Umfassendes Geständnis: Millionenbetrüger Ulrich Engler setzt auf Deal

Mit einem Schneeballsystem prellte er Tausende Anleger um mehr als 37 Millionen US-Dollar: Vor dem Landgericht Mannheim hat der international gesuchte Hochstapler Ulrich Engler ein Geständnis angekündigt - wenn die Justiz nach seiner Pfeife tanzt.

Mannheim - Es ist sein letzter Trumpf: Anleger-Betrüger Ulrich Engler hat zum Auftakt des Prozesses um den Millionenbetrug mit fingierten US-Aktiengeschäften vor dem Landgericht Mannheim ein umfassendes Geständnis angekündigt. Detailliert will er demnach sein Schneeballsystem erläutern, mit dem er Tausende Anleger geprellt haben soll. Unter einer Bedingung: Geständnis gegen Strafobergrenze.

Die beiden Verteidiger Steffen Lindberg und Nicolas Frühsorger machten am Dienstag den Vorschlag für eine Absprache: Demnach soll Engler maximal acht Jahre und neun Monate Haft bekommen, wenn er umfassend aussagt. Die Staatsanwaltschaft stimmte dem Deal bereits am Dienstag zu. Das Gericht zog sich zur Beratung zurück und will seine Entscheidung am Freitag mitteilen.

Es wäre ein furioser Auftakt für den Prozess, denn Engler drohen bis zu 15 Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51-Jährigen vor, knapp 1300 Anleger um insgesamt 37 Millionen US-Dollar geprellt zu haben. Doch tatsächlich lässt sich nur ein Teil seiner illegalen Geschäfte nachweisen: Die Zahl der Geschädigten liegt nach Schätzungen bei 3000 bis 6000. Zur Höhe des Gesamtschadens wollten sich Englers Anwälte nicht äußern.

Die Zustimmung des Gerichts zu dem vorgeschlagenen Deal gilt als sehr wahrscheinlich - auch weil damit ein Mammutverfahren verhindert werden könnte. "Wir hoffen auf eine Gesamtbereinigung der Situation", formuliert es Verteidiger Lindberg. "Eine solche Absprache würde zu einer Abkürzung des Verfahrens führen und die Vernehmung von 1300 Zeugen ersparen." Sein Mandant hoffe auf eine positive Entscheidung der Kammer. "Er will eine Kehrtwende in seinem Leben vollziehen."

Vom Betrüger zum Handwerker

Für die Kehrtwende hat Engler bereits die Weichen gestellt: Zum Auftakt des Prozesses äußerte er sich zu seinen persönlichen Verhältnissen. Demnach strebt er in der Justizvollzugsanstalt eine Schreiner- und Tischlerlehre an. "Er will nach seiner Haft im handwerklichen Bereich arbeiten", sagte Lindberg.

Klappt der Deal, rückt auch eine Haftentlassung in absehbare Nähe: Mit einer Haftstrafe von maximal acht Jahren und neun Monaten könnte Engler nach Verbüßen von zwei Dritteln seiner Strafe freikommen.

Der gelernte Bürokaufmann hatte Anlegern von 2004 bis 2007 vorgegaukelt, mit einem Computerprogramm Aktienkursentwicklungen an der New Yorker Börse schneller als andere Händler erkennen zu können und hohe Gewinne zu erzielen . Monatlich stellte er dabei drei bis sechs Prozent Rendite, bei einer Wiederanlage der Erträge noch höhere Gewinne in Aussicht, sagte Staatsanwältin Yvonne Durban am Dienstag beim Verlesen der Anklageschrift.

Luxusautos, Kunstwerke, Edelsteine

Engler habe jedoch keinen Aktienhandel betrieben, sondern ein Schneeballsystem. Mit neu eingenommenem Geld zahlte er zum Teil Ausschüttungen an andere Anleger aus. Auf Kosten seiner Opfer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz leistete er sich einen aufwendigen Lebensstil in Florida und bezahlte Provisionen an Vermittler in Europa. Ein Dutzend von ihnen hat die Staatsanwaltschaft Mannheim bereits wegen Betrugs angeklagt.

Engler war nach jahrelanger Flucht im Juli 2012 von den US-Behörden nach Deutschland ausgeliefert worden. Die deutschen Strafverfolger hatten ihn bereits seit 2007 mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Der ehemalige Berufssoldat und Staubsaugervertreter arbeitete jahrelang in Ulm, Stuttgart und Iserlohn als Finanzberater und vermittelte Versicherungen, Bausparverträge oder Immobilienfonds. In den neunziger Jahren bereits ging er dubiosen Geschäften nach und lebte Rechtsanwalt Lindberg zufolge über seine Verhältnisse.

Mitte der neunziger Jahre setzte er sich nach eigenen Worten in die USA ab, nachdem er drei Wochen in Untersuchungshaft gesessen hatte. Dort versuchte er unter anderem, pornografische Internet-Seiten zu verkaufen, ehe er mit dem angeblichen Computerhandel auf Kundenfang ging. Mit Hilfe von Vermittlern sammelte er Millionen von Anlegern ein. In Florida leistete er sich Luxusautos, Kunstwerke und Edelsteine, wie seine Verteidiger sagten. In den USA laufe deshalb noch ein Insolvenzverfahren gegen Engler.

jjc/Reuters

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