Schmerzensgeld Familien der deutschen MH17-Opfer wollen Ukraine verklagen

Vier Deutsche starben beim Absturz von Flug MH17, die Hinterbliebenen wollen jetzt die Ukraine verklagen. Jeder Staat sei für seinen Luftraum verantwortlich, so der Anwalt. Er fordert hohe Summen Schmerzensgeld.

Trümmerteil der Boeing 777: Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur
DPA

Trümmerteil der Boeing 777: Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur


Berlin - Zwei Monate nach dem Absturz des Fluges MH17 planen die Familien der deutschen Opfer, vor Gericht zu ziehen. Die Hinterbliebenen wollen den ukrainischen Staat in den kommenden zwei Wochen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagen, sagte der Rechtsanwalt und Professor für Luftfahrtrecht, Elmar Giemulla, in der "Bild am Sonntag". Als Vertreter von drei der vier deutschen Opferfamilien wolle er außerdem Schmerzensgeldforderungen von je mindestens einer Million Euro stellen.

Der Vorwurf lautet Totschlag durch Unterlassen in 298 Fällen. Nach Einschätzung des Juristen hat die Ukraine in Kauf genommen, dass Hunderte von Menschen ums Leben kamen. "Nach internationalem Recht ist jeder Staat für den Luftraum über seinem Staatsgebiet verantwortlich, wenn er ihn für Durchflüge öffnet", argumentierte Giemulla. Könne ein Staat die Sicherheit nicht gewährleisten, müsse er seinen Luftraum sperren. "Da dies nicht geschehen ist, haftet die Ukraine für die Schäden", so der Anwalt.

Weitere Klage gegen Russland möglich

Auch eine Klage gegen Russland schloss der Professor nicht aus. "Die Beweislage gegen Russland ist noch nicht stabil genug", erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Zu einem "späteren Zeitpunkt" sei eine Klage aber denkbar. Nach derzeitigem Kenntnisstand liegt die "Hauptursache für den Abschuss" laut Giemulla "wenn man einmal von den Rebellen absieht bei der russischen Regierung".

Malaysia Airlines hat den Hinterbliebenen laut dem Juristen bisher eine Vorauszahlung von 5000 Euro geleistet und bereite eine weitere Auszahlung von 50.000 Euro pro Opfer vor. Die Maschine mit der Flugnummer MH17 war am 17. Juli auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur mit 298 Menschen an Bord abgestürzt.

Die ukrainische Regierung und der Westen gehen davon aus, dass Flug MH17 von prorussischen Separatisten abgeschossen wurde. Der niederländische Chefermittler hält es für das wahrscheinlichste Szenario, dass eine Luftabwehrrakete die Maschine getroffen hat. Russland sieht die Verantwortung bei Kiew.

irb/AFP/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
erasmus89 21.09.2014
1. Der Anwalt sollte sich mal nochmal
mit den bisherigen "Beweisen" der NATO auseinandersetzen. So wird er doch bald merken, dass es keine gibt, die für eine Täterschaft Russlands oder der Rebellen sprechen. Laut SPIEGEL soll es ja ein übergelaufener ukr. Soldat gewesen sein, der den Knopf gedrückt haben soll. Daher ist die Ukraine klar als Verantwortlicher dieses Verbrechens anzuklagen, das sie nicht einmal den Luftraum gesperrt hat.
asdf01 21.09.2014
2. ...
Da ist die Ukraine wohl irgendwie der falsche Adressat. Mit der Argumentation dürfte die Klage eigentlich keine Chance haben, die Ukraine hat wohl keine realistische Möglichkeit über einem Kriegsgebiet die Sicherheit von Passagierflügen sicherzustellen, vor allem wenn der Gegner so krass überlegen ist, wie in diesem Fall. Die sollten wohl eher die Fluggesellschaft verklagen, denn die haben die Entscheidung getroffen, das Risiko einzugehen und über ein Kriegsgebiet zu fliegen.
wolfi44 21.09.2014
3. wie bitte,
die Ukraine verklagen? Die Pro-Russen schiessen das Flugzeug ab, und die Ukraine ist? Toll!
wolfi44 21.09.2014
4. schon wieder
ein Anwalt auf Profilierungssuche!!! Kann man diese Typen eigentlich auch verklagen?
MashMashMusic 21.09.2014
5.
Zitat von erasmus89mit den bisherigen "Beweisen" der NATO auseinandersetzen. So wird er doch bald merken, dass es keine gibt, die für eine Täterschaft Russlands oder der Rebellen sprechen. Laut SPIEGEL soll es ja ein übergelaufener ukr. Soldat gewesen sein, der den Knopf gedrückt haben soll. Daher ist die Ukraine klar als Verantwortlicher dieses Verbrechens anzuklagen, das sie nicht einmal den Luftraum gesperrt hat.
Es sprechen zwar sämtliche Indizien dafür, aber warum nicht die Ukraine verklagen? Irgendwer zahlt schon! Verantwortlich ist der, der den Knopf gedrückt hat. Die sich danach mit dem Abschuss einer ukrainischen Transportmaschine gebrüstet haben. Aber in Wirklichkeit wollten ja ukrainische Faschisten die Präsidentenmaschine von Putin abschießen. Oder was anderes. Irgendwas. Nur nicht prorussische Separatisten. Denn die können es auf gar keinen Fall gewesen sein. Irgendwas anderes. Aber nicht das. Nein. Nein. Sämtliche russischen Propagandaorgane behaupten auch was anderes. Ja. Genau.
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