Teenager-Tötung in Ferguson Familie Brown gibt nicht auf

Das US-Justizministerium will Darren Wilson nicht anklagen - die Familie von Michael Brown schon. Sie erhebt Zivilklage gegen den weißen Polizisten, der den schwarzen Teenager in Ferguson erschossen hat.

Mutter des erschossenen Michael Brown: Zivilklage gegen weißen Polizisten
AFP

Mutter des erschossenen Michael Brown: Zivilklage gegen weißen Polizisten


Ferguson- Die Familie des getöteten Teenagers Michael Brown gibt nicht auf: nachdem das US-Justizministerium das Verfahren gegen den Polizisten Darren Wilson aus Mangel an Beweisen eingestellt hat, erheben die Browns nun Zivilklage. Auch die Stadt Ferguson wollen sie auf Schadenersatz verklagen.

Wilson habe keinen Grund gehabt, den unbewaffneten Jugendlichen am helllichten Tag zu erschießen, sagte der Anwalt der Familie, Anthony Gray. Die Zivilklage wegen "widerrechtlicher Tötung" werde "sehr bald" eingereicht.

Der weiße Polizist hatte den 18-Jährigen Anfang August vergangenen Jahres in der Stadt Ferguson im Bundesstaat Missouri nach einem Handgemenge mit mehreren Kugeln erschossen. Wilson hatte danach erklärt, sich zum Zeitpunkt der Tat von dem schwarzen Jugendlichen bedroht gefühlt zu haben. Da die Aussage nicht widerlegt werden konnte, hatte das US-Justizministerium das Verfahren gegen den Polizisten am Mittwoch eingestellt. Wilson drohen nun keine strafrechtlichen Konsequenzen mehr. Seinen Polizeidienst hat er inzwischen quittiert.

Der Tod des Teenagers hatte in Ferguson und zahlreichen anderen US-Städten zu teils gewalttätigen Protesten geführt. Eine landesweite Debatte über Rassismus und Polizeigewalt entbrannte. In Ferguson leben mehrheitlich afroamerikanische Bewohner, die sich von der überwiegend weißen Polizeitruppe systematisch diskriminiert fühlen.

Ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht des US-Justizministeriums bestätigte eine routinemäßige Schikanierung von Afroamerikanern in Ferguson. Justizminister Eric Holder erklärte, dass die Stadt eine "zutiefst gespaltene Gemeinde" sei, in der oftmals "Misstrauen und Feindseligkeit" den Umgang zwischen Bevölkerung und Polizei prägten. "Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie ein einziger tragischer Vorfall die Stadt wie ein Pulverfass hochgehen ließ", sagte er.

kry/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 2 Beiträge
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LDaniel 06.03.2015
1. Schikanen
Vielleicht liegt die vermeintliche Schikanierung auch daran, dass ein Überfall auf ein Geschäft - wie vom Erschossenen kurz zuvor begangen - so zum Alltag gehört, dass immer wieder vergessen wird, diese eigentlich höchst relevante Tatsache (ein ganze lieber, unschuldiger, friedlicher Teenager....) in all den Empörungsartikeln zu erwähnen...
larry_lustig 06.03.2015
2. Aha.....
Die Berichtserstattung über solche Taten wird leider in D immer sehr einseitig geführt. - der Erschossenne war Beteiligter an einem Raubüberfall - das "Handgemenge" war der Versuch, an die Waffe des Polizisten zu gelangen
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