mitbürger nicht von seinen eigenen Geheimdiensten, zu den in weiteren Sinne auch die DEA gehört, überwacht? Eine Mail mit dem Name Guzman oder anderen passenden Stichwörtern im Inhalt, schon qualifiziert er sich für ein besonderes Interesse dieser Behörden. So einfach ist das.
jkleinmann 10.01.2016
3. Wird Penn bestraft?
Warum dürfen Privatleute den Aufenthaltsort von Schwerverbrechern kennen und verheimlichen, noch dazu, um sich an den Treffen zu bereichern? Stellt dies keine Straftat dar?
dragonlord 10.01.2016
4. Mex Bürger
Das kann man aber nicht wirklich glauben, dass Peña ohne die direkte Einverständnis von "el Chapo" ihn festgenommen hat. Als er draußen war, hatte die Kartelle unter Kontrolle. Jetzt wird bestimmt wieder Krieg geben. Hoffentlich gewinnt Peñas Partei nie wieder die Bundespräsident Wahl.
Indigo76 10.01.2016
5.
Zitat von jkleinmannWarum dürfen Privatleute den Aufenthaltsort von Schwerverbrechern kennen und verheimlichen, noch dazu, um sich an den Treffen zu bereichern? Stellt dies keine Straftat dar?
Hast du nicht den Film "Das Interview" gesehen? Penn war vermutlich vom CIA und der DEA beauftragt, sie auf die Spur von Guzman zu setzen. (geile Verschwörungstheorie)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.