Tödliche Schüsse auf Philando Castile Jury spricht Polizisten frei

Weil er den Afroamerikaner Philando Castile während einer Verkehrskontrolle erschossen hatte, musste sich ein Polizist in Minnesota vor Gericht verantworten. Nun wurde der Mann freigesprochen - und entlassen.

Gedenken an Philando Castile im Sommer 2016
AP

Gedenken an Philando Castile im Sommer 2016


Knapp ein Jahr nach den tödlichen Schüssen auf Philando Castile ist im US-Bundesstaat Minnesota das Urteil gegen den verantwortlichen Polizisten gefallen. Der Beamte, der den Afroamerikaner während einer Polizeikontrolle erschossen hatte, wurde von einer Jury vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen.

Castile war im Juli 2016 von der Polizei angehalten worden. Nach Aussagen seiner Lebensgefährtin Diamond Reynolds, die ebenfalls im Auto saß, ging es den Beamten bei der Verkehrskontrolle zunächst um ein kaputtes Rücklicht. Wenige Sekunden, nachdem Castile die Beamten darüber informiert hatte, dass er eine Waffe bei sich habe, fielen die tödlichen Schüsse. Reynolds hatte ihren sterbenden Freund gefilmt, die Aufnahme wurde live im Internet übertragen.

Während des Prozesses in Minnesota hatte der Angeklagte ausgesagt, dass Castile seine Waffe aus der Tasche gezogen habe, obwohl er von dem Beamten aufgefordert worden sei, dies nicht zu tun. Der Verteidigung des Angeklagten argumentierte, dass das Castile Marihuana konsumiert habe und daher unberechenbar gewesen sei. Castile war im Besitz eines Waffenscheins.

Die Familie des Opfers reagierte wütend auf das Urteil. Castiles Mutter und weitere Familienmitglieder verließen direkt nach der Urteilsverkündung den Gerichtssaal. Die zuständige Polizeibehörde der Stadt St. Anthony in Minnesota kündigte nach dem Urteil an, den freigesprochenen Polizisten zu entlassen.

Der Fall sorgte in den USA landesweit für Aufsehen. Die vierjährige Tochter saß während des Vorfalls auf dem Rücksitz. Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze haben in den vergangenen Jahren in den USA wiederholt für Empörung und Aufruhr vor allem in der afroamerikanischen Bevölkerung gesorgt.

asc/Reuters/AP



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