Identität verwechselt Unschuldiger kommt nach 29 Jahren aus US-Haft

Jahrzehntelang hat Michael Kenneth McAlister seine Unschuld beteuert. Er saß in Haft, weil er eine Frau missbraucht haben soll. Jetzt hat der wahre Täter gestanden - er sah McAlister zum Verwechseln ähnlich.

Michael Kenneth McAlister (Archivbild 2013): Endlich frei
AP/ Virginia Deptment of Corrections

Michael Kenneth McAlister (Archivbild 2013): Endlich frei


Kurz vor Sonnenuntergang, auf einem Parkplatz vor einem Gefängnis im US-Bundesstaat Virginia, konnte Michael Kenneth McAlister seine Mutter und seine Schwester endlich wieder in den Arm nehmen: Fast 29 Jahre saß er für ein Verbrechen in Haft, das er nicht begangen hatte. Jetzt erklärte ihn der Gouverneur von Virginia offiziell für unschuldig.

Der Straferlass sei angemessen, sagte Terry McAuliffe. Es gebe Beweise, mit der die Unschuld von McAlister bewiesen werden könnten. Darunter das Geständnis eines anderen Mannes.

McAlister wurde im September 1986 verurteilt. Er wurde für schuldig befunden, eine damals 22-jährige Frau im Waschraum eines Wohnhaus-Komplexes in Richmond überfallen und missbraucht zu haben. Das Opfer hatte McAlister auf Fotos erkannt: ein weißer Mann, helle Haare, Vollbart, rund 1,80 Meter groß und etwa 80 Kilo schwer. Der Mann sei maskiert gewesen, habe sie von hinten attackiert und mit einem Messer bedroht, sagte die Frau. Sie habe sich gewehrt, dabei sei die Maske des Mannes leicht verrutscht und sie habe einen Teil seines Gesichts erkennen können. Als ihr später Bilder verschiedener Männer vorgelegt wurden, identifizierte die Frau McAlister.

Der war damals 29 Jahre alt, arbeitete als Schreiner - und war der Polizei bekannt. Unter anderem wegen Alkoholvergehens und Erregung öffentlichen Ärgernisses, wie die "Washington Post" berichtet.

"Es war nicht ihre Schuld"

Doch seine Verurteilung wegen der versuchten Vergewaltigung geschah zu Unrecht, wie inzwischen bekannt ist. Denn bei dem Täter handelt es sich um einen Mann namens Norman Bruce Derr - und der sah McAlister im Jahr 1986 zum Verwechseln ähnlich. Die Polizei wurde auf Derr aufmerksam, weil er in den US-Bundesstaaten Maryland und Virginia mehrere Frauen vergewaltigte und dabei so vorging, wie die Frau es im Prozess gegen McAlister beschrieben hatte. Derr wurde für die Taten inzwischen zu fünfmal lebenslänglich verurteilt.

McAlister, heute 58 Jahre alt, hat seine Unschuld stets beteuert. 1993 sagte unter anderem der Chefermittler in seinem Fall, McAlister sei zu Unrecht verurteilt worden - er verwies schon damals auf Derr. Doch das Gnadengesucht wurde abgelehnt. Ein weiterer Versuch scheiterte 2003.

Im April und Mai dieses Jahres sprach dann ein Ermittler der Kommission für Haftentlassungen ausführlich mit Derr - und der gestand die Tat, für die McAlister verurteilt worden war. "Deshalb, nach sorgfältiger Überlegung und nach Berücksichtigung aller Informationen und Umstände, habe ich entschieden, dass der absolute Straferlass angemessen ist", heißt es in einem Dokument von Gouverneur McAuliffe, das die "Washington Post" veröffentlichte.

McAuliffe sei ein "besonderer Mann, dass er den Mut hat, das zu machen", zitiert die Zeitung McAlister. Er selbst habe Mitleid mit dem Opfer, das so viel habe durchstehen müssen. "Es war nicht ihre Schuld, und ich habe ihr gegenüber keine negativen Gefühle."

Über den Tag seiner Entlassung, als er auf dem Parkplatz seine Familie wiedersah, sagte McAlister: "Es ist ein großartiger Tag, wundervoll." Seine Schwester brachte ihm Kleidung mit. "Wir fahren jetzt direkt nach Hause", sagte sie, "damit er einige von Mamas selbstgebackenen Keksen essen kann."

aar/Reuters



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klugscheißer2011 14.05.2015
1. die USA - das Vorbild an Rechtsstaatlichkeit
Das, was die Justiz diesem Mann angetan hat, ist unverzeihlich. Nun kann man für ihn nur hoffen, dass er draußen irgendwann zur Ruhe kommt und ein schönes Leben führen kann, das der Staat ihm ebenfalls bezahlt.
studibaas 14.05.2015
2. Genau deswegen...
gehört Todesstrafe verboten.
Larosen 14.05.2015
3. Entschädigung
Die Entschädigung dürfte sich bei der Dauer der zu unrecht Abgesessene Strafe auf mehrere Millionen Dollar belaufen. Ich hoffe er reibt es der voreiligen Staatsanwaltschaft schön unter die Nase. Das was er in deinen besten Jahren verpasst hat, wird es nie wieder aufholen können.
Atheist_Crusader 14.05.2015
4.
Wieso ist da von Begnadigung und Straferlass die Rede? Müsste nicht schlicht das Urteil gegen ihn aufgehoben werden? Begandigung ist doch "Gnade vor Recht", und das Recht ist erwiesnermaßen auf sseiner Seite.
Sandbänker 14.05.2015
5. Noch mal Glück gehabt, ....
... unter anderen Rahmenbedingungen wäre er vielleicht zum Tode verurteilt worden. In Deutschland wäre mit einer Haftentschädigung von 25 € pro Tag zu rechnen - abzüglich Unterkunft und Verpflegung ...
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