Säureangriff in Minden "Da gab's ein Problem, und das ist leider ausgeufert"

In Ostwestfalen hat ein 51-Jähriger eine Frau mit Säure bespritzt - auf offener Straße. Vorausgegangen war ein offenbar hitziger Streit, der Angreifer soll nun in einer Psychiatrie untergebracht werden.


Am Anfang war die Aufregung offenbar groß. "Für uns war das vom ersten Eindruck her hoch zu bewerten", sagt Thomas Bensch, Sprecher der Polizei in Minden. In der westfälischen Stadt hatte am Mittwochmorgen ein Mann ätzende Säure auf eine 44-jährige Frau geschüttet - mitten am Tag, auf offener Straße.

Inzwischen geht die Polizei von einem nicht allzu schweren Vorfall aus. "Das ist sicherlich nicht etwas, was man üblicherweise als Säureattacke bezeichnen würde", sagt Behördensprecher Bensch, "das ist keine Mordattacke gewesen."

Was war es dann?

Gegen 9.40 Uhr wählten Passanten den Notruf, weil sie die Schreie der Frau auf der stadtauswärts führenden Hahler Straße hörten. Wenig später, das geht aus einer ersten Mitteilung der Polizei hervor, fanden die herbeigeeilten Beamten die 44-Jährige dort. Ein Notarzt versorgte sie, dann kam sie ins Krankenhaus - jedoch nur für eine kurze Behandlung, sie hatte lediglich leichte Verletzungen am Hals und im Gesicht erlitten.

Das liegt wohl vor allem daran, dass der Angriff nicht aus dem Nichts kam, wie Polizeisprecher Bensch sagt: "Er hat sie nicht überrascht." Der inzwischen geständige Täter und das Opfer hatten sich zuvor gestritten - worüber, das will Bensch nicht sagen. Beide kennen sich laut Polizei seit Längerem.

"Einschlägig ist da nichts bekannt"

Der Mann soll nach dem Wortgefecht der Frau mit einem Fahrrad gefolgt sein und sie dann mit der Säure bespritzt haben. Die 44-Jährige zog dabei noch rechtzeitig ihre Jacke hoch, sodass ein Großteil der Flüssigkeit ihre Haut nicht berührte. Der Angreifer flüchtete auf dem Fahrrad, wurde wenig später jedoch gefasst. War es eine Tat im Affekt? Bensch sagt: "Da gab's ein Problem, und das ist leider ausgeufert."

Unklar ist, welche Vorgeschichte der Fall hat und ob der Angriff vorbereitet war. Die Feuerwehr sicherte den Fundort nach der Tat ab und kümmerte sich um die Kleidung sowie die Wertsachen der Frau. Ermittler stellten die Flasche sicher, die der Täter benutzt haben soll. Ob es sich beim Inhalt um Salzsäure handelte, steht noch nicht fest. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.

Der 51-Jährige sagte Ermittlern, er bedauere seine Tat. Inwiefern er während des Angriffs überhaupt zurechnungsfähig war, ist offenbar unklar: Angehörige des Mannes kündigten an, ihn in einer psychiatrischen Klinik unterzubringen, die Polizei ließ ihn mangels Haftgründen wieder frei. Unter welchen psychischen Einschränkungen er womöglich leidet, ist unklar.

Mit ähnlichen Taten war der Angreifer bislang jedenfalls nicht aufgefallen, wie Polizeisprecher Bensch sagt: "Einschlägig ist da nichts bekannt."

mxw

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