Missbrauch bei Kita-Sozialstunden Pädophiler zu Bewährungsstrafe verurteilt

Das Amtsgericht Osnabrück hat einen vorbestraften Pädophilen wegen Missbrauchs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Der Mann hatte ausgerechnet in einem Kindergarten Sozialstunden ableisten sollen und wurde rückfällig. Die Staatsanwaltschaft hat die folgenschwere Panne bereits eingeräumt.


Osnabrück/Melle - Der Mann erhielt ein Jahr Haft auf Bewährung. Das Gericht folgte damit heute dem Antrag der Anklage. Die Staatsanwaltschaft selbst war es jedoch, die den 41-Jährigen in den Kindergarten geschickt hatte. Er sollte dort Sozialstunden ableisten, weil er sich vorher Sozialleistungen ergaunert hatte. Gegen die verantwortliche Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft läuft ein Disziplinarverfahren.

Der Mann muss außerdem 500 Euro an den deutschen Kinderschutzbund zahlen, wie Richter Horst-Dieter Kemper in seinem Urteil sagte. Der Mann hatte vor dem Jugendschöffengericht eingeräumt, zwei Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren sexuell belästigt zu haben. "Es tut mir äußerst leid, ich würde es gerne rückgängig machen", sagte er mit brüchiger Stimme. Der Mann war laut Staatsanwaltschaft zwischen 1988 und 1991 - zunächst in der DDR - wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden.

Eine Mitarbeiterin der Gerichtshilfe bei der Staatsanwaltschaft hatte es versäumt, die Akte des mehrfach vorbestraften Mannes ordnungsgemäß zu prüfen. "Das ist eine Riesenkatastrophe und ein großer Fehler, das geht nicht", sagte der Sprecher der Anklagebehörde, Alexander Retemeyer.

Bereits zuvor hatte die Mitarbeiterin den Mann in der Landesturnschule in Melle eingesetzt, wo er aber nicht straffällig wurde. Davor wiederum war der Mann - ebenfalls zur Ableistung gemeinnütziger Arbeit - als Hausmeister in Kindereinrichtungen der Stadt Melle tätig. Die Stadt Melle hatte ihn 2004 auf der Grundlage des damaligen Sozialhilfegesetzes eingesetzt, wie eine Sprecherin sagte. Sie beteuerte, die Stadt habe keine Kenntnis über die Vorgeschichte des Mannes gehabt. Der Verein "Deutsche Kinderhilfe Direkt" stellte nach dem Urteil Strafanzeige wegen Delikten wie Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern und wegen Amtspflichtverletzungen.

ffr/dpa/AP



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