Missbrauch in der katholischen Kirche Kardinal im Vatikan räumt "gewaltige Fehler" ein

Es sind Sätze, die aufhorchen lassen: Der australische Kardinal Pell kritisiert beim Thema Missbrauch die eigene Kirche. Man habe Menschen im Stich gelassen und Vorwürfe abgetan.

Kardinal Pell per Video: Live-Schalte aus Rom
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Kardinal Pell per Video: Live-Schalte aus Rom


Der drittmächtigste Mann im Vatikan, der australische Kardinal George Pell, hat eingeräumt, dass die katholische Kirche beim Umgang mit dem Thema Kindesmissbrauch "gewaltige Fehler" gemacht habe. Man habe "Menschen im Stich gelassen", sagte der 74-Jährige vor einer australischen Regierungskommission, die sich mit der Aufarbeitung von Fällen in Australien beschäftigt. Pell wurde aus gesundheitlichen Gründen per Video aus Rom zugeschaltet.

Mehrere Opfer aus Australien waren eigens nach Italien gereist, um die Aussagen des Geistlichen vor Ort zu hören. Pell sagte, die Kirche habe zu lange glaubhafte Vorwürfe abgetan "in absolut skandalöser Art und Weise". Man habe stattdessen die Täter von Gemeinde zu Gemeinde verschoben. Pell sagte, er sei "nicht hier, um das Unhaltbare zu verteidigen."

Pell wird vorgeworfen, als Priester und Bischof selbst sexuelle Übergriffe von anderen vertuscht zu haben. Er hat dies stets zurückgewiesen. "Es waren meist persönliche Schwächen, kein Versagen der Struktur", sagte Pell. "Der Instinkt war, die Institution, die Gemeinschaft der Kirche, vor Schande zu schützen."

Pell selbst werden keine Übergriffe vorgeworfen. Er hat sich im Namen der Kirche bereits zweimal bei Opfern entschuldigt.

sms/dpa/AP/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
Mieze Schindler 29.02.2016
1. Wenn Missbrauch und Vertuschung desselbigen in so
einem Umfang passiert, wie hier in der Katholischen Kirche, dann sind das keine Einzelfälle mehr, sondern es ist strukturbedingt und wird sich ohne eine Veränderung oder Beseitigung der verurachenden Struktur nicht ändern.
note4shape 29.02.2016
2. Da sitzt ein Deutscher Kardinal
im Vatikan, der zu seinen Regensburger Missbrauchsopfern aussagen sollte, und zwar vor dem Richter!
bonngoldbaer 29.02.2016
3. Was würde...?
"Der Instinkt war, die Institution, die Gemeinschaft der Kirche, vor Schande zu schützen." Jesus Christus würde dazu sagen: "Die Kirche ist um der Menschen willen da, nicht die Menschen um der Kirche willen."
isegrim der erste 29.02.2016
4. Der Rückzug des ehemaligen Papstes Benedikt XVI
von seinem kirchlichen Amt geschah wohl aus genau diesen Gründen des Mitwissens und Wegsehens bei diesem riesengroßen Skandal. Die gesundheitlichen Gründe klingen für mich vorgeschoben und unglaubhaft zumal Kardinal Gänsewein nicht müde wird zu erklären, wie gut es Herrn Ratzinger noch geht.
pb-sonntag 29.02.2016
5. #1
Das ist nicht struktur-, sondern systembedingt. Unterstreicht dieses abartige Verhalten doch nur die Allmachtsstellung und Unantastbarkeit der Katholischen Kirche. Seit Jahren sind die Fälle bekannt. Trotzdem wird nichts unternommen. Es wird vertuscht, verleugnet, gedroht, verschwiegen. Und die staatlichen Instanzen? Sind die wirklich daran interessiert, aufzuklären?
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