Bankfehler Multimillionär für ein paar Stunden

Michael Hauk bekam von seiner Online-Bank versehentlich 200 Millionen Euro gutgeschrieben. Zehn Millionen landeten wenig später auf seinem Girokonto. Dann verlangte die Bank das Geld zurück - inklusive Zinsen von 12.000 Euro. Nun musste ein Gericht entscheiden.

Comdirect-Kundenkarte: Viel Ärger wegen einer Überweisung
dapd

Comdirect-Kundenkarte: Viel Ärger wegen einer Überweisung

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Hamburg - Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, da wurde Michael Hauk vor dem eigenen Rechner "heiß und kalt", so beschreibt er das Gefühl heute. An einem Donnerstagabend im April 2011 überprüfte er sein Konto bei der Online-Bank Comdirect. Was Hauk sah, gehörte dort nicht hin: 200 Millionen Euro waren ihm aufgrund eines Fehlers gutgeschrieben worden.

Hauk war plötzlich reich. Verdammt reich. Wenn alles mit rechten Dingen zugegangen wäre, hätte er es aus dem Stand auf die Liste der 500 reichsten Deutschen im manager magazin geschafft.

Michael Hauk ist 50 Jahre alt, er lebt im hessischen Friedberg und arbeitet als selbständiger Unternehmensberater. Man darf ihm glauben, wenn er sagt: Ich wusste gleich, dass dieses Geld nicht mir gehört. "Mit 50 Jahren weiß man so etwas." Doch es war bereits 21 Uhr, bei der Bank sei niemand mehr zu erreichen gewesen, Hauk überlegte: Was kann ich tun?

Was in den folgenden Tagen geschah, ist im Großen und Ganzen unstrittig. Wie die Konsequenzen auszusehen haben, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Und deshalb standen sich Michael Hauk und die Comdirect nun vor dem Landgericht Itzehoe gegenüber.

Die Comdirect sagt, Michael Hauk habe noch an jenem Abend knapp zehn Millionen Euro auf sein Girokonto bei einer anderen Bank überwiesen. Hauk hingegen sagt, er habe einen Kredit über diese Summe beantragt, um auf die falsche Buchung aufmerksam zu machen. Er habe sich nicht bereichern wollen. Dass der Kredit ohne jede Sicherheit bewilligt wurde, dass die Summe tatsächlich auf seinem Girokonto landete, habe ihn selbst überrascht.

Hier steht Aussage gegen Aussage. Einen Kreditantrag habe es nie gegeben, heißt es bei der Comdirect. Man wisse nicht, was Hauk zu der Überweisung motiviert habe, so Sprecher Johannes Friedemann. "Wir wissen nur, dass knapp zehn Millionen Euro transferiert wurden."

Am folgenden Tag forderte die Comdirect das Geld von Hauks Hausbank zurück. Hauk stimmte sofort zu, am Montag waren die zehn Millionen Euro wieder dort, wo sie hingehören. Doch damit war die Angelegenheit nicht erledigt: Für das drei Tage fehlende Vermögen berechnete die Comdirect 14,4 Prozent Überziehungszinsen und zog 12.000 Euro von Hauks Konto ein. Dieser wollte sich das nicht gefallen lassen und klagte.

Die Bank wolle auf seine Kosten Profit machen, wirft er der Comdirect vor. Hauk will für den Fehler der Bank nicht bezahlen müssen. Für ihn ist es im besten Fall ein Nullsummenspiel. "Wenn jemand über Geld verfügt, das ihm nicht gehört, muss er dafür Zinsen zahlen", sagt hingegen Friedemann. "Das ist ein ganz normaler Vorgang."

Es ist eine komplizierte Geschichte. Im Detail geht es auch um Begriffe wie genehmigte oder nicht genehmigte Überziehung, um Refinanzierungskosten und möglichen Schadensersatz. Der Wille eine Lösung zu finden sei da, sagt Friedemann.

