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Millionen-Betrug: Kika-Mitarbeiter soll weitere Rechnungen gezinkt haben

Ein führender Mitarbeiter des Kinderkanals soll den Sender um mehrere Millionen Euro betrogen haben. Nach SPIEGEL-Informationen ist der Skandal aber offenbar größer als zunächst bekannt: Das Geschäft mit fingierten Rechnungen könnte schon länger gelaufen sein.

Hamburg - Der Skandal um die mutmaßliche Betrugsmasche des Herstellungsleiters Marco K. beim öffentlich-rechtlichen Kinderkanal (Kika) scheint größer als zunächst bekannt: Die Betrugssumme könnte erheblich über den bisher genannten vier Millionen Euro liegen. Die Ermittler konzentrieren sich auf Fälle, die noch nicht verjährt sind. Vieles deutet aber darauf hin, dass Marco K. das Spiel mit gezinkten Rechnungen schon länger betrieben haben könnte.

Dem 43-Jährigen wird vorgeworfen, seit Ende 2005 in mehr als 70 Fällen verschiedene Dienstleistungen im Gesamtwert von vier Millionen Euro erfunden und mit einer Firma aus Berlin abgerechnet zu haben. Im Gegenzug soll er anteilig an der Hälfte der Summe beteiligt worden sein. K. wurde von seinen Aufgaben beim Sender suspendiert und verhaftet.

Nach SPIEGEL-Informationen warnte das ZDF bereits 2008 eindringlich vor den Zuständen beim Kika, einer Gemeinschaftseinrichtung von ARD und ZDF unter Federführung des MDR.

In einem Revisionsbericht hieß es, dass Bestellungen und Abrechnungen personell nicht immer ausreichend getrennt seien. Auch ein Team der Abteilung "Forensic Services" der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC unter Leitung eines Kriminalrats a. D. empfahl unter anderem, der Sender solle Programmverantwortliche von den Mitarbeitern trennen, die für den Einkauf zuständig sind.

Der Vorschlag sei nicht praktikabel, entschieden die Verantwortlichen beim MDR damals - und setzten ihn nicht um. "Vielleicht hätten wir das doch machen sollen", sagt MDR-Intendant Udo Reiter heute.

Der MDR prüft inzwischen auch, ob der Beschuldigte möglicherweise mit weiteren Firmen ähnliche betrügerische Modelle unterhielt.

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