Belgischer Kindermörder: Ex-Frau von Dutroux trifft Vater eines Opfers

Seine achtjährige Tochter verhungerte im Keller des belgischen Sexualmörders Marc Dutroux. Jetzt möchte Jean-Denis Lejeune Klarheit über das qualvolle Ende des Kindes - die Ex-Frau des Verbrechers soll dem Vater dabei helfen.

Michelle Martin: Die Ex-Frau von Marc Dutroux musste sich 2004 vor Gericht verantworten Zur Großansicht
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Michelle Martin: Die Ex-Frau von Marc Dutroux musste sich 2004 vor Gericht verantworten

Brüssel - Die Ex-Frau und Komplizin von Mädchenmörder Marc Dutroux hat den Vater eines ihrer Opfer getroffen. Michelle Martin kam zu einem Gespräch mit Jean-Denis Lejeune zusammen, wie die Tageszeitung "Le Soir" und weitere belgische Medien berichteten. Dabei war auch der Bruder des toten Mädchens.

Beide Seiten einigten sich offenbar darauf, zum Inhalt zu schweigen. "Ja, ich habe Michelle Martin tatsächlich getroffen und ich werde zu dem Thema keinen Kommentar abgeben", schrieb Jean-Denis Lejeune, Vater der vor 17 Jahren in Dutroux' Haus verhungerten Julie, am Samstag auf seiner Facebook-Seite. Dass Details zu dem Treffen in die Presse gelangt seien, könne er nur bedauern.

Belgische Zeitungen berichteten, das Treffen habe in der Nähe des Klosters stattgefunden, in dem Martin seit ihrer Haftentlassung lebt. An der knapp vierstündigen Unterredung hätten auch Lejeunes Sohn Maxime und zwei Mediatoren teilgenommen. Einer der Vermittler sagte dem Radiosender RTBF lediglich, das Gespräch habe in "ruhiger Atmosphäre" stattgefunden.

Im Keller verhungert

Lejeune hatte vorab erklärt, das Treffen mit Martin sei die letzte Etappe in seinem 17-jährigen Kampf darum, die Wahrheit über den Tod seiner achtjährigen Tochter zu erfahren. Martin hatte er als "direkte Verantwortliche für den Tod meiner Tochter" bezeichnet. Dutroux und Martin hatten ausgesagt, Julie sei gestorben, während Dutroux eine dreimonatige Haftstrafe abgesessen habe. Währenddessen sei seine damalige Frau für Julie und die ebenfalls entführte Melissa Russo verantwortlich gewesen. Die Eltern der Mädchen hatten diese Version allerdings angezweifelt.

Die Unterredung zwischen Martin und Lejeune musste zunächst von einem Gericht genehmigt werden, da es eine Bewährungsauflage von Martin ist, sich von den Angehörigen der Opfer fernzuhalten. Lejeune sagte, er wolle über den Inhalt des Gesprächs nur seine Ex-Frau informieren sowie die Eltern von Melissa Russo, die wie Julie im Alter von acht Jahren in Dutroux' Keller verhungert war.

Martin war 1996 mit Dutroux festgenommen worden. 2003 wurden sie und Dutroux geschieden, im Jahr darauf wurde Martin zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Im Juli gab ein Gericht in Mons ihrem Antrag auf vorzeitige Haftentlassung statt, im September verließ sie das Gefängnis. Zu den Auflagen für die Freilassung gehört, dass Martin sich in dem Kloster nahe der Stadt Namur aufhalten muss. Dutroux hatte zwischen Juni 1995 und August 1996 insgesamt sechs Mädchen entführt und vier von ihnen getötet.

dkr/dpa/AFP

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