MH17-Absturz Opfer-Angehörige fordern Schadensersatz von Niederlanden

Hinterbliebene von Opfern der abgestürzten Malaysia-Airlines-Maschine mit der Flugnummer MH17 streben Schadensersatz vom niederländischen Staat an. Sie monieren die schleppend vorangehenden Ermittlungen zum Hergang der Katastrophe.

Trümmerteil der Boeing 777: Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur
DPA

Trümmerteil der Boeing 777: Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur


Den Haag - Einige Angehörige von niederländischen Opfern des MH17-Absturzes sind unzufrieden mit der Ermittlungsarbeit der niederländischen Behörden. Deshalb wollen sie Schadensersatz von der Regierung. Das kündigte Anwalt Bon van der Goen an, der eigenen Angaben zufolge Dutzende Familien vertritt.

Die Malaysia-Airlines-Maschine mit der Flugnummer MH17 war am 17. Juli auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur über der Ukraine abgestürzt, niemand an Bord überlebte. Die ukrainische Regierung und der Westen gehen davon aus, dass Flug MH17 von prorussischen Separatisten abgeschossen wurde. Der niederländische Chefermittler hält es für das wahrscheinlichste Szenario, dass eine Luftabwehrrakete die Maschine getroffen hat. Russland sieht die Verantwortung bei Kiew.

Die Niederlande leiten die Ermittlungen zum Hergang der Katastrophe, da 196 der 298 Menschen an Bord aus dem Land stammten. Weil seine Mandanten mit der Handhabung der Ermittlungen nicht zufrieden seien, habe er einen Brief mit Schadensersatzforderungen in unspezifischer Höhe an die Regierung geschickt, sagte Anwalt Goen. Es ist der erste juristische Schritt gegen Den Haag in Zusammenhang mit der Katastrophe.

Umstrittene Äußerungen

Äußerungen des niederländischen Außenministers Frans Timmermans, einer der Passagiere der abgestürzten Maschine habe eine Sauerstoffmaske um den Hals gehabt, seien ein Grund für die Verärgerung der Hinterbliebenen, so der Anwalt. "Wir werden die niederländische Regierung zur Verantwortung ziehen." Ihr Vorgehen sei fahrlässig, weil sie bei den Ermittlungen nur langsam vorankomme.

Die von Timmermans verbreitete Erkenntnis warf erneut die Frage auf, wie viel die Reisenden an Bord der Boeing 777 von ihrem Ende miterlebten. Angehörige kritisierten den Vorstoß des Ministers. Die Öffentlichkeit sei vor ihnen informiert worden. Dutzende hatten sich daraufhin bei der Anklagebehörde gemeldet.

Timmermans entschuldigte sich am Donnerstag in einem Statement. "Ich hätte das nicht sagen sollen", so der Politiker. Das Schicksal der MH17-Passagiere gehe ihm ans Herz, er fühle mit den Angehörigen. "Das Letzte, was ich will, ist ihr Leid zu vergrößern."

Rechtsmediziner haben unterdessen zehn weitere Opfer identifiziert. Sieben von ihnen seien Niederländer, teilte das niederländische Justizministerium mit. Die Angehörigen seien informiert worden. Über die Nationalitäten der drei übrigen Opfer machten die Behörden auf Wunsch der Botschaften ihrer Herkunftsländer keine Angaben. Insgesamt wurde somit inzwischen die Identität von 272 der 298 Insassen geklärt.

wit/Reuters/AFP

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