Prozess um Missbrauch im Kloster Ettal Pater zu Bewährungsstrafe verurteilt

Die Fälle liegen lange zurück, doch erst jetzt stand ein Mönch des Klosters Ettal vor Gericht. Wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen wurde er zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt.

Der angeklagte Pater (r., Archiv): Bewährungsstrafe und Sexualtherapie
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Der angeklagte Pater (r., Archiv): Bewährungsstrafe und Sexualtherapie


München - Das Landgericht München II hat einen Pater des oberbayerischen Klosters Ettal verurteilt. Die Strafe wegen sexuellen Missbrauchs von Schülern beträgt ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung. Außerdem muss sich der 45 Jahre alte Benediktinermönch einer ambulanten Sexualtherapie unterziehen.

Der Angeklagte hatte in dem Prozess sexuelle Übergriffe auf zwei Jungen und den versuchten Missbrauch eines weiteren Schülers eingeräumt - laut Anklage kam es zu mindestens 20 Vorfällen. Im Gegenzug war dem ehemaligen Internatslehrer eine Bewährungsstrafe zwischen 21 und 24 Monaten zugesichert worden. Zu den Vorfällen war es in den Jahren 2001 bis 2005 gekommen.

Als strafmildernd wertete das Gericht neben dem umfassenden Geständnis auch die Aussagen der Opfer, dass sie keine nachhaltigen Schäden erlitten hätten. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert. Auch die Verteidiger beantragten eine Bewährungsstrafe, nannten aber kein Strafmaß.

Der Ettaler Abt Barnabas kündigte ein kirchliches Strafverfahren gegen den Pater an und zeigte sich tief enttäuscht: "Auch uns im Kloster bleibt eine große und tiefe Verbitterung." Das Mitgefühl der Benediktiner gelte den Opfern, "weil sie durch die Unehrlichkeit des Paters so lange auf ein Urteil warten mussten".

Das Kloster Ettal war mit dem Aufkommen des Missbrauchsskandals der katholischen Kirche im Januar 2010 in die Kritik geraten. Ein externer Sonderermittler fand heraus, dass dort über Jahrzehnte Kinder körperlich misshandelt und zum Teil auch sexuell missbraucht wurden.

Möglich war dies auch durch fehlende Pädagogik und totale Überforderung der Erzieher. Zu diesem Ergebnis kam 2013 eine Studie, die das Institut für Praxisforschung und Projektbearbeitung (IPP) im Auftrag des Klosters erstellte.

wit/dpa/AFP



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