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Flugzeugabsturz in der Ukraine: Putin lehnt Uno-Tribunal zur MH17-Katastrophe ab

Russlands Präsident Putin: Telefonat mit niederländischem Premier Rutte Zur Großansicht
REUTERS

Russlands Präsident Putin: Telefonat mit niederländischem Premier Rutte

Vor einem Jahr starben fast 300 Menschen beim Absturz von Flug MH17 in der Ukraine. Die Aufklärung des Vorfalls ist schwierig - auch wegen der Haltung Russlands.

Ein Jahr nach dem Abschuss eines Passagierflugzeugs über der Ostukraine hat Russlands Präsident Wladimir Putin ein Uno-Tribunal zur Aufklärung des Vorfalls abgelehnt. Eine solche Stelle sei voreilig und kontraproduktiv, sagte Putin dem Moskauer Präsidialamt zufolge in einem Telefonat mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte.

Rutte hatte ein Tribunal ins Gespräch gebracht. Bei dem Absturz am 17. Juli 2014 starben alle 298 Insassen, die meisten waren Niederländer. Die Boeing der Malaysia Airlines mit der Flugnummer MH17 war in der Ostukraine über einem Gebiet in der Hand prorussischer Rebellen niedergegangen. Als Ursache gilt weithin eine Rakete, die aus Russland stammte und von prorussischen Aufständischen abgefeuert wurde.

Die Moskauer Regierung deutete dagegen an, ein Kampfjet der ukrainischen Luftwaffe sei für die Katastrophe verantwortlich. Diese Darstellung weist wiederum die Regierung in Kiew zurück. Derzeit ermittelt ein von den Niederlanden geführtes Untersuchungsteam, das seinen Abschlussbericht im Oktober vorlegen soll. Putin forderte eine gründliche und unabhängige Untersuchung. Er kritisierte eine nach seinen Worten einseitige Berichterstattung der Medien.

Angehörige der Opfer verklagen Separatistenführer

Unterdessen verklagen Angehörige der Opfer laut einem Medienbericht den Separatistenführer Igor Girkin auf umgerechnet 826 Millionen Euro. Es gehe den Hinterbliebenen nicht um Geld, sondern um Antworten, sagte US-Anwalt Floyd Wisner dem britischen "Telegraph". Wisner habe die Papiere bei einem Gericht in Chicago eingereicht, so der Bericht. Er berufe sich darin auf ein Gesetz zum Schutz von Folteropfern, das gegen Ausländer angewendet werden könne.

Der russische Staatsbürger Girkin, der zeitweilig als Verteidigungsminister der nicht anerkannten "Volksrepublik" Donezk aufgetreten war, habe den Abschuss der Boeing 777 durch seine Rebellenarmee angeordnet, unterstützt oder begünstigt, heißt es dem "Telegraph" zufolge in der Klageschrift. Die Separatisten hätten zudem die Zustimmung des Kreml gehabt.

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sms/dpa/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 27 Beiträge
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1. Mit der Medienkritik
spibufobi 16.07.2015
Hat putin auch vollkommen recht. Die letzten Monate waren kein ruhmesblatt für die westlichen UND russischen Medien. Da ist sehr viel Vertrauen zerstört worden, es wird sehr lange brauchen und eine grundlegende Änderung benötigen um es wieder herzustellen. Nur bei der nicht besonders ausgeprägten Fähigkeit zur selbstreflektion der Medien, wird sich wohl leider nichts ändern...
2. Wer nichts zu verbergen hat ...
DirkSt 16.07.2015
und die Suche nach den Tätern dieses abscheulichen Verbrechens unterstützen will, der sollte gegen solch ein Tribunal nichts einzuwenden haben. Es ist ohnehin eine Schande, dass man die offenen Fragen mehr als ein Jahr nach dem Geschehen noch nicht beantworten kann/will. Den Angehörigen mag es die Toten nicht zurück geben - aber vielleicht hilft es beim Umgang mit dem Geschehen, zumindest den Ablauf und den/die Schuldigen zu kennen. Dass Putin hier (ein Jahr später!) davon spricht, ein Tribunal sei "voreilig", ist an Zynismus kaum zu überbieten. Aber vermutlich denkt er ohnehin in anderen Zeitdimensionen.
3. Ach?
paulhaupt 16.07.2015
Warum denn nun Dieses? Ich denke, nach russischer Putin-Lesart waren es die bösen Faschisten die das Flugzeug abgeschossen haben? Da sollte ein UN-Tribunal gerade recht kommen. Da könnten die Russen doch mal ihre gefakten Pseusobeweise auf den Tisch legen. Oder hat man in Moskau etwa die Hosen voll, daß vor aller Welt die wahren Schuldigen angeklagt werden und sich ihrer Verantwortung stellen müssen?
4.
bonngoldbaer 16.07.2015
Zitat von DirkStund die Suche nach den Tätern dieses abscheulichen Verbrechens unterstützen will, der sollte gegen solch ein Tribunal nichts einzuwenden haben. Es ist ohnehin eine Schande, dass man die offenen Fragen mehr als ein Jahr nach dem Geschehen noch nicht beantworten kann/will. Den Angehörigen mag es die Toten nicht zurück geben - aber vielleicht hilft es beim Umgang mit dem Geschehen, zumindest den Ablauf und den/die Schuldigen zu kennen. Dass Putin hier (ein Jahr später!) davon spricht, ein Tribunal sei "voreilig", ist an Zynismus kaum zu überbieten. Aber vermutlich denkt er ohnehin in anderen Zeitdimensionen.
Wie das Tribunal in Den Hag zeigt, sind UN-Tribunale nicht neutral sondern urteilen im Interesse des Westens und seiner Handlanger. Dass Russland sich einem solchen Tribunal widersetzt, ist nicht nur richtig sondern die einzige Möglichkeit, einen unbegründeten Schuldspruch zu verhindern.
5. Putin kann doch gar nicht anders.
nachtmacher 16.07.2015
Sonst würden vielleicht noch andere "Urlauber" auffliegen. Ob die Welt nun Russland oder die Separatisten verurteilt ist dem kreml wurscht. Bloß würde das sorgsame Lügengebäude von wegen gute Sozialisten gegen böse faschisten sich als das entpuppen, was es ist. Faschisten hüben wie drüben und in der Mitte kämpfen oligarchen ums Geld.
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