Doch vor dem Landgericht Itzehoe konnten sich die Parteien nicht einigen, sie lehnten jeweils die Kompromissangebote der Gegenseite ab. Da die Comdirect schließlich auf einen Antrag verzichtete, erging ein sogenanntes Versäumnisurteil. Die Bank muss nun die 12.000 Euro zurückzahlen, so der Richter.

"Wir haben jetzt erstmal auf ganzer Linie gewonnen", sagt Hauks Anwalt Gerd-Hendrik Grüne. "Das Urteil ist nicht in unserem Sinne ausgefallen. Wir werden Einspruch einlegen", sagt Comdirect-Sprecher Friedemann.

Michael Hauk sitzt kurz nach dem Urteil schon im Zug zurück nach Hessen. "Geld macht nicht glücklich", sagt er am Telefon und lacht. Er nimmt es mittlerweile mit Humor. "Nichts als Ärger" habe er mit dem Fall gehabt, Hauk hofft jetzt erstmal auf ein bisschen Ruhe. Kunde bei der Comdirect ist er schon lange nicht mehr.



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Steff-for 03.05.2012
1.
Was das wohl wieder für ein Schmuddelgeschäft der Bank gewesen sein soll??? 200 Mio mal eben so... und dann noch aufs falsche Privatkonto! Der Fehler geht auf die Bank
bigeagle198 03.05.2012
2. Gnadenlos naiv
Ich habe es gerade auf HR3 gesehen. Ehrlich gesagt, wie naiv muss ein Mensch sein, sich von einem fehlerhaften Geldeingang einfach was abzuzweigen und dann davon auszugehen, der liebe Gott wird es schon richten? Aus meiner Sicht hätte der Kläger die 12.000.- Vorschusszinsen voll bezahlen müssen. Wenn ich so einen Geldeingang bemerken würde, dessen Herkunft ich nicht kenne, würde ich sofort bei meiner Bank anrufen und um Aufklärung bitten. Ich fürchte, die Deutschen sind mittlerweile zu einem Volk von Glücksrittern, Schnappchenjägern und Mitesser degeneriert. bigeagle198
chb_74 03.05.2012
3. Das hat System...
Zitat von sysopdapdMichael Hauk bekam von seiner Online-Bank versehentlich 200 Millionen Euro gutgeschrieben. Zehn Millionen landeten wenig später auf seinem Girokonto. Dann verlangte die Bank das Geld zurück - inklusive Zinsen von 12.000 Euro. Nun musste ein Gericht entscheiden. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,831124,00.html
Die Bank macht Fehler und Unbeteiligte sollen materiell haften. Hatten wir das nicht in den letzten Jahren auch bei der maßgeblich von Banken und ihrer Gier ausgelösten Finanzkrise...? Offensichtlich hat das System. Eine seriöse Bank hätte eher ein weitreichendes Entschuldigungsschreiben geschickt und die Angelegenheit still und leise ohne jeden Schaden für den Kunden geregelt. Das Verhalten sagt also durchaus was über die comdirect und die geistige Haltung ihrer führenden Kräfte aus - meiner Ansicht nach nichts allzu Positives...
Hamburg4ever 03.05.2012
4. da kann man...
...nur mit dem Kopf schütteln. Die Bank sollte Hr.Hauke Geld dafür zahlen, dass er die Summe zurückgegeben hat. Sollte einem so etwas passieren, gibt es nach dieser Geschichte wohl nur eine Möglichkeit: Den kopletten Betrag auf ein anderes eigenes Konto überweisen und den Rest des Lebens unter Palmen von den Zinseszinseszinsen überwintern, 200 Mio € sollten dafür locker reichen...
DieterJakobi 03.05.2012
5. Hoffentlich....
lesen das möglichst viele Kunden dieser Bank, ich glaube man nennt sowas Negativwerbung.
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