Staufener Missbrauchsfall Angeklagter soll Kind zum Töten gesucht haben

Die Staatsanwaltschaft hat einen Mann aus dem Netz des mutmaßlichen Breisgauer Missbrauch-Paars angeklagt. Laut Ermittlern fragte er über das Darknet, ob er den Neunjährigen vergewaltigen und töten könne.

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Es war der 3. Oktober, ein Feiertag, als der Elektrotechniker Daniel V. sich in den Zug setzte. In den Rucksack, den er auf die Fahrt von der Ostsee nach Süddeutschland mitnahm, hatte er Fesselutensilien gepackt.

In Karlsruhe, so glauben die Ermittler, wollte er einen neunjährigen Jungen vergewaltigen. Was V. nicht wusste: Das Kind war zu diesem Zeitpunkt bereits in Sicherheit. Und seine Mutter Berrin T. und ihr Freund Christian L., die den Jungen gegen Geld Pädosexuellen aus dem In- und Ausland ausgeliefert haben sollen, saßen in Untersuchungshaft.

Die Ermittler hatten Daniel V. eine Falle gestellt. Und er tappte hinein.

Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat nun vor dem Landgericht Anklage gegen den 43-jährigen Schleswig-Holsteiner erhoben. Der Vorwurf lautet: "Sichbereiterklären zum Mord und zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern."

Laut Staatsanwaltschaft soll Daniel V. über das Darknet Kontakt zu Christian L. aufgenommen und gefragt haben, ob er den Jungen sexuell missbrauchen - und ihn danach töten dürfe. Das habe L. aber abgelehnt.

Später habe Daniel V. erneut Christian L. kontaktiert, so die Staatsanwaltschaft - allerdings hatten zu diesem Zeitpunkt offenkundig die Ermittler bereits dessen Darknet-Account übernommen und ein Treffen mit dem Pädosexuellen vereinbart. Direkt nach V.s Ankunft in Karlsruhe nahm ihn die Polizei fest. Er selbst schweigt nach Angaben der Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen.

Es ist bereits die zweite Anklage gegen einen Verdächtigen aus dem Netz des mutmaßlichen Missbrauchs-Paars aus dem Breisgau. Weitere sollen bald folgen, die ersten Prozesse könnten im Frühjahr beginnen. Insgesamt wurden in Zusammenhang mit dem Fall acht Beschuldigte festgenommen, in Deutschland, Spanien, Frankreich und Österreich.

Daniel V. wurde bereits mehrfach wegen einschlägiger Delikte verurteilt. Ein Gutachter hatte ihm in einem früheren Prozess eine schwere "sadistisch-fetischistische Pädophilie" attestiert.

Vor knapp zehn Jahren hatte er mit einem Gleichgesinnten einen "Boytausch" geplant: die Vergewaltigung der eigenen Kinder durch den jeweils anderen. V. hatte bereits eine Ferienwohnung im Harz gemietet und seinem drei Jahre alten Sohn probeweise eine Schlaftablette verabreicht. Bevor es zu dem Verbrechen kam, wurde V. festgenommen. Die damaligen Ermittlungen ergaben, dass er im Netz noch grausamere Sexualfantasien geäußert hatte. In einem Chat berauschte er sich an dem Gedanken, einen Schuljungen zu quälen. Am Ende sollte das Kind im Meer "entsorgt" werden.

Zunächst verurteilte ein Gericht ihn zu elf Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. Doch der Bundesgerichtshof befand, dass ihm eine Verabredung zum Mord nicht nachzuweisen sei, und kassierte das Urteil in Teilen. Daniel V. kam nach knapp sechs Jahren Gefängnis im Jahr 2015 wieder frei.

Er zog in ein Dorf an der Ostsee und arbeitete als Elektroinstallateur. Er wurde in ein Programm des Landeskriminalamts für entlassene Sexualstraftäter aufgenommen. Die Experten stuften ihn in die Kategorie B ein - er galt als "latent rückfallgefährdet".


Betroffene können sich kostenfrei und anonym an das Hilfetelefon des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung wenden: 0800-22 55 530

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