Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Abschuss von MH17: Privatermittler will Informant vermittelt haben

Von

Wrackteil von Flug MH17: Informant soll sich gemeldet haben Zur Großansicht
REUTERS

Wrackteil von Flug MH17: Informant soll sich gemeldet haben

Wer steckt hinter dem Abschuss von Flug MH17? Anonymen Auftraggebern des Privatermittlers Josef Resch sollen Informationen dazu insgesamt 47 Millionen Dollar wert gewesen sein. Nun hat sich laut Resch ein Hinweisgeber gefunden.

Abseits der Öffentlichkeit hat sich im Fall des Abschusses von Flug MH17 Großes getan - zumindest, wenn man Josef Resch glauben mag. Der Privatermittler aus Bad Schwartau war nach eigenen Angaben von unbekannten Auftraggebern angeworben worden, um Hinweisgeber zu finden, die Informationen zu Tätern, Hintermännern und Vertuschungsversuchen liefern können. Sachdienliche Hinweise waren den Kunden 30 Millionen Dollar wert, später wurde um weitere 17 Millionen aufgestockt.

Nun haben die Auftraggeber einen Informanten gefunden, sagt Resch im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Zuerst berichtete die Zeitschrift "Capital" darüber. Sollte das alles so stimmen, wie der 66-Jährige es erzählt, stand er für viele Monate im Zentrum einer politisch höchst sensiblen Angelegenheit. Überprüfen lassen sich seine Angaben nicht. An der Verschwiegenheitsklausel, die er unterschrieben hat, prallen allzu detaillierte Nachfragen ab.

Resch und seine Mitarbeiter brachten Monate mit der Bearbeitung falscher Hinweise und mehr oder weniger plumper Täuschungsversuche zu. Vermeintlich seriöse Informanten widersprachen sich. Es gab Unterlagen, angeblich vom ukrainischen Geheimdienst. Resch ist sicher, dass sein Handy überwacht wurde. Es gab Drohanrufe und -briefe.

"Am besten ist es, Eier in der Hose zu haben und zu klingeln"

Insgesamt prüften sie mehr als hundert Hinweise. "In vielen Fällen fehlte mir die Seriosität, das hatte immer einen faden Beigeschmack", sagt Resch. Wenn sich jemand per E-Mail oder Telefon gemeldet habe, sei das schon ein K.-o.-Kriterium gewesen - in der Branche sei es Allgemeinwissen, dass nicht einmal der Kontakt per Brief zu hundert Prozent sicher sei. "Am besten ist es, Eier in der Hose zu haben und zu klingeln. Aber das haben die wenigsten."

Einer, der sich traute, stand im Mai vor Reschs Tür. Der Mann sei ein Europäer mittleren Alters gewesen, habe sehr gut Deutsch gesprochen. Resch geht davon aus, dass der Fremde im Auftrag anderer handelte. "Ich habe schnell das Gefühl gehabt, dass das kein Spinner oder Hochstapler ist."

Resch vermittelte nach eigenen Angaben ein Treffen des Informanten mit einer Kontaktperson der Auftraggeber, einem Mann mit Schweizer Akzent.

Informant soll auf Klappfahrrad gekommen sein

An einem Nachmittag in der zweiten Maihälfte, so erzählt es Resch, habe man sich bei ihm zu Hause getroffen. Schon ab mittags um eins hatte ein Mitarbeiter des Privatermittlers die Straße beobachtet, aber nichts Verdächtiges festgestellt. "Kurz vor drei kam der Informant mit dem Klappfahrrad an. Intelligent! Der ist Waldwege gefahren, da kann ihm keiner folgen, niemand eine Autonummer aufschreiben", sagt Resch.

Mehr als eine Stunde dauerte das Treffen. Zunächst seien er und ein Mitarbeiter noch dabei gewesen, sagt Resch. Dann hätten sich der Informant und der Mittelsmann allein unterhalten. "Am Ende des Treffens hat man bei den beiden keine Aggressionen, keine Anspannungen, nichts gesehen", sagt Resch.

Der Job - Sichtung der Hinweise und Vermittlung des Kontakts - war erledigt. Er habe sein Geld bekommen, sagt er. Wie viel, will er nicht sagen. Zu viele Drohungen. Manche Leute seien davon ausgegangen, er habe die 47 Millionen Euro Belohnung zu Hause gehabt. Gelohnt haben dürfte es sich für Resch in jedem Fall. "Dass ich das nicht für 20 Euro gemacht habe, dürfte jedem einleuchten."

Welche Hinweise lieferte der Informant?

Die zentrale Frage - welche Daten der Informant hatte - lässt Resch unbeantwortet: Stillschweigeabkommen. Ob der Informant die insgesamt 47 Millionen Dollar oder wenigstens einen Teil des Geldes bekommen habe, wisse er nicht. "Das geht mich nichts an, es interessiert mich auch nicht. Mir ist lieber, es nicht zu wissen." Er sei nicht beauftragt worden, für Aufklärung zu sorgen oder Leute durch den Dreck zu ziehen. "Ich habe nur den einen mit dem anderen zusammengebracht, und die haben einen Deal geschlossen."

Wie wichtig Resch in der Sache letztlich war, wird also offenbleiben. Wer seine Auftraggeber sind, weiß er bis heute nicht. Er kennt nicht einmal den Namen seines Kontaktmannes mit Schweizer Akzent. Das Gefühl, von anderen wie eine Figur auf dem Schachbrett eingesetzt worden zu sein, ahnungslos, welche Rolle man spielt: "Das nagt schon", sagt Resch. Er könne aber nichts Verwerfliches darin erkennen, dabei zu helfen, den Tod von 298 Menschen aufzuklären.

Wenn tatsächlich eine Enthüllung zu MH17 kommt, darf er sich bestätigt fühlen. Denn dass sie mit seiner Arbeit nichts zu tun hat - wer wollte das beweisen? Und wenn einfach nichts geschieht, könnte man immer noch argumentieren, dass genau dies das Ziel von Reschs Auftraggebern war: Dinge unter Verschluss zu halten.

Das allerdings wäre nicht im Sinne des Privatmanns Resch. "Ich habe einen Wunsch: Die Auftraggeber bringen die Sache an die Öffentlichkeit. Ich habe persönlich aber die Befürchtung, dass das intern verarbeitet wird."

Der Autor bei Twitter:

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Wahrheit
Ossifriese 16.06.2015
A trifft B und vermittelt ihn an C. Mehr ist in diesem Artikel nicht gesagt. Das Klappfahrrad, die Millionen, der Schweizer - uninteressant. Also bleiben Spekulationen. Davon hatten wir allerdings schon jede Menge zum Abschuss von MH17. Ich bin aber sicher, gleich noch mehr neue Theorien hier zu lesen... na dann...
2.
ackergold 16.06.2015
Sinnlos, solange keiner sagt, wer es denn nun war.
3. Der Artikel
hirzer68 16.06.2015
erschöpft sich in heißer Luft und Geheimniskrämerei. Der Informationswert im Hinblick auf den Abschuss der Maschine ist gleich null.
4.
GoaSkin 16.06.2015
Was möchte uns der Spiegel mit diesem Artikel überhaupt sagen und warum? Die einzige Aussage des Artikels ist: Jemand macht Sachen, die gehen niemanden etwas an.
5. achso
brehn 16.06.2015
Ist ja schön, auch hier wird Geheimniskrämerei betrieben. Mich würde aber im Vergleich zu den Aussagen irgendeines daherglelaufenen Informanten viel mehr interessieren was zum Beispiel die Auswertungen des Voice-Rekorders und/oder Flugdatenschreibers ergeben haben...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Flugzeugabsturz in der Ukraine: Das tragische Ende von Flug MH17
Multimedia-Spezial


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